Basketball
Ludwigsburg | 23. März 2016

Die Fiba droht mit Olympia-Bann

Keine 12 Stunden, nachdem der europäische Basketballverband sein Konzept für die Champions League vorgestellt hat, fährt die Fiba neues schweres Geschütz im Machtkampf mit der Euroleague auf: Sie droht ihren Mitgliedsverbänden mit dem Ausschluss von allen Fiba-Wettbewerben bis hin zum Olympia-Bann.

Spiele im Eurocup – wie das der MHP-Riesen gegen Brindisi – könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Foto: Baumann
Spiele im Eurocup – wie das der MHP-Riesen gegen Brindisi – könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Foto: Baumann

Noch am Montag hatte es so ausgesehen, als ob die Fiba Europe im Tauziehen um die lukrativen internationalen Vereinswettbewerbe den Kürzeren ziehen würde. Der Grund: Das von der europäischen Föderation vorgestellte Konzept einer neuen Champions League, in der ab Oktober 32 Mannschaften teilnehmen sollen, steht nicht in ernsthafter Konkurrenz zu der seit dem Jahr 2000 etablierten Euroleague. In der haben neben den beiden deutschen Teams FC Bayern München und Baskets Bamberg weitere europäische Spitzenclubs wie FC Barcelona, ZSKA Moskau oder auch Olympiakos Piräus ein sportliches Zuhause gefunden. Nicht zuletzt wegen der höheren finanziellen Anreize gegenüber der Champions League haben diese Clubs der Euroleague auch künftig die Treue geschworen.

Seit der Nacht zum Dienstag hat sich die Gemengelage noch einmal verschärft. Jeder nationale Verband, so heißt es in einem Beschluss der Fiba, der die „illegalen Praktiken“ der Euroleague unterstütze und seinen Ligen oder Clubs erlaube, Vereinbarungen mit der Euroleague abzuschließen, „verliert automatisch das Recht, an Herren-Wettbewerben der Fiba Europe teilzunehmen“. Ausgenommen davon seien lediglich die 16 Teilnehmer an der Euroleague.

Starker Tobak, denn es ist zu erwarten, dass sich der Weltverband Fiba dieser Forderung vollumfänglich anschließt. Das würde womöglich sogar einen Olympia-Bann zur Folge haben. Zuletzt hatten beispielsweise drei italienische Vereine ihre Teilnahme am Eurocup angekündigt. Sollte der italienische Verband nun diese Clubs nicht vom Ligabetrieb ausschließen, könnte er für die anstehende Olympia-Qualifikation gesperrt werden.

Für diesen Fall müsste ein neuer Gastgeber für das vorgesehene Turnier in Turin gefunden werden – damit hätte das sportlich nicht qualifizierte Deutschland durch die Hintertür doch noch eine Chance auf den Sprung zu den Sommerspielen. Vorausgesetzt, die deutschen Vereinsmannschaften würden ihrerseits die Teilnahme am Eurocup aufgeben.

Attacke trifft BBL nicht unvorbereitet

Die neuerliche Attacke der Fiba trifft den Präsidenten der Basketball-Bundesliga (BBL), Alexander Reil, nicht unvorbereitet. „Dass sie jetzt drohen, war absehbar“, sagt Reil, der gleichzeitig Vorsitzender der MHP-Riesen Ludwigsburg ist. „Ob dies auch juristisch durchsetzbar ist, sei mal dahingestellt.“

Nicht nachvollziehbar und „komisch“ sei für ihn, dass die Fiba die Euroleague akzeptieren wolle, sich den Eurocup aber einverleiben wolle. „Die Frage ist, wer dann überhaupt noch spielt“, so Reil, der die Auflösung des Eurocups, in dem in dieser Saison auch die MHP-Riesen erfolgreich teilnahmen, befürchtet.

Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) stellt sich im Gegensatz zur BBL voll zu den Forderungen seines Dachverbandes Fiba: „Ich erwarte von den deutschen Clubs, dass sie sich nicht auf die erpresserischen Methoden einlassen“, sagte DBB-Präsident Ingo Weiss. Er rechne damit, dass sich die Teams abseits von dem einen deutschen Euroleague-Teilnehmer für eine Teilnahme an der Champions League anstelle des Eurocups entscheiden werden.

andreas steimann
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige