Dem Brustkrebs auf der Spur
Es war ihre erste Einladung zum Mammografie-Screening in Ludwigsburg und sie nahm den Termin wahr. Die Röntgenuntersuchung der Brust verlief schnell und problemlos, nach einer Woche aber der Schreck. Es gebe einen verdächtigen Befund, hieß es in einem Brief. Sie musste nochmals zur Untersuchung, dann die Erleichterung: Es war nur eine Zyste und kein Tumor.
„Wir suchen die Nadel im Heuhaufen“, sagt der leitende Arzt der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Ludwigsburg, Dr. Ulrich Roos. Seit fünf Jahren läuft nun schon das bundesweite Vorsorgeprogramm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in der Einheit Württemberg-Nord, zu der sechs zertifizierte Schwerpunktpraxen gehören, darunter auch die in Ludwigsburg. Dr. Ulrich Roos ist einer von zwei für das Programm verantwortlichen Ärzten in Württemberg-Nord.
Er hat eine große Erfahrung und ist sich sicher, dass die Früherkennung viele Frauen vor einem schlimmen Schicksal bewahrt. Immerhin wurden laut Roos bislang in der Region 170 000 Frauen untersucht, bei 1246 Patientinnen wurde Krebs entdeckt, davon aber hauptsächlich Tumore in einem frühen Stadium oder sehr kleine Karzinome, die gut und vor allem brusterhaltend behandelt werden konnten. „Es gibt durch die Früherkennung immer weniger Brustamputationen und Lymphknotenentfernungen“, versichert der Radiologe. Nur höchst erfahrene Röntgenärzte dürfen in solchen Zentren tätig sein, sie müssen pro Jahr die Mammografien von mindestens 5000 Frauen begutachten. „Unsere Ärzte kommen aber auf mindestens 20 000 Beurteilungen im Jahr“, so Dr. Roos.
Kein Wunder, denn in Ludwigsburg beträgt die Teilnehmerinnenquote immerhin 70 Prozent, das ist deutlich mehr als der bundesweite Durchschnitt von 54 Prozent. Bei fünf von 100 Frauen gibt es dem Mediziner zufolge einen auffälligen Befund, der zuvor von mehreren Ärzten begutachtet wurde, auf das Einzelurteil verlässt man sich hier nicht. Betroffene Frauen werden dann nochmals zu einer abklärenden Untersuchung eingeladen. In dem hier geschilderten Fall reichte ein Ultraschall, dann war sich der Arzt sicher, dass es sich nur um eine Zyste handelte.
Manchmal müssen aber auch nochmals zusätzliche Röntgenaufnahmen gemacht werden, eine Biopsie genannte Gewebeentnahme ist nur in wenigen Fällen erforderlich. „In 80 Prozent der abklärenden Untersuchungen bestätigt sich der Verdacht auf Brustkrebs nicht“, betont der Mediziner. Kritiker des bundesweiten Vorsorgeprogramms bemängeln nun, dass der Vorteil des Screenings angesichts einer Brustkrebsentdeckungsrate von 0,7 Prozent teuer erkauft wird und Frauen durch abklärende Untersuchungen unnötig in Aufregung versetzt werden. „Jede einzelne Frau, die durch das Programm vor einer Chemotherapie, einer Brustamputation oder gar vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt wird, ist den Aufwand wert“, meint dazu Dr. Roos.
Der erfahrene Radiologe entkräftet auch Befürchtungen, dass Frauen möglicherweise bei falschen Diagnosen unnötig einer Krebstherapie unterzogen würden. Ein ganzes Expertenteam beurteile verdächtige Befunde, alle Daten des Screenings-Programms würden dabei zentral erfasst und die Umsetzung des Programms erfolge auf der Grundlage der Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Mammografie-Screenings.
Das gelte auch für die Röntgengeräte, die zum Einsatz kämen. „Es gibt eine hohe Sicherheit im System“, so Dr. Roos. Auf die Frage, warum erst bei der abklärenden Untersuchung der Ultraschall zum Einsatz komme, antwortet der Mediziner: Bei Frauen ab 50 Jahren sei die Mammografie das aussagefähigere Verfahren. Nur bei jüngeren Frauen und solchen mit einem dichteren Brustgewebe bringe der Ultraschall Vorteile. Außerdem gehe die von einer medizinischen Fachkraft durchgeführte Mammografie sehr schnell, eine von einem Arzt vorgenommene Ultraschalluntersuchung sei aufwendiger und könne deshalb nur in Verdachtsfällen gemacht werden.
Angelika Baumeister
18. Januar 2012