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Gesunder Lebensstil ist die beste Medizin

Jetzt wird wieder allerorten geniest und gehustet, Patienten mit zum Teil sehr hartnäckigen Erkältungskrankheiten füllen derzeit die Arztpraxen in Ludwigsburg und Umgebung. Solche Infekte sind aber kein unabwendbares Schicksal. Mit einem gesunden Lebensstil kann man sie vermeiden.

„Die Erkältungssaison ist vor zwei Wochen richtig angelaufen“, sagt Dr. Michael Friederich aus Markgröningen, der auch Vorsitzender der Ärzteschaft Ludwigsburg ist. Und seiner Erfahrung nach handelt es sich häufig um langandauernde Infekte, die nicht innerhalb einer Woche wieder verschwinden, sondern oft auch mit Antibiotika behandelt werden müssen.
Besonders gefährdet sieht er vor allem Raucher. „Durch Nikotinkonsum wird die Selbstreinigungsfunktion der Bronchialschleimhaut gestört“, berichtet er. Die Folge: Viren und Bakterien hätten freie Bahn. Vor allem wenn der abgehustete Schleim eine gelbe oder grünliche Farbe aufweise, sei es höchste Zeit für einen Arztbesuch.
Laut Dr. Friederich können die meisten Erkältungen mit alten Hausmitteln wie beispielsweise warmen Wickeln oder dem Inhalieren mit Salzwasser und Kamille gut behandelt werden. Für ihn auf jeden Fall die beste Vorbeugung: Hände und Füße immer gut warm halten. Als Ur- sache für die jetzt grassierenden Erkältungskrankheiten sieht er vor allem die noch milde Witterung vor wenigen Wochen.
Tagsüber sei es zwar schön warm gewesen, doch abends schon recht kühl. Viele seien dann aber zu dünn angezogen gewesen. Vor Unterkühlung warnt er außerdem Sportler. Wer nach getaner Leistung verschwitzt und überhitzt sei, sich dann aber nicht gleich abtrockne und etwas Warmes überziehe, laufe Gefahr, einen Infekt zu bekommen.
Auch wenn man sich gegen kühle Temperaturen schützen muss, der Aufenthalt an der frischen Luft stärkt das Immunsystem. Das betont der Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz im Landratsamt, Dr. Thomas Schönauer. Trockene Raumluft schade den Schleimhäuten, also nichts wie raus und die Wohnung regelmäßig gut lüften, so der Gesundheitsdezernent.
Laut Dr. Schönauer sollten während der Erkältungszeit eigentlich größere Menschenansammlungen gemieden werden. Doch da das nicht immer möglich sei, sollte man in jedem Fall Folgendes beachten: Keine Bussi-Begrüßung, Papiertaschentücher nach Gebrauch sofort wegwerfen und sich häufig die Hände waschen. Sehr fatal sei es beispielsweise, sich nach einem Händedruck zur Begrüßung sofort an das Auge oder an die Nase zu fassen. Wer schon einen Infekt habe, sollte das Händeschütteln ohnehin sein lassen. Erkrankte sollten sich auch nicht mit aller Gewalt zur Arbeit schleppen und weitere Kollegen anstecken. Besser sei es, den Infekt richtig auszukurieren.
Bei Ehepaaren sieht Dr. Schönauer die Hygieneempfehlungen nicht so streng. Der Grund: Eine harmonische Partnerschaft stärke generell das Immunsystem. Überhaupt rät er, auch mal einen Gang herunterzuschalten und sich ausreichend Schlaf zu gönnen.
Wer sich vor Erkältungen schützen will, greift gerne zu Vitamin C- und Zinkprodukten, die es beispielsweise als Brausetabletten gibt. „Dass man damit die Abwehr stärken kann, ist wissenschaftlich nicht haltbar“, sagt die Leiterin des Ernährungszentrums Mittlerer Neckar, Johanna Ott. Bei einer ausgewogenen Ernährung werde man ausreichend mit Vitamin C und Zink versorgt, da brauche es keine zusätzlichen Gaben, betont die Ernährungsfachfrau.
Aber was ist überhaupt eine ausgewogene Ernährung? Laut Johanna Ott gehören dazu vor allem frisches Obst und Gemüse. Fünfmal am Tag sollte beispielsweise in einen heimischen Apfel gebissen oder an einer Karotte geknabbert werden. Sie empfiehlt, vor allem Obst möglichst roh und unverarbeitet zu essen. Viel Vitamin C enthielten Äpfel aus der Region, Zitrusfrüchte und Kiwi. Beim Gemüse seien vor allem alle Kohlarten darunter Broccoli, Rosenkohl und Sauerkraut zu empfehlen. Gemüse sollte dabei generell schonend gegart werden. Auch gekochte Kartoffeln als Beilage enthielten noch ausreichend Vitamin C. Gute Zinklieferanten seien dunkles Fleisch, Innereien, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte wie Haferflocken oder Müsli.
Auch im Winter gelte es außerdem, ausreichend zu trinken und hier vor allem heiße Tees oder mit Wasser verdünnte Säfte zu sich zu nehmen. Und wenn es schon im Hals kratze, dann bewirke ein Holunderblütentee oder ein heißer Holunderbeersaft wahre Wunder. Johanna Ott verweist außerdem auf weitere alte Hausmittel wie selbst mit Zucker angesetzten Zwiebel- oder Meerrettichsirup. Bewährt habe sich auch der Zitronentee und wer Speisen frischen Meerrettich zufüge, tue seinen Atemwegen was richtiges Gutes.
Bei Knabberattacken an langen winterlichen Fernsehabenden empfiehlt Johanna Ott überdies frische Paprika. Das sei richtig lecker, fettarm und gesund. Denn eine zu fettreiche Ernährung behindere die optimale Verwertung von Vitaminen und Mineralstoffen. Sinnvoll seien beispielsweise hochwertige Öle.

Angelika Baumeister
26. Oktober 2011
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