Basketball
Ludwigsburg | 02. Januar 2016

Plötzlich einer zu viel bei den Riesen

Sportlich haben die Ludwigsburger Basketballer mit dem 100:65-Kantersieg gegen die Crailsheim Merlins nach drei Niederlagen wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden. Hinter den Kulissen knistert es nach der Blitz-Verpflichtung von Kerron Johnson aber gewaltig: Plötzlich ist ein US-Amerikaner zu viel im Kader.

Will in Ludwigsburg wieder den Ton angeben: Kerron Johnson. Foto: Baumann
Will in Ludwigsburg wieder den Ton angeben: Kerron Johnson. Foto: Baumann

Matchwinner Alvaro Munoz (25 Punkte) und ein strahlender Youngster Yannick Armbrust, der mit seinen vier Punkten in der Schlussphase eines atemberaubenden Spiels das dreistellige Ergebnis gegen die Crailsheim Merlins eingetütet hatte, ließen sich von ihren Mannschaftskollegen und den Fans in der MHP-Arena feiern. Auch Mustafa Shakur, nach offiziellen Angaben wegen einer Verletzung am Knie nicht für das Spiel nominiert, gesellte sich in Zivil zu der Jubeltraube und feierte fleißig mit. Beste Laune also bei den MHP-Riesen zum Abschluss eines erfolgreichen Basketball-Jahres? Mitnichten.

Nach der überraschenden Verpflichtung von Kerron Johnson, der gegen Crailsheim nach nur wenigen Tagen in Ludwigsburg einen geglückten Einstand hatte, tun sich plötzlich Fragen auf, wie es in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht. „Wir wussten nicht, wie lange Shakur verletzt sein wird. Er hatte am Montag nicht trainiert und war beim Arzt. Es war unklar, ob es vier bis sechs oder ein bis zwei Wochen sind, deswegen mussten wir handeln. Schließlich war das Spiel gegen Crailsheim enorm wichtig und es stehen noch viele wichtige Spiele an“, erklärte John Patrick die Entscheidung, auf die Dienste von Shakur vorerst zu verzichten und den quirligen Spielmacher Johnson auf der Stelle nach Ludwigsburg zurück zu holen.

Johnson war in der Saison 2014/2015 der Schlüsselspieler auf der Pointguard-Position der MHP-Riesen. Der 25-jährige Spielmacher stand seit dem Sommer beim französischen Erstligisten Rouen Metropole Basketball unter Vertrag und hielt sich über die Festtage in Ludwigsburg auf. „Er hat nach wie vor freundschaftliche Kontakte zu Jon Brockman und zu Patrick Flomo“, sagte Riesen-Coach Patrick. Dass er aber unverzüglich von seinem französischen Club loszueisen war und die Spielberechtigung für das Crailsheim-Spiel rechtzeitig vorliegen würde, war zum Zeitpunkt der ersten Anfrage und der zügigen Vertragsunterzeichnung nicht klar. Umso mehr freute sich Patrick und mit ihm Präsident Alexander Reil, dass der Blitz-Transfer gelang.

„Kerron Johnson ist die Lösung. Wir kennen ihn und sind froh, dass er sich für uns entscheiden hat“, sagte Patrick, der mit Kritik am bis auf weiteres ausgemusterten Mustafa Shakur nicht sparte. Trotz seiner 31 Jahre habe Shakur noch nicht in einem Defensiv-System gespielt, und obwohl er mehrmals geholfen habe, Spiele zu gewinnen, seien seine Plus-Minus-Ratings zuletzt nicht zufriedenstellend gewesen. „Als Point Guard musst du den Ball bewegen und verteidigen“, so die Kritik Patricks, der einräumte, dass die jüngsten Spiele ohne die verletzten Rocky Tryce und Tekele Cotton für die Mannschaft insgesamt sehr schwierig gewesen seien.

Wie es in der Personalie Shakur weitergehen wird, kann auch Alexander Reil derzeit nicht beantworten. „Sicher ist aber, dass wir nicht mit acht Amerikanern bis zum Saisonende gehen werden“, so der MHP-Riesen-Präsident, der auf die finanzielle Seite der Angelegenheit verweist. „Die Verpflichtung Johnsons geschah sicher nicht, weil Shakur gehen wird. Wir werden in den nächsten Wochen in aller Ruhe überlegen, wie es weiter geht“, so Reil. Ihm gehe es auch um den Aspekt, dass es keine Stagnation im Team gibt und der interne Wettbewerb aufrecht erhalten bleibt.

13 Spiele inclusive Eurocup haben die MHP-Riesen bis zum Schließen des Wechselfensters Ende Februar vor der Brust. Dass bis dahin keine Entscheidung fällt, wer gehen muss, ist kaum vorstellbar.

Angesprochen auf einen weiteren Namen, der seit Tagen in der Barockstadt kursiert, halten sich sowohl Patrick als auch Reil bedeckt: DJ Kennedy. „Er war für uns im letzten Jahr ein Ausnahmespieler und wir hatten eine tolle Saison“, sagt Patrick und räumt ein. dass es noch Kontakte gebe. „Das wäre extrem weit weg“, antwortet Reil auf die Frage nach einer möglichen Verpflichtung des 26-jährigen Forwards, der in der Vorsaison für Furore in Ludwigsburg gesorgt hatte und derzeit in Russland bei Jenissei Krasnojarsk unter Vertrag steht. Dieser sei aber sehr hoch dotiert, „da müsste er bei uns auf 80 Prozent seines Einkommens verzichten“, so Reil.

Ungeachtet der Personal-Turbulenzen steht bereits heute Abend das nächste Bundesligaspiel auf dem Programm. Nach zwei Begegnungen im Eurocup, die Ludwigsburg beide für sich entscheiden konnte, dürften die Albatrosse diesmal besonders motiviert sein.

andreas steimann
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