Traditionsunternehmen wird verkauft
KREIS LUDWIGSBURG | 28. Juni 2012

Ziemann verhandelt mit Investor

Der weltweite Konzentrationsprozess von Bierbrauereien hat Folgen für den Brauanlagenbauer Ziemann: Die Aufträge gingen so stark zurück, dass das Unternehmen in finanzielle Schieflage geriet. Jetzt wird Ziemann verkauft.

Blick in den Sudkessel in der Bier-Versuchsbrauerei in der Firmenzentrale in Ludwigsburg.
Blick in den Sudkessel in der Bier-Versuchsbrauerei in der Firmenzentrale in Ludwigsburg.
Archivbild: Harry Melchert/lsw

Ludwigsburg. Seit drei Jahren steckt der führende Hersteller von Brauereianlagen in Schwierigkeiten, musste herbe Umsatzeinbrüche verkraften. Sackten die Erlöse erstmals 2009 von 400 Millionen Euro (2008) stark auf unter 300 Millionen ab, ging es danach weiter drastisch abwärts: 2010 waren es 140 Millionen Euro und vergangenes Jahr 170 Millionen Euro.

Nach Angaben des Geschäftsführers für Finanzen, Jörn Trierweiler, sah sich Ziemann in den vergangenen Jahren neben den fehlenden Aufträgen auch einem starken Preisdruck der Brauereikonzerne ausgesetzt. Dominiert wird der Markt der Bierhersteller insbesondere von Anheuser-Busch InBev, SAB Miller, Heineken und Carlsberg. Diese vier größten Bauereikonzerne, die nach Branchenangaben gut die Hälfte des Marktes kontrollieren, entstanden aus Fusionen und Zukäufen und wollen weiter wachsen. Darüber hinaus blieb für Ziemann nach einem Großauftrag bei Corona-Bierhersteller Moledo in Mexiko ein wichtiger Folgeauftrag aus.

Mit einem Sanierungsprogramm steuerte das Unternehmen, das 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielt, 2011 zwar dagegen, doch ohne Erfolg. „Wir haben es nicht geschafft“, sagte gestern Trierweiler. Noch immer fehlt es an Aufträgen. 24 Arbeitsplätze gingen am Standort Ludwigsburg verloren, jetzt gibt es dort 180 Beschäftigte; 2009 waren es noch 220. In der Ziemann-Gruppe (fünf Standorte) ist die Mitarbeiterzahl insgesamt von rund 1100 auf 860 geschrumpft. Trierweiler, der allerdings erst seit fünf Monaten bei Ziemann an Bord ist, setzt nun zusammen mit seinen Geschäftsführerkollegen Thomas Lehmann (Vertrieb) und Klaus Gehrig (Produktion und Technik) alles daran, die noch vorhandenen Arbeitsplätze zu sichern.

Diesem Ziel steht auch offenkundig nichts im Weg. Die Veräußerung des Traditionsunternehmens, das seit 160 Jahren Brauanlagen entwickelt und produziert, erfolgt nun in einem Insolvenzverfahren, das beim Amtsgericht Ludwigsburg beantragt wurde. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Stuttgarter Rechtsanwalt Tibor Braun. Er soll den vor fünf Monaten eingeleiteten Verkauf zum Abschluss bringen.

Notwendig wurde der Weg in die Insolvenz, weil das Unternehmen zu stark finanziell angeschlagen, zugleich aber der Verkauf noch nicht unter Dach und Fach ist. Verhandelt wird mit der Holvrieka-Gruppe mit Sitz in Emmen (Holland), die unter anderem Lager- und Schiffstanks produziert. Die Behälter und Tanks werden im Energiesektor sowie in der Chemie- und Lebensmittelindustrie (einschließlich Bier, Fruchtsäfte und Milchprodukte) eingesetzt. Die Holvrieka-Gruppe hat fünf Niederlassungen in Europa sowie in China. Holvrieka ist Teil der in Hong Kong gelisteten CIMC Enric Group. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Umsatz von 850 Millionen Euro.

Wie Ziemann gestern darlegte, übertrugen die Gesellschafter des Familienunternehmens schon im November 2011 ihre Anteile auf Treuhänder, die Rechtsanwälte Volker Grub und Ulrich Brugger, die zusammen mit der Berenberg Bank Hamburg das Investorenverfahren eingeleitet haben. Laut Ziemann will Holvrieka den Standort Ludwigsburg und Bürgstadt (Bayern) übernehmen. Auch für die rechtlich selbstständige Gesellschaft Ziemann France wurden bereits mit einem französischen Finanzinvestor Übernahmeverhandlungen geführt und eine Einigung erzielt. Für weitere Ziemann-Standorte sind ebenfalls selbstständige Lösungen vorgesehen, hieß es.

Der Betrieb bei Ziemann läuft trotz des bevorstehenden Insolvenzverfahrens weiter. Allerdings liegt laut Trierweiler die derzeitige Auslastung in Ludwigsburg noch unter 50 Prozent, in Bürgstadt hingegen sind die Auftragsbücher immerhin voll. Für dieses Jahr werde jedenfalls in der Ziemann-Gruppe ein Umsatz von 140 Millionen Euro angepeilt.

Hans-Dieter Wessbecher
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