

„Ich kann mir hier was zutrauen“, sagt der 68-Jährige, der über einen Herzschrittmacher verfügt und eine Klappenoperation hinter sich hat. Seine Pulsuhr zeigt ihm zwar an, wann er langsam machen soll. Trotzdem hat bei ihm Sicherheit Priorität, deshalb hat er sich der Herzsportgruppe angeschlossen. So geht es auch einer 39-jährigen zierlichen Frau. Einfach rausgehen zum Joggen oder Walken wagt sie wegen ihrer Rhythmusstörungen, ihres Herzfehlers und ihrer Herzschwäche nicht. „Da habe ich echt Schiss“, sagt die jüngste Teilnehmerin. Aber hier unter Aufsicht mit netten Leuten Sport treiben, das gefalle ihr, berichtet sie. In der Herzsportgruppe des MTV Ludwigsburg fühlen sich eben alle gut aufgehoben. Das Besondere an diesem anerkannten sowie zertifizierten Rehabilitationssportangebot: Nur speziell ausgebildete Übungsleiter sind hier tätig und stets ist ein Arzt anwesend.
Der Defibrillator sowie der Notfallkoffer sind immer in erreichbarer Nähe. Der Herzsport ist beim MTV als größtem Anbieter in dieser Sparte ein boomender Bereich und hier beginnen die Probleme: Der größte Sportverein im Landkreis, der bereits zehn Herzsportgruppen mit insgesamt 200 Teilnehmern hat, kann die steigende Nachfrage nicht mehr erfüllen. Der Grund: Es fehlt an Ärzten, die gegen Honorar an den Sportabenden anwesend sind, um bei Notfällen Soforthilfe leisten zu können. In den meisten Fällen machen die betreuenden Ärzte selbst beim Sport mit und sind von den anderen Teilnehmern kaum zu unterscheiden. So wie Dr. Rolf Menger.
Er baute den Herzsport vor über 30 Jahren beim MTV auf, anfangs waren es gerade mal acht Teilnehmer. Seither ist er selbst aktiv dabei, denn rumsitzen, während Andere Sport machen, gibt es bei ihm nicht. Seine Praxis hat er schon aufgegeben, aber den Koronarsport betreut er weiterhin zweimal in der Woche, das ist für ihn sprichwörtlich „Herzenssache“. Manche Betroffene kennt er schon seit vielen Jahren, sie verfügen durch die regelmäßige Bewegung über eine stabile Gesundheit und das bestätigt ihn in seiner Arbeit. Laut Menger hat es seit Bestehen des Herzsportangebotes nur zwei ernsthafte Zwischenfälle gegeben, bei denen ärztliches Eingreifen notwendig war. Diese geringe Zahl liegt seiner Einschätzung nach auch an der guten Zusammenarbeit mit den Hausärzten. Denn nur, wer zweimal im Jahr einen aktuellen ärztlichen Untersuchungsbefund mit Nachweis über die Belastbarkeit am Ergometer vorlege, dürfe am Sport teilnehmen. So seien viele regelmäßig in Kontakt mit ihrem Arzt, auch wenn die Erkrankung schon eine zeitlang zurückliege und man es dann mit den Praxisbesuchen nicht mehr so genau nehme.
Die ärztlichen Untersuchungsbefunde nehmen die sechs speziell ausgebildeten Übungsleiter entgegen. Ansprechpartnerin für den MTV-Herzsport ist Beate Reiter. Die drahtige Gymnastiklehrerin absolvierte vor rund 30 Jahren, als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, eine entsprechende Zusatzausbildung beim Landesverband für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Baden-Württemberg. Die sportlich aktive 68-jährige ist mit vielen Teilnehmern bereits seit vielen Jahren auch persönlich verbunden.
Manche kommen frisch von der Rehaklinik, andere haben seit vielen Jahren ihre Krankheit im Griff. Alle schätzen die gute, lockere Atmosphäre bei den Sportabenden. Keiner muss dem anderen etwas beweisen, jeder hat Spaß an der Bewegung. „Wir wären froh, wenn weitere Ärzte unsere Arbeit unterstützen würden“, sagt Beate Reiter.
Info: Ärzte, die an einer Mitarbeit in einer der Koronarsportgruppen interessiert sind, können sich in der Geschäftsstelle des MTV Ludwigsburg, (07141) 91188-0, melden.
Verantwortlich
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Telefon (07141) 130-224
Telefax (07141) 130-200
Organisation
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Telefon (07141) 130-369
Ulrike Spinner
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