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gesund & aktiv

Gelenkschmerzen sind längst eine Volkskrankheit

Schmerzen nach dem morgendlichen Aufstehen, beim Treppensteigen oder Mühe beim Bücken: Arthrose ist die häufigste aller Gelenkerkrankungen, nach Information der Deutschen Arthrose-Hilfe leiden in Deutschland etwa fünf Millionen Frauen und Männer unter solchen Beschwerden. Die Tendenz ist steigend, es handelt sich längst um eine Volkskrankheit.

Einer, der täglich Arthrose-Patienten vor sich hat, ist der Ludwigsburger Orthopäde Dr. Hans-Herrmann Moll, der auch bei der Messe „gesund&aktiv“ am 11./12. Februar im Ludwigsburger Forum einen Vortrag zum Thema hält. Ob Schulter-, Hüfte-, Knie- oder Sprunggelenk, die Ursache des Leidens ist Dr. Moll zufolge immer die gleiche.
Mit zunehmendem Alter oder bei großer Belastung der Gelenke komme es zum Verschleiß, das bedeute, der wie die Haftschicht auf einer Teflonpfanne wirkende Gelenkknorpel werde geschädigt und verschwinde schlimmstenfalls ganz.
Die Folge: Die Knochen würden aneinander reiben und das verursache Schmerzen. Als letzte Möglichkeit bleibe da oft nur das Implantieren eines künstlichen Gelenks. „Wenn man sieht, wie Menschen ins gesellschaftliche Abseits geraten, weil sie nicht mehr an Freizeitaktivitäten teilnehmen können und durch die Schmerzen auch psychisch belastet sind, dann will man helfen“, sagt Dr. Moll.
Bei allen operativen Möglichkeiten hat bei ihm aber die gelenkerhaltende Arthrose-Therapie Priorität. Zunächst müsse etwas gegen die Schmerzen getan werden, damit die Patienten überhaupt therapiefähig seien, führt der Orthopäde aus. Dann beginne das stufenweise Vorgehen. Mit physikalischen Anwendungen und Krankengymnastik versuche man, die Beweglichkeit wiederherzustellen. Denn wenn man sich erst einmal eine Schonhaltung zugelegt habe, komme es zu Beschwerden an ganz anderer Stelle, führt der Arzt aus.
Als bewährte Therapieverfahren bei Arthrose nennt der Orthopäde beispielsweise das Spülen der Gelenke oder Injektionen mit Hyaluronsäurepräparaten, die die Gelenkschmierung wieder herstellen und Entzündungen vorbeugen sollen. Ein ganz neuer Ansatz: Im körpereigenen Blut enthaltene Wachstumsfaktoren werden durch ein spezielles Verfahren getrennt und in das betroffene Gelenk gespritzt. Die Wachstumsfaktoren können dann bei der Heilung und dem Aufbau des Gelenkknorpels helfen. Trotz allen medizinischen Neuerungen sieht der Orthopäde Krankengymnasten und Sporttherapeuten bei der Arthrosebehandlung als wichtige Partner, denn laut Dr. Moll ist Bewegung sehr wichtig und auch eine Reduzierung des Körpergewichts hilft.
Einen völlig anderen Ansatz bei Arthrose hat der Ludwigsburger Sporttherapeut und Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Ludwigsburg, Gerhard Jeske. Er ist Mitveranstalter der Messe „gesund &aktiv“ und stellt dort sein Verfahren zu dauerhafter Schmerzfreiheit trotz Gelenkabnutzung vor. Laut Jeske hat der Gelenkknorpel gar keine Schmerzrezeptoren es handle sich stattdessen um einen Warnschmerz in der Muskulatur, um Gelenke und Bandscheiben zu schützen. Diese Schmerzen würden durch Verkürzungen und Muskelungleichgewichte entstehen und hier sei auch der Ansatz für seine Therapie, betont Jeske.
Er verspricht, dass der Großteil dieser Warnschmerzen in wenigen Minuten durch eine Schmerzpunktpressur reduziert werden können. Durch Druck auf die Golgi-Sehnenapparate komme es zur Entspannung der Muskulatur, der Schmerz lasse nach. Sei der Patient erst einmal schmerzfrei, werde die verkürzte Muskulatur mit speziellen Übungen gedehnt, außerdem gebe es ein Programm zur Kräftigung und Bewegung.
Gerhard Jeske und seine Mitarbeiter haben eine Fortbildung in der Liebscher & Bracht-Schmerztherapie (www.liebscher-bracht.com) absolviert, auch in TV-Sendungen wurde bereits von dieser manuellen Umprogrammierung verspannter Muskeln berichtet.
Doch Gerhard Jeske räumt ein, dass diese Methode nur funktioniert, wenn der Betroffene auch die regelmäßigen Übungen mache.

Angelika Baumeister
07. Dezember 2011
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