

War im Jahre 2000 noch eine von 100 Schwangeren von Diabetes betroffen, sind es Kieferle zufolge mittlerweile vier Frauen. Diese außergewöhnliche Zunahme hat nach Auskunft des Arztes mehrere Ursachen. Kieferle nennt das höhere Lebensalter, in welchem die Frauen schwanger werden, sowie das höhere Ausgangsgewicht werdender Mütter. Durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft und die außerordentliche Gewichtszunahme komme es zu einer Unempfindlichkeit gegen das für den Zuckerstoffwechsel verantwortliche Insulin.
Das Problem: Zucker gerate direkt über die Gebärmutter zum Kind, wo die erhöhten Konzentrationen zu vermehrtem Wachstum führen würden, die Föten seien für ihr Alter groß, aber unreif. In der Folge könne es dazu kommen, dass die Plazenta nicht mehr genug Nährstoffe zum Kind bringen könne, was einen Wachstumsstopp verursache. Beide Entwicklungen erhöhen dem Arzt zufolge das Risiko einer Frühgeburt. Eine Untersuchung mittels Zuckerbelastungstest in der 24. Schwangerschaftswoche kann laut Kieferle bei vielen Frauenärzten und in allen diabetologischen Schwerpunktpraxen durchgeführt werden. Bei Schwangerschaftsdiabetes werde dabei zunächst ein Diätversuch unternommen, auch Bewegung werde empfohlen. Normalisiere sich der Zucker nicht innerhalb von vier bis sieben Tagen, muss laut Kieferle Insulin gespritzt werden. Das Insulin passiere dabei nicht die Plazenta, es sei also für das Kind unproblematisch. Die werdenden Mütter müssten aber lernen, den Blutzucker selbst zu messen und mit dieser Krankheit umzugehen. Bislang seien sie dabei ganz unterschiedlich unterwiesen worden. Seit Herbst 2010 gebe es nun das einheitliche Schulungsprogramm, das dazu beitrage, Ängste abzubauen. Laut Kieferle haben über 90 Prozent der Betroffenen nach der Entbindung wieder normale Blutzuckerwerte. Aber der Arzt sieht das Risiko, später eine Zuckerkrankheit zu entwickeln, deutlich erhöht.
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