

„Burn-out ist die Beschreibung eines Zustandes, kein definierter Krankheitsbegriff“, erklärt Dr. Johannes Wessolly. Und der Grund für das Gefühl der völligen Erschöpfung, der Ausgebranntheit sei keineswegs nur psychischer Natur, ergänzt der Ludwigsburger Präventivmediziner.
Die Einschätzung mancher Psychiater, dass Burn-out nur ein neuer Begriff für Depression ist, teilt Wessolly nicht. Unterstützung erhält er dabei von der Böblinger Psychoanalytikerin Dr. Anna Elisabeth Landis. Sie kritisiert Abwehrreflexe und Schubladendenken in der Medizin. Häufig sträubten sich Ärzte dagegen, Burn-out als neues Krankheitsbild zu akzeptieren, und sähen dahinter einfach eine Depression.
„Notwendig ist tatsächlich ein neuer Blick auf Beschwerden, Symptome und Leiden“, fordert Landis, die früher Chefärztin der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie am Zentrum für Psychiatrie in Calw war und seit fast 15 Jahren eine Praxis als Psychoanalytikerin und Fachärztin für Psychosomatik betreibt. „Macht man sich diese Mühe einer umfassenderen Sichtweise jedoch, lässt sich, was jemand oder auch eine ganze Gruppe als Burn-out empfindet und beschreibt, in seine je individuellen und sozialen Faktoren aufschlüsseln.“
Neben den psychischen Ursachen und deren Behandlung müsse man auch die physischen Aspekte des Burn-out-Syndroms berücksichtigen, sagt Wessolly. Regelmäßig fänden sich zusätzlich massive körperliche Probleme, wie Ernährungsstörungen, Krankheiten des Verdauungstraktes, nicht erkannte chronische Infekte, dann Mangel an Neurotransmittern, durch Stress bedingtes Versagen der Nebenniere oder eine ungenügende Energieproduktion im Körper. „Alle diese Parameter kann man messen und beheben“, betont der gelernte Anästhesist, der in seiner Praxis auch auf Naturheilverfahren setzt.
Wie diese Parameter im Labor bestimmt werden und wie sich mit einem speziell entwickelten Stress-test Burn-out sicher diagnostizieren lässt, stellt Florian Wolf vor. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der BioAging und BioLabs GmbH, die neben modernster Labormedizin auch Software-Systeme zur Messung von Vitalität und Risiko-Berechnungs-Systeme entwickelt und vertreibt.
Was Burn-out sowohl für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber bedeutet, kann in der Expertenrunde Hela Ebbecke aus der eigenen Praxis erläutern. Sie ist beim Zeiss-Konzern seit über 20 Jahren in der psychosozialen Mitarbeiterberatung tätig. Da das Burn-out-Syndrom bis heute keine wirklich anerkannte Erkrankung sei, ergebe sich für die Betroffenen und die behandelnden Ärzte und Therapeuten das Problem, für ein sehr relevantes und folgenschweres Krankheitsbild keine medizinischen und/oder vorweisbaren, empirisch gesicherten Fakten liefern zu können, wenn es darum geht, Leistungseinbußen juristisch und insbesondere versicherungsrechtlich geltend zu machen, so Ebbecke, die auch in Ludwigsburg als Heilpraktikerin in einer eigenen Praxis arbeitet. Dass das Thema Burn-out derzeit große Aufmerksamkeit erregt, führt Hela Ebbecke nicht zuletzt auf die davon verursachten privat- und volkswirtschaftlichen Kosten zurück. Rechnet man Behandlungskosten und Arbeitsausfall bei psychischen Erkrankungen zusammen, entstand 2008 in Deutschland nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung ein wirtschaftlicher Schaden von rund 45 Milliarden Euro.
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