MHP-Riesen
Ludwigsburg | 19. Mai 2017

Technische Fouls kosten den Sieg

Die MHP-Riesen Ludwigsburg sind raus aus den Play-offs – und hadern mit den Schiedsrichtern. Bei der 81:91-Niederlage im fünften Duell mit Ratiopharm Ulm legten die Bundesliga-Basketballer aus Ludwigsburg noch während des Spiels Protest ein.

Vergeblich gekämpft: Jack Cooley (rechts) im Duell mit zwei Ulmern.Foto: Baumann
Vergeblich gekämpft: Jack Cooley (rechts) im Duell mit zwei Ulmern.Foto: Baumann

Nein, die Schiedsrichter waren nicht schuld am Play-off-Aus der MHP-Riesen Ludwigsburg. Aber das Team um Hauptschiedsrichter Benjamin Barth stand bei der 81:91-Niederlage der Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer im fünften Duell gegen Ratiopharm Ulm oft im Mittelpunkt, vielleicht etwas zu oft. Erst gab Martin Matip wenige Sekunden vor Ende des zweiten Viertels zwei Technische Fouls und damit den Hallenverweis für Trainer John Patrick, dann stellte Co-Schiedsrichter Christof Madinger D.J. Kennedy zu Beginn des dritten Durchgangs vom Feld. Nach einem kurzen Durchhänger kämpften die Ludwigsburger weiter bis zum Ende. Wirklich gefährlich wurde es für Ulm aber nicht mehr.

„So ein Spiel haben die Spieler nicht verdient“, sagte der sichtlich niedergeschlagene John Patrick nach der Partie. „Ich hoffe, dass wir es wiederholen können und es dann ein normales Spiel wird.“ Kapitän David McCray unterschrieb das Protestformular gestern. Eine Stellungnahme müssen die Riesen nachträglich einreichen. Mit einer Entscheidung ist vor Sonntag zu rechnen, weil dann Ulm im ersten Spiel der Halbfinalserie um 15 Uhr auf Oldenburg trifft.

Doch was war passiert? Ende des zweiten Viertels beschwerte sich Patrick beim Schiedsrichter, weil seiner Meinung nach die Schrittfehler nicht auf beiden Seiten gleich bewertet wurden. „Ich habe sehr höflich gefragt.“

Nach Patricks Angaben habe er daraufhin das erste Technische Foul kassiert. Es wurde hektisch um die Trainerbank der Riesen. Als er nachfragte, bekam er keine Antwort, holte sich ein Protest-Formular und flog dabei aus der Halle, so Patricks Sicht der Dinge. „Ich habe nicht verstanden, warum ich für höfliche Fragen Technische Fouls bekomme.“ Fortan stand Co-Trainer Martin Schiller an der Seitenlinie.

Daraufhin reagierte Ludwigsburg empfindlich auf die Entscheidungen der Schiedsrichter. Cliff Hammonds kassierte 0,8 Sekunden vor der Halbzeit ein weiteres Technisches Foul. Die Folge: bis zur Halbzeit fielen die Barockstädter bis auf 39:55 zurück.

Nach dem Seitenwechsel kam es noch schlimmer. Kennedy geriet sich mit Schiedsrichter Christof Madinger in die Haare. Nach Angaben der Riesen habe Madinger Kennedy aufgefordert den Ball zu holen. Als dieser das ablehnte, gab es das erste Technische Foul. Kennedy reagierte wenig professionell auf die Provokation. Er rannte einige Schritte auf den Schiedsrichter zu und spielte dann einen druckvollen Bodenpass, was die Disqualifikation zur Folge hatte. Äußern wollten sich die Schiedsrichter gestern nicht. Daraufhin tat sich Ludwigsburg schwer. Ulm zog auf bis zu 20 Punkte davon, ehe sich die Riesen herankämpften und sich gut verkauften.

Es wäre mehr drin gewesen. Ludwigsburg startete mit Licht und Schatten. Zunächst legten die Ulmer vor. Der zum wichtigsten Spieler der Liga gewählte Raymar Morgan mit einem Dreier und Augustine Rubit brachten die Gastgeber mit 15:6 in Führung. Die Riesen vergaben in der Anfangsphase zu viele einfache Würfe, auch später in der Partie war das Problem: aus der Ferne treffen die Ludwigsburger gut, unter dem Korb wird zu viel liegengelassen. Doch durch einen Dreipunktewurf von Chad Toppert, einen Treffer von D.J. Kennedy und zwei verwandelten Freiwürfen von Jack Cooley kam Ludwigsburg bis auf 15:13 heran. Cooley blockte daraufhin Morgan, Rocky Trice glich im Gegenangriff aus. Zwar konterte Per Günther von der Dreierlinie, die Riesen blieben aber bis zum 24:20 für Ulm zum Ende des ersten Durchgangs dran. Auch im zweiten Abschnitt sah es zunächst so aus, als könnten die Gelb-Schwarzen die Führung an sich reißen. In der 15. Minute hätte Kennedy zum erneuten Ausgleich beitragen können. Aber statt selbst zum Korb zu gehen oder einen sicheren Pass auf Crawford zu spielen gab er den Ball hoch Richtung Korb, womit Crawford nicht gerechnet hatte.

Wenig später gelang Kennedy zwar das 33:33. Dann nahm das Spiel seine hitzige Wendung. Für die Fans der Riesen spielte das keine große Rolle mehr. Am Ausgang feierten sie ihre Mannschaft. „Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft“, sagte auch John Patrick zum Saisonende – wenn es denn schon das Ende war.

Marco Jaisle
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