Sensation
Ludwigsburg | 30. November 2016

Riesen brechen die schwarze Besiktas-Wand

Die Basketball Champions League hat ihre erste Sensation: Die MHP-Riesen bezwangen gestern Abend in einem hochklassigen Spiel die Übermannschaft von Besiktas Istanbul mit 89:81 (46:51). Es war ein nie erwarteter Triumph, der in die Annalen der Basketballstadt Ludwigsburg eingehen wird.

Unwiderstelich: Kelvin Martin (r.) setzt sich unterm Korb gegen Sertac Sanli (Istanbul) durch.
Unwiderstelich: Kelvin Martin (r.) setzt sich unterm Korb gegen Sertac Sanli (Istanbul) durch.

Ludwigsburg. Dass die Ludwigsburger Basketballer in eigener Halle mit Pfiffen und Buh-Rufen empfangen werden, hat es so noch nicht gegeben. Gestern Abend aber war die mit 3921 Besuchern ausverkaufte MHP-Arena fest in türkischer Hand. Die Fans von Besiktas Istanbul, angereist aus allen Landesteilen Deutschlands, sorgten bereits vor Spielbeginn mit einem Fackellauf für Aufsehen und entfachten einen Höllenlätm.

Auf dem Feld hatten allerdings die MHP-Riesen gegen den unangefochtenen Tabellenführer der Champions League-Gruppe E das Zepter zunächst in der Hand. Johannes Thiemann eröffnete zum 4:0, Tekele Cotton und David McCray erhöhten auf 8:5. Kleine Nachlässigkeiten gestatteten Besiktas einen 6:0-Lauf zur 17:11-Führung.

Fortan sollten die Gastgeber dem knappen Rückstand hinterherlaufen. Gegen die präzisen Würfe der körperlich klar überlegenen Besiktas-Stars fanden sie kaum Mittel. Neben Michael Roll, der bis zur Halbzeit 17 Punkte (davon drei Dreier) einlochte, bestimmten der frühere NBA-Star Earl Clark (16 Punkte) sowie Kyle Weems (16), der aus allen Lagen schoss, das Geschehen.

Trotzdem hielten die Riesen den Anschluss. Vor allem der unerschrockene Kelvin Martin zeigte in brenzligen Situationen seine Stärke. Sein Dreier brachte die Ludwigsburger kurz vor Viertelschluss zum 21:21-Ausgleich.

Im zweiten Abschnitt ließ Riesen-Coach John Patrick seine Wunderwaffe Chad Toppert von der Leine. Mit fünf präzisen Dreiern, mal von links, mal von rechts, mal von der Mitte aus geschossen, fand der Forward stets das richtige Händchen. Weil nun auch Tekele Cotton und Jack Cooley trafen, hielt sich der Rückstand (46:51) in Grenzen.

In der zweiten Spielhälfte nahm die Partie richtig Fahrt auf. Die Riesen spielten nun gegen die schwarze Wand der Besiktas-Fans, aber die lautstarken Provokationen machten sie umso stärker. Spielmacher Cliff Hammonds übernahm das Kommando, er brachte per Dreier den 54:55-Anschluss, Cooley, Bazoumana Kone und der immer aggressiver werdende Martin den 62:62-Ausgleich. Nun hatten die Riesen Feuer gefangen, der mögliche Erfolg gegen den Top-Favoriten ließ ihnen Flügel wachsen. Besiktas wirkte mit jedem gegnerischen Punkt verunsicherter, die Riesen spielten wie enthemmt auf und hielten bs zum 74:74 dagegen. Als Cooley nach langer Zeit die erste Führung (76:74) erzielte, brachen alle Dämme. Die Sensation war greifbar nahe und wurde durch einen nun unwiderstehlichen Cooley Wirklichkeit. Ludwigsburg kletterte durch den fünften Europapokal-Erfolg in Serie auf Rang 2 der Tabelle.

von ANDREas Steimann
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