Basketball
Ludwigsburg | 01. Dezember 2016

Nac hBesiktas-Coup vor Revanche gegen Belgrad

Lizenzentzug für Phoenix Hagen gibt MHP-Riesen mehr Zeit, sich aufs nächste Champions-League-Spiel zu konzentrieren

Langer Atem (v.l.): Kelvin Martin, Bazoumana Kone, Jack Cooley. Foto: bm
Langer Atem (v.l.): Kelvin Martin, Bazoumana Kone, Jack Cooley. Foto: bm

Ludwigsburg. Die Jubelgesänge am Dienstagabend nach dem 89:83-Coup gegen Besiktas Istanbul waren noch nicht verstummt, da mussten sich die Ludwigsburger Basketballer schon wieder auf die nächste Aufgabe konzentrieren.

Seit Wochen bietet die Doppelbelastung zwischen Champions League und Liga-Alltag kaum Zeit zur Regeneration. 19 Pflichtspiele haben die MHP-Riesen seit Anfang Oktober absolviert, bereits am kommenden Sonntag stand programmgemäß die nächste Bundesliga-Aufgabe gegen Phoenix Hagen an.

Was am Dienstagabend noch als vage Prognose kursierte, wurde gestern Gewissheit. Die Basketball-Bundesliga hat Phoenix Hagen mit sofortiger Wirkung die Lizenz in der höchsten deutschen Spielklasse entzogen. Damit steht der Verein als erster Absteiger fest, wie die Liga gestern mitteilte. Grund dafür sei die „fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ sowie der fehlende Nachweis, dass die verbleibenden Partien definitiv ausgetragen werden können. Die Hagener hatten angekündigt, noch zwei Partien absolvieren zu wollen und den Spielbetrieb nach dem 10. Dezember einzustellen. Alle bisherigen Partien des Teams werden aus der Wertung genommen, der Verein wird aus der Bundesliga-Tabelle gestrichen.

„Uns war es wichtig, sicherzustellen, dass die beiden kommenden Gegner, Ludwigsburg und Braunschweig, Planungssicherheit hinsichtlich der Austragung haben“, begründete BBL-Geschäftsführer Stefan Holz die Entscheidung des Lizenzligaausschusses, die Lizenz mit sofortiger Wirkung zu entziehen. Schon im Oktober, als der Verein Insolvenz anmeldete, hatte die Liga den Hagenern vier Punkte abgezogen.

Gelegenheit zur Regeneration

Der Ludwigsburger Trainer John Patrick reagierte erleichtert auf die schnelle Entscheidung. Für Hagen, das 13 Jahre nach dem finanziellen Kollaps von Vorgängerverein Brandt Hagen mindestens den Gang in die Zweitklassigkeit antreten muss, sei die Entwicklung „sehr schade“, so Patrick, seine MHP-Riesen könnten sich aber nun gezielt auf ihr nächste Aufgabe vorbereiten – und die wartet in der Champions League bereits am kommenden Dienstag. In Belgrad wollen die Ludwigsburger Revanche nehmen für das Hinspiel, als sie sich gegen Partizan in eigener Halle in letzter Sekunde mit 64:65 geschlagen geben mussten.

„Wir hatten durch den engen Spielplan so viele Nachteile, das hat uns einige Siege gekostet“, sagte der Riesen-Coach. Man sei gerade in der Bundesliga wiederholt auf Mannschaften getroffen, die ausgeruht waren. „Jetzt ist es einmal anders herum“, hofft er, dass die Zeit bis zum Abflug für die Erholung ausreicht und seine Spieler diesmal frisch und fit zu Werke gehen können. Für das spielfreie Wochenende sucht er nun noch einen geeigneten Partner für ein Trainingsspiel.

Welchen Kraftakt die Ludwigsburger zu leisten imstande sind, bewiesen sie gegen Besiktas Istanbul. „Das war Werbung für den Basketball“, sagte Patrick, der von der „Super-Atmosphäre“ in der Halle beeindruckt war. Der lange Atem in der Schlussphase habe gezeigt, dass sein Team selbst gegen vermeintlich übermächtige Gegner eine Chance habe, „wenn beide Mannschaften müde sind“. Sonderlob gab es für Kelvin Martin, der mit spektakulären Dunkings und Schüssen von draußen sein ganzes Potenzial gezeigt habe. Von der Bank hätten „Joker“ Bazoumana Kone, Jack Cooley und Chad Toppert die entscheidenden Akzente gesetzt.

von andreas steimann
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