Behördendeutsch statt Festivalflair
Behördendeutsch statt Festivalflair

Kostenplanung in einer überhitzten Konjunktur ist nicht einfach. Auch die Altbauten bergen Überraschungen. Doch die Stadträte wollen Kostensicherheit – zu Recht.
Eigentlich hat die Stadt bereits ein Controlling-Instrument. Es heißt „Inkas“, seit vier Jahren wird das Programm genutzt, um Baukosten besser überwachen zu können. Doch es nutzt nichts.
Und so bleibt das Unbehagen bei den Stadträten. Trotz regelmäßiger Berichte – oft ist es schon zu spät, um noch steuernd eingreifen zu können. Waren es damals der Schulcampus oder das MLF-Gelände, die teurer wurden als geplant, so sind es diesmal andere Baustellen wie die Campus-Mensa oder das Scala.
Bei der Kritik geht es nicht allein um das einzelne Projekt. Die Häufigkeit beunruhigt. Bei jeder Überschreitung der Kosten stellt sich deshalb für die Stadträte die Frage: Wie soll da noch Finanzpolitik betrieben werden? Wie können wichtige Aufgaben, die anstehen, noch vernünftig geplant werden, wenn es derartige Unsicherheiten gibt? Schließlich summieren sich viele kleinere und größere Beträge zu einem schweren Millionenballast, der auch der kommenden Generation aufgebürdet wird.
Politisch gesehen beunruhigt die Kommunalpolitiker also auch der Blick auf das, was noch ansteht. Die Sanierung des Goethegymnasiums etwa oder das Bildungszentrum West, das 20 Millionen schlucken könnte und noch nicht einmal in irgendeinem Finanzplan berücksichtigt ist. Dann ist noch unklar, wie man das alte Stadtbad finanzieren will, das für die Ganztagsbetreuung umgebaut werden soll. Und auch das Energetikom wartet darauf, an der Sternkreuzung einzuziehen – was viele inzwischen schon wieder für fragwürdig halten.
Angesichts des Spardrucks seitens der Verwaltung in den Vorjahren und der vielen Aufgaben ist der Ruf nach mehr Controlling und Projektsteuerung nachvollziehbar. Freilich sollten dabei nicht Hysterie, sondern sachliche Gründe im Vordergrund stehen.
Dass man in Ludwigsburg künftig nicht zu Betonbilligbauten zurückkehrt, ist selbstverständlich. Viele Gebäude, an denen man früher so toll gespart hat, verursachen heute enorme Folgekosten.
Dass der städtische Kurs aber derart Misstrauen hervorruft, sollte zu denken geben. Wobei sich manche fragen, wer diesen vorgibt. Es sind nicht allein Bundesgesetze oder Bauvorschriften. Wer wie die Stadt genug Geld hat, teure Internet- und Euro-Spielereien zu finanzieren, sollte die Bauverwaltung nicht verhungern lassen. Zu viele Aufgaben in kurzer Zeit, das ist einfach zu viel.




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