Mit den Sorgen nicht alleine
Wenn ein Partner oder ein Familienmitglied psychisch krank ist, dann bedeutet das eine enorme Belastung. Niemand soll aber mit seinen Sorgen und Ängsten alleine gelassen werden. Deshalb wird am morgigen Donnerstag in Ludwigsburg eine Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen gegründet.
Die Initiative für die Gründung hat Wilhelm Krauspe aus Bietigheim-Bissingen übernommen. Vor vielen Jahren hatte es dabei schon einmal eine Selbsthilfegruppe in Ludwigsburg gegeben, die Aktivitäten verliefen aber irgendwann im Sande. Wilhelm Krauspe wagt nun einen Neuanfang, weil er eine solche Einrichtung für Angehörige als sehr wichtig ansieht.
„Eine solche Gruppe bietet oft die einzige Gelegenheit für Angehörige, sich mit anderen Leidgeprüften austauschen zu können und Lasten von der Seele abzuladen“, sagt Krauspe. Jeder zweite erwachsene psychisch Kranke lebt bei seinen Angehörigen, die dem Initiator zufolge viel leisten. Sie helfen bei der Bewältigung von Krisen und wirken stabilisierend. Doch kaum einer kenne sich richtig mit psychischen Krankheiten aus. Dazu sei Wissen erforderlich, das auch eine solche Gruppe bieten könne, so Krauspe weiter.
Die Treffen bieten den Angehörigen in erster Linie eine Gesprächsebene, auf der sie ihren Kummer und ihre Sorgen mit anderen teilen können, sie ermöglicht Erfahrungsaustausch, informiert über Hilfsangebote der Kommunen und gesetzliche Änderungen, über Medikamente und weitere Behandlungsmöglichkeiten sowie über die Möglichkeiten der Reintegration und den Umgang mit Krisensituationen. Auf längere Sicht sollte die Selbsthilfegruppe Krauspe zufolge auch in verschiedenen Arbeitskreisen vertreten sein, um damit auf die Entwicklung von Hilfsangeboten für Kranke und Angehörige sowie auf die medizinische Versorgung direkt Einfluss nehmen zu können.
Denn seiner Erfahrung nach gibt es auf dem Gebiet der Psychiatrie noch vieles zu optimieren. Diese Ziele sollen durch regelmäßige Gespräche und Anstoßreferate bei den Gruppenabenden erreicht werden, alle Teilnehmer sind dabei zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Für die nächsten acht Monate wurde schon einmal ein Programm ausgearbeitet. Die Treffen finden dabei jeden zweiten Donnerstag im Monat jeweils um 19 Uhr in der Tagesstätte des Psychosozialen Netzwerkes in der Hoferstraße in Ludwigsburg statt. Beim Gründungstreffen nehmen auch Vertreter des Landesverbandes Baden-Württemberg der Angehörigen psychisch Kranker teil. In dieser Dachorganisation sind die Angehörigengruppen zusammengeschlossen.
Der Landesverband will eine gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung von somatisch und psychisch Erkrankten erreichen, die Missstände bei der Versorgung psychisch kranker Menschen eindämmen, bei der Bildung ambulanter Hilfesysteme mitarbeiten, über psychische Krankheiten aufklären, mit anderen Organisation an einem Strang ziehen und den Einfluss auf allen politischen sowie gesellschaftlichen Ebenen im Sinne der Erkrankten stärken.
Am 8. Dezember findet in Ludwigsburg eine kleine Weihnachtsfeier mit Gesprächen statt, bevor im neuen Jahr jeden zweiten Monat Fachreferate folgen. Am 12. Januar informiert die Diplom-Psychologin Dr. Maria Luise Hepp über ergänzende Therapien und die Bedeutung der Medikamenteneinnahme.
Am 8. März spricht Dr. Stefan Mende-Lechler über die notwendige Zusammenarbeit mit Angehörigen. „Niemand hat in der Schule gelernt, wie wir mit solchen Situationen umgehen können. Man möchte helfen und gerät schnell an seine Grenzen“, so Dr. Mende-Lechler. Am 10. Mai ist die Psychia- trieplanerin Christiane Keuter zu Gast. Sie beleuchtet das Netz der Gemeindepsychiatrie und was es tatsächlich tragen kann. Außerdem stellt sie das Hilfesystem im Landkreis Ludwigsburg vor.
Info: Das Gründungstreffen der Ludwigsburger Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen findet am morgigen Donnerstag, 10. November, um 19 Uhr in der Tagesstätte des Psychosozialen Netzwerks in der Hoferstraße 9a in Ludwigsburg statt. Die Adresse der Selbsthilfegruppe: Postfach 1708, 74307 Bietigheim-Bissingen, E-Mail: ludwigsburgerselbsthilfe@web.de, Telefon (01 63) 7 16 50 34.
Angelika Baumeister
09. November 2011