

Initiator des Projekts unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, sowie des Bundesministers für Gesundheit, Daniel Bahr, ist der Ludwigsburger Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Kauth.
Er beobachtet schon seit einiger Zeit eine Zunahme adipöser, also stark übergewichtiger Kinder. Therapien sind nach Erfahrung des Ludwigsburger Kinderarztes teuer und langfristig oft erfolglos, deshalb setzt er nun auf Prävention. Wie wichtig die Vorbeugung ist, zeigen Kauth zufolge Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, dass es wohl eine frühkindliche Prägung beziehungsweise eine „perinatale Programmierung“ für das Dicksein gibt. Im Klartext: Die Ernährungs- und Bewegungssituation während der Schwangerschaft und im frühen Säuglingsalter hat einen dauerhaften, prägenden Einfluss auf die spätere Entstehung von Übergewicht, Typ-2-Diabetes sowie Herz- und Gefäßerkrankungen.
Die Annahme: Mütterliches Übergewicht und Überfütterung des Babys erzeugen praktisch beim Nachwuchs eine Fehlprogrammierung, was Auswirkungen auf Appetit und Stoffwechsel hat. Die Folge ist eine lebenslange Veranlagung für Übergewicht und Diabetes. Als Vorstandsmitglied der Plattform Ernährung und Bewegung mit Sitz in Berlin beschäftigt sich Kauth schon seit längerem mit dem Thema. Die Plattform will ein gesundes Aufwachsen von Kindern fördern und führt auch das Ludwigsburger Modellprojekt durch. Ansprechpartner vor Ort sind neben Dr. Thomas Kauth der Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte Ludwigsburg, Dr. Thomas Rummel, und die Vorsitzende des Berufsverbandes der Hebammen Ludwigsburg, Christel Scheichenbauer.
Der Kernpunkt: Schwangere werden bei Frauenärzten auch im Hinblick auf das Thema Bewegung und Ernährung beraten. Dazu gehören beispielsweise die Ratschläge, sich vollwertig zu ernähren und sich auf Schwangerschaftsdiabetes als festen Bestandteil der Vorsorge untersuchen zu lassen. Die körperliche Fitness soll ebenfalls beibehalten, wenn nicht sogar gesteigert werden. Leistungssport sei zwar für eine werdende Mutter tabu, aber alle anderen Angebote beispielsweise im Sportverein sollten auf jeden Fall genutzt werden, betont Dr. Kauth.
Auf einem Aufkleber für den Mutterpass findet jede Schwangere wichtige Tipps: reichlich Gemüse, Obst, Vollkorn- und Milchprodukte essen, süße Getränke meiden, immer aktiv bleiben und sich frühzeitig auf das Stillen vorbereiten.
Die Betreuung hört aber nicht mit der Geburt auf, sie geht dann fließend weiter. Eine qualifizierte Ernährungsberatung leisten im ersten Lebensjahr des Kindes die Hebamme und der Kinderarzt. Dafür gibt es einen extra Aufkleber für das Kinder-Untersuchungsheft mit weiteren Empfehlungen: Die beste Ernährung ist das Stillen und ab dem fünften bis zum siebten Monat bekommen Babys Lust auf Brei, bevor auf Familienkost umgestellt wird.
Ebenfalls ganz wichtig: Die Kleinen wissen selbst, wann sie satt sind, Reste auf dem Teller dürfen deshalb sein. Ihren Durst löschen Babys gerne mit Wasser, süße Getränke sind nichts für sie. Dafür möchten sie gerne strampeln und krabbeln, sie brauchen deshalb ein sicheres Umfeld sowie viel frische Luft, verrauchte Räume sind tabu.
Ärzte und Hebammen erhalten spezielle Präventionschecklisten zu Ernährung und körperlicher Aktivität. Für Schwangere und Säuglinge gibt es jeweils fünf Beratungstermine. Dem Netzwerk für das Modellprojekt gehören kreisweit 72 Hebammen, 68 Frauenärzte, 48 Kinder- und Jugendärzte sowie die Kliniken für Geburtshilfe und Kinder- und Jugendmedizin an. Der Landkreis Ludwigsburg ist mit 5000 Geburten pro Jahr und aufgrund seiner Einwohnerstruktur ideal für die Durchführung eines solchen Modellprojekts, das im Januar den Fachleuten vorgestellt wird.
Angeboten werden überdies Workshops für Hebammen, Ärzte und deren Angestellte. Für Patienten stellt die Plattform Ernährung und Bewegung umfangreiches sowie verständliches Infomaterial zur Verfügung. „Wir hoffen, dass wir mit dem durchaus ehrgeizigen Projekt möglichst viele junge Familien erreichen und die Gesundheit von Mutter und Kind verbessern können“, sagt Dr. Thomas Kauth.
Verantwortlich
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Telefon (07141) 130-224
Telefax (07141) 130-200
Organisation
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Ulrike Spinner
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