„Zu viele Zigaretten und Energydrinks“
Der junge Mann hatte die Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen. Das Sprechen fiel ihm schwer, als er von dem Tag berichtete, der sein Leben veränderte: „Es war wie ein Schlag auf den Kopf, dann fiel ich um“, erzählte er. Ein Schlaganfall trifft auch junge Menschen. Durch Vorsorge kann aber Schlimmeres verhindert werden.
„Ich habe stark geraucht, Energydrinks konsumiert und zu viel gearbeitet“, gestand der junge Mann, der beim gut besuchten 1. Neurologisch-Psychiatrischen Gesundheitstag im Ludwigsburger Kulturzentrum von seinem Schlaganfall berichtete. Er hatte noch Glück im Unglück, weil er trotz Lähmungserscheinungen um Hilfe rufen konnte. Für ihn von Vorteil war außerdem, dass das Klinikum Ludwigsburg, in das er mit dem Rettungswagen gebracht wurde, über eine sogenannte „Stroke Unit“ verfügt. Das ist eine spezialisierte Schlaganfallstation, in der Patienten sehr gezielt behandelt werden können.
Dadurch verbessern sich nicht nur die Überlebenschancen, auch das Ausmaß der Folgeschäden lässt sich verringern. Da bei einem Schlaganfall jede Minute zählt, arbeiten die Stroke Units sehr effizient, alle Informationen werden an einem Ort gesammelt, die Wege sind kurz und das Team besteht aus unterschiedlichsten Spezialisten, die gut miteinander kooperieren.
Der junge Mann, der offen von seiner Krankheit erzählte, ist ein Patient des Ludwigsburger Neurologen und Psychiaters Dr. Falk von Zitzewitz, der auch dem Vorstand des Kompetenznetzes in Neurologie und Psychiatrie mittlerer Neckar (KiNuP) angehört. Zitzewitz referierte beim von KiNuP organisierten Neurologisch-Psychiatrischen Gesundheitstag unter anderem über Schlaganfallvorsorge. Ein wichtiges Thema, denn immerhin erleiden täglich 452 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, rund 181 sterben an den Folgen, das sind immerhin mehr Tote als durch Herzinfarkt oder Lungenkrebs. Betroffen sind auch Prominente wie erst kürzlich der Sänger der Kölner Band BAP, Wolfgang Niedecken, der jetzt wieder auf dem Weg der Besserung ist, oder die bekannte Kabarettistin Gaby Köster, die sich diesen Herbst nach langer Auszeit zurückmeldete. „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“, titelt sie in ihrem Buch.
Laut Dr. Falk von Zitzewitz handelt es sich beim Schlaganfall um eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns. Bei 83 Prozent der Fälle sei die Durchblutung durch ein Blutgerinnsel vermindert, bei 17 Prozent komme es zu einer akuten Blutung. Als Risiken für einen Schlaganfall nannte er kleine, sich völlig zurückbildende Schlaganfälle im Vorfeld, sogenannte transitorisch ischämische Attacken, eine familiäre Vorbelastung, Stress, körperliche Inaktivität, Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Cholesterinerhöhung im Blut, Bluthochdruck sowie das Vorhofflimmern, eine das Entstehen von Blutgerinnseln begünstigende Herzrhythmusstörung mit ungeordneter Tätigkeit der Herzvorhöfe. Männer und ältere Menschen seien dabei besonders schlaganfallgefährdet.
Dem Neurologen zufolge erhöht das Rauchen das Schlaganfallrisiko um das Zwei- bis Dreifache, habe ein Raucher auch noch Bluthochdruck, dann steige das Risiko um das 20-fache. Rund eine Million Deutsche leben derzeit mit den Folgen von Schlaganfällen, viele mit bleibenden Schädigungen. Wie erkennt man einen Schlaganfall? Dr. Zitzewitz nannte als Symptome halbseitigen Sehverlust, Kraftlosigkeit, Lähmungen, Sprachstörungen und auch plötzliche Gefühlslosigkeit.
Als Vorbeugung empfahl der Ludwigsburger Neurologe, einen erhöhten Blutdruck zu senken, verordnete Medikamente regelmäßig einzunehmen, sich ausreichend körperlich zu bewegen, nicht zu rauchen, Übergewicht zu verringern, die Blutfettwerte zu reduzieren und wenig Alkohol zu trinken. Er riet überdies zu einem Gesundheitscheck mit Blutuntersuchung und EKG, bei Vorliegen eines Risikos zu einer Ul- traschalluntersuchung der Schlagadern sowie zu einer das gefährliche Vorhofflimmern erkennenden Schlaganfall-Risiko-Analyse (SRA).
Die eine Stunde dauernde, neuartige computergestützte SRA-Untersuchung biete der Neurologe an. Herzrhythmusstörungen seien immerhin Ursache für 25 Prozent der Schlaganfälle, sie würden hier erkannt. 70 Prozent und damit der Großteil der durch Vorhofflimmern verursachten Schlaganfälle könnten dabei durch Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, vermieden werden, führte der Mediziner aus. Er empfahl vor allem Patienten mit mindestens einem Risikofaktor, die SRA-Untersuchung vornehmen zu lassen.
Angelika Baumeister
16. November 2011