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gesund & aktiv

Damit das Qi wieder frei fließen kann

Ein Modell des menschlichen Körpers zeigt die Energiepunkte für die Akupunktur an und auf dem Schreibtisch steht eine Glasschale mit Heilkräutern, deren Inhalt der Arzt Nicolaij Trippel sogleich erläutert. Er nennt Engelswurz, Ligusterfrucht, Süßholz sowie andere Gewächse. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat auch im Ludwigsburger Klinikum Einzug gehalten.

Bilder: Klinikum

Im Behandlungszimmer, in das der 43-jährige Nicolaij Trippel seine Patienten führt, sieht es nur auf den ersten Blick aus wie in den anderen Räumen des Klinikums. Dass es sich hier um eine besondere Therapierichtung handelt, zeigt aber nicht nur der Wandbehang mit den chinesischen Schriftzeichen, auch das Innenleben des Schrankes ist anders. Dort stehen keine Medikamente, sondern Schalen mit Kräutern sowie Schröpfgläser und immer griffbereit sind die steril verpackten Akupunkturnadeln. Es gibt nur ganz wenige Krankenhäuser in Deutschland, die ein solches Zusatzangebot machen, das auch heute noch von vielen als fauler Zauber abgetan wird.
Er habe mal ähnlich gedacht, räumt Nicolaij Trippel ein. Er ist normalerweise als Arzt in der Frauenklinik tätig, betreut aber seit zwei Jahren zweimal in der Woche die TCM-Ambulanz. Den Ausschlag für die Hinwendung zu dieser jahrtausendealten Heilmethode gab bei Trippel die hohe Wirksamkeit der geburtsvorbereitenden Akupunktur. Da müsse doch was dran sein, dachte er, und begann sich mit der chinesischen Medizin zu beschäftigen.
Es blieb nicht beim Bücherwälzen, der 43-Jährige absolvierte eine umfangreiche Fortbildung, bei der er die Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Kräutermedizin, Schröpfen und chinesische Diätetik lernte. Er wendet sie inzwischen erfolgreich an, Patienten kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen zu ihm. Ob der Hexenschussgeplagte, das Kind mit den Kopfschmerzen, die Frau in den Wechseljahren oder der unter den Nebenwirkungen der Chemotherapie leidende Krebspatient.
Sie alle wollen endlich beschwerdefreier leben und vertrauen dabei auf die chinesische Medizin, auch wenn von ihr laut Trippel keine Wunder zu erwarten sind. Blumige Versprechungen macht er nämlich nicht, der Arzt sieht auch den Patienten in der Pflicht.
Es müsse schon eine Bereitschaft zur Mitarbeit da sein, so Trippel. Als Beispiel nennt er die Raucherentwöhnung, die mit Akupunktur recht gut funktioniere, aber nur wenn der Raucher auch den unbedingten Willen habe, aufzuhören.
Seiner Erfahrung nach ist der Hexenschuss mit Akupunktur besonders gut zu behandeln, hier helfen aber auch das Schröpfen sowie Wärmeanwendungen. Die Voraussetzung: Der Patient müsse sofort kommen. Das gilt ebenso beim Tinnitus, dem sogenannten Ohrenpfeifen, das die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränkt. Wenn jemand nicht zu lange warte, dann könne er auch hier für Besserung sorgen.
„Die Schulmedizin gerät oftmals an ihre Grenzen, dann muss eine Krankheit anders behandelt werden“, sagt Nicolaij Trippel. Warum hilft nun die Traditionelle Chinesische Medizin? Sie ist dem Arzt zufolge in jedem Fall ganzheitlich angelegt. Gesundheit bedeute in der TCM nämlich, dass die Lebensenergie Qi ungehindert und frei fließe. Beim gesunden Menschen gebe es dabei ein Gleichgewicht verschiedener Kräfte, was die Voraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden sei. Eine Erkrankung werde hingegen als Störung des ganzheitlichen Menschen gesehen.
Das sei auch der wesentliche Unterschied zur westlichen Medizin, die sich nur um einzelne Symptome kümmere. Die jahrtausendealten Methoden hätten nun das Ziel, Blockaden des freien Energieflusses aufzuheben und wenn nötig die Lebensenergie zu stärken sowie aufzufüllen, so dass der Mensch wieder sein inneres Gleichgewicht finde. „Die Chinesen vergleichen den menschlichen Körper mit einem großen Strom, der mit viel Energie fließt. Lässt die Energie nach, dann handelt es sich nur noch um einen kleinen Bach, der manchmal ins Stocken kommt“, erläutert Trippel die dahinter steckende Philosophie.
Die TCM-Behandlung bei dem Spezialisten beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch und muss von den Patienten selbst bezahlt werden. Die Rechnungen können dann bei den Krankenkassen eingereicht werden, manche übernehmen die Behandlung.
Die speziellen chinesischen Kräuter gibt es Trippel zufolge nur in ausgewiesenen TCM-Apotheken, die aber nicht so weit verbreitet seien. Normalerweise faxe er das Rezept an eine solche Apotheke und der Patient bekomme die Kräuter zugeschickt.
Aus den Mischungen werde dann ein Tee zubereitet, der täglich getrunken werden müsse. Nicolaij Trippel betrachtet die Traditionelle Chinesische Medizin nicht als alternative, sondern eher als komplementäre Heilmethode.
Bei vielen Krankheiten ergänze sie die schulmedizinische Behandlung, betont der Arzt.

Angelika Baumeister
30. November 2011
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