Würdiges Leben bis zum letzten Tag
„Wir dürfen nicht dann erst über das Sterben sprechen, wenn es zu spät ist und wir können den Tod auch nicht totschweigen“, sagte der RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel kürzlich beim Deutschen Hospiz- und Palliativverband. Die Begleitung sterbender Menschen im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) gibt es auch im Kreis Ludwigsburg.

Archivbild: Drossel
Menschen mit einer nicht heilbaren Erkrankung leiden oftmals an starken Schmerzen und Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Atemnot oder Verwirrtheit. Hinzu kommen psychische, soziale und spirituelle Sorgen. Viele äußern den Wunsch, in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung beziehungsweise im Pflegeheim oder im Hospiz zu sterben. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, wie sie nun kürzlich im Klinikum Ludwigsburg eingerichtet wurde, ist ein zusätzlicher Dienst, um Patienten und Angehörige in den letzten Tagen zu unterstützen. Die Betroffenen haben dann häufig sehr schwerwiegende Symptome, Angehörige sind oftmals völlig überfordert. Das aus neun Ärzten und elf Pflegekräften bestehende SAPV-Team des Landkreises bietet einen 24-Stunden-Notfalldienst an und arbeitet eng mit Hausärzten, Diakoniestationen, privaten Pflegediensten, Hospizen, der Brückenpflege sowie Kliniken zusammen.
Auf diese Weise ist ein vorbildliches Netzwerk entstanden, das Schwerkranke in ihren letzten Tagen nicht alleine lässt. Mit diesem Angebot wird auch vermieden, dass Patienten in kritischen Phasen in die Notfallpraxis oder in die Klinik gebracht werden, was meist nicht in deren Sinn ist. Und die extra ausgebildeten Fachkräfte tragen auch das Wissen über Palliativversorgung weiter, vor allem Hausärzte profitieren davon. Das SAPV-Team übernimmt dabei die medizinische sowie pflegerische Betreuung und koordiniert die Aktivitäten.
Wer hat Anspruch auf eine SAPV? Laut einer Regelung im Sozialgesetzbuch vom April 2007 sind es „Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwendige Versorgung benötigen“. Die SAPV ist somit eine Kassenleistung. Bislang wurden überwiegend Patienten mit fortgeschrittenen und nicht heilbaren Krebsleiden palliativmedizinisch behandelt, doch auch andere Schwerkranke haben einen Anspruch, sofern sie ein sogenanntes „komplexes Symptomgeschehen“, beispielsweise starke Schmerzen aufweisen. Die SAPV gilt auch für Patienten in stationären Pflegeeinrichtungen und in Hospizen.
Eingebunden in die Leistungen sind außerdem die Angehörigen, für die es oft schwierig ist, die Situation emotional zu bewältigen. Sie spüren, dass das Familienmitglied bald sterben muss, und durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Wenn ein Patient aufgrund der Schwere seiner Erkrankung einen Anspruch auf eine SAPV hat, dann wird sie von einem Krankenhausarzt oder dem Hausarzt verordnet.
Dafür gibt es einen speziellen Antrag, den der Patient oder ein Angehöriger unterschreiben muss. Schließlich wird dieser Antrag der Krankenkasse zur Genehmigung vorgelegt. Viele Kassen haben bereits SAPV-Verträge abgeschlossen. Das Angebot ist bundesweit aber längst noch nicht flächendeckend, der Kreis Ludwigsburg hat hier Vorbildcharakter.
Die Palliativpflege ist am Klinikum Ludwigsburg schon lange ein Thema, seit zehn Jahren werden hier Weiterbildungen zur Palliativ-Care-Pflegekraft angeboten. Jüngst haben sich wieder 17 Pflegekräfte aus dem Bundesgebiet dem Thema genähert und in 192 Kursstunden viel über die Versorgung von Todkranken erfahren. „Sterbebegleitung im Rahmen der Hospizbewegung und der Palliativmedizin ist Teil einer humanen Gesellschaft, für den es sich einzusetzen lohnt. Denn wenn wir alle schon nicht die Frage nach dem Wann beantworten können, sollten wir wenigstens eine Antwort auf die Frage nach dem Wie geben können“. Mit diesen Worten schloss Peter Kloeppel seine Rede beim Deutschen Hospiz- und Palliativverband.
Info: Die Geschäftsstelle der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung des Landkreises befindet sich in der Posilipostraße 4 in 71640 Ludwigsburg, Telefon (0 71 41) 99-6 04 30, Fax (0 71 41) 99-6 04 38, E-Mail: lb.palliative-care-team@kliniken-lb.de. Sie ist montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet.
Angelika Baumeister
02. November 2011