

Es gibt in der herkömmlichen Schmerztherapie jede Menge Unklarheiten, die lange Zeit einfach hingenommen wurden. Bei vielen Routineuntersuchungen entdeckt man zufällig Bandscheibenvorfälle oder andere Schädigungen der Wirbelsäule, die Patienten sind jedoch schmerzfrei.
Arthrose verursacht angeblich Schmerzen. Dennoch gibt es Menschen mit hochgradiger Arthrose, die völlig schmerzfrei sind. Wenn Schmerzen durch dauerhaft vorhandene Zustände wie Arthrose, Bandscheibenvorfälle und Verkalkungen ausgelöst werden, wie lässt es sich dann erklären, dass diese zeitweise sehr wehtun und kurz darauf wochenlang wieder nicht mehr?
„In 90 Prozent der Fälle von Rückenschmerzen findet man keine körperlichen Ursachen“ weiß Professor Andreas Veihelmann, Präsident der deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulentherapie und Leiter der Sektion Wirbelsäule an der Sportklinik Stuttgart. Das heißt, dass keine Anzeichen dafür zu entdecken sind, dass beispielsweise ein Bandscheibenvorfall auf eine Nervenwurzel drückt. Untersuchungen ergaben, dass nur in weniger als fünf Prozent der Fälle Nervenreizungen nachweisbar waren. Tumore und Infektionen, die ebenfalls für Schmerzen verantwortlich sein können, sind nur in zwei Prozent der Fälle nachweisbar.
Wenn man also weiß, dass nur bei ungefähr fünf Prozent aller Fälle eine strukturelle Schädigung an der Wirbelsäule tatsächlich vorliegt, warum und woran leiden die übrigen 95 Prozent? Die herrschende Schmerzmedizin tappt nach wie vor im Dunkeln. Ein Schmerzgedächtnis, Chronifizierung und psychische Ursachen sind Versuche, das Phänomen „Schmerz“ zu erklären.
Doch der Erfolg der herkömmlichen Schmerztherapie bleibt bisher aus. Und das, obwohl – den Schmerz durch Schmerzmittel unterdrückt – gespritzt und operiert wird. Inzwischen gehen über 60 Prozent der Kur- und Invaliditätsanträge auf den Rückenschmerz als häufigste Form des Schmerzes zurück. Allein die durch sie verursachten Kosten und Folgebelastungen schätzt man in Deutschland auf 49 Milliarden Euro jährlich. Die Tendenz steigt seit Jahren. Alarmierend ist auch, dass zunehmend Kinder betroffen sind.
Warum sind es gerade die Rückenschmerzen, die uns so viel Leid zuführen? Der zivilisierte Mensch sitzt im Auto, am Schreibtisch, beim Essen, Fernsehen, im Kino, Theater oder Restaurant. Und sogar im Schlaf, weil viele Menschen die Beine in der Seitenlage anziehen.
Diese sitzende Lebensweise verkürzt bestimmte Muskeln und Faszien derart, dass der Druck insbesondere auf die Lendenwirbelsäule und deren Bandscheiben gefährlich erhöht wird. Diese verkürzten Frontmuskeln ziehen den Rumpf noch weiter nach vorne. Damit das jedoch nicht passiert, müssen die rückwärtigen Muskeln, die Rückenstrecker, noch mehr Kraft aufwenden.
Irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht, dass die entsprechenden Fasern der Rückenmuskeln ermüden und zu brennen oder zu schmerzen beginnen. Der Hexenschuss ist die logische Steigerung der Rückenschmerzen.
Unser perfekt konstruierter Körper, der uns darüber informieren möchte, bedient sich der einzigen Sprache, derer er mächtig ist: dem Schmerz. Schmerzen sind ein Zeichen des Körpers, etwas zu unterlassen.
Häufig versuchen die Betroffenen, diesen Schmerz zu unterdrücken. Besser wäre jedoch, darauf zu hören. Jedes Gelenk ist von Muskeln überspannt, die über ihre Längenveränderung eine Bewegung der Knochen, an denen sie befestigt sind, hervorrufen. Verkürzen diese Muskeln, entsteht auf das Gelenk oder die Bandscheiben ein erhöhter Druck, welcher die Struktur auf die Dauer schädigen würde. Damit die Gelenke vor einer unphysiologischen Belastung geschützt werden, strahlt der Körper einen Warnschmerz aus. Dieser ist die Warnung des Körpers, mit der er auf drohende Schädigungen von Gelenken oder Bandscheiben aufmerksam macht. Dies ist ein Schutzmechanismus des menschlichen Körpers, der seit Urzeiten optimal funktioniert. Denn durch diesen Schmerz lässt der Mensch von der geplanten Bewegung ab.
Dieser Warnschmerz hat den Sinn eines vom Körper geschalteten Alarms. Er warnt vor Schädigung, weil sich unsere Muskulatur in einem krankhaften und fehlprogrammierten Zustand befindet. Das tut er, bevor diese Schädigung eintritt und danach, damit sie nicht schlimmer wird.
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