eishockey
Ludwigsburg | 18. August 2016

„Ich glaube noch an den Traum“

Trainer Kevin Gaudet vom Eishockey-Zweitligisten SC Bietigheim-Bissingen vertraut auch in der neuen Saison einem Großteil der Spieler, die wissen, wie man erfolgreich ist. Lediglich vier Neuzugänge haben sich die Steelers geangelt.

Glaubt daran, mit den Steelers irgendwann einmal in der DEL zu spielen: Trainer Kevin Gaudet. Foto: Baumann
Glaubt daran, mit den Steelers irgendwann einmal in der DEL zu spielen: Trainer Kevin Gaudet. Foto: Baumann

Allerdings muss der Kanadier noch auf unbestimmte Zeit auf zwei Leistungsträger verzichten, denn Markus Gleich und Justin Kelly leiden noch an ihren Gehirnerschütterungen. Im LKZ-Interview hadert Gaudet mit der auch weiterhin fehlenden Aufstiegsmöglichkeit in die DEL, lässt sich seinen Traum aber nicht nehmen.

Die Steelers setzen wie schon vergangene Saison auf Kontinuität und haben bislang lediglich vier Neuzugänge verpflichtet. Haben Sie im Sommerurlaub weniger telefonieren und nicht so viele Videos sichten müssen?

Kevin Gaudet: Es ist die gleiche Arbeit wie immer. In meinen ersten drei Jahren hier haben wir fast immer eine neue Mannschaft gehabt. Immer 12 bis 15 neue Spieler. Und die letzten zwei Jahre haben wir die Mannschaft gehalten. Erstens: die Spieler haben das verdient, weil sie erfolgreich waren. Und was die Finanzen betrifft: es ist außerdem natürlich billiger. Jetzt werden wir es also wieder versuchen.

Mit Markus Gleich und Justin Kelly sind zwei herausragende Spieler nach Gehirnerschütterungen noch nicht einsatzfähig. Wie sieht die Prognose bei beiden aus? Die vierte Ausländerposition wird ja für den Kanadier Kelly offen gehalten.

Kelly war MVP der DEL 2, der beste Spieler der Liga. Gleich zählt zu den Topverteidigern der zweiten Liga. Sie sind nicht ersetzbar. Das tut weh. Die Prognose ist so, dass es bei beiden etwas besser geworden ist. Aber sie können auch noch nicht anfangen zu trainieren. Das ist ein großer Verlust für uns.

Sind bis zum Saisonstart am 16. September noch weitere Neuverpflichtungen geplant?

Wenn man mich fragt, will ich natürlich noch einen Spieler haben. Weil ich Trainer bin und gewinnen will. Aber unser Geschäftsführer Volker Schoch ist verantwortlich für die Verpflichtungen.

Macht es die Vorbereitung auf die neue Saison einfacher, wenn man mit einem Großteil der Spieler weiterarbeiten kann, die ja auch schon mit Ihrem System vertraut sind?

Einerseits ist es vom System her einfacher, wenn die Spieler schon vergangene Saison da waren. Was schwerer für den Trainer ist, ist die Motivation der Spieler. Wir hatten fast die gleiche Mannschaft, die vergangenes Jahr als Meister eigentlich aufsteigen musste. Und es ist uns als Organisation gelungen, erneut ins Finale zu kommen.

Ein unerfreuliches Thema bleibt der fehlende Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL 2. Inzwischen ist die Situation ja so, dass es frühestens 2019 zu einer Verzahnung kommt – und selbst das ist noch längst nicht sicher. Wie frustrierend ist das für Sie?

Ich war noch nie so frustriert in meinem Leben. Und ich bin schon seit 26 Jahren Trainer. Was die DEL macht, hilft dem Eishockey nicht. Man braucht auch für den Nachwuchs den Anreiz, aufsteigen zu können. Ich habe das zweimal erlebt, in der Wedemark in der Nähe von Hannover und in Straubing.

Man muss den Mannschaften in allen Ligen die Hoffnung geben, irgendwann nach oben kommen zu können. So bekommt man auch Sponsoren. Was die DEL mit ihrer geschlossenen Gesellschaft macht, ist, ein paar Manager und Gesellschafter glücklich zu machen, weil sie nicht absteigen können. Es ist einfach nur traurig, denn Eishockey boomt in Deutschland.

Ihr Traum war es immer, mit den Steelers in die DEL aufzusteigen. Ist der Traum endgültig geplatzt?

Ein deutsches Sprichwort sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Man sieht am Beispiel Bremerhaven, dass die DEL die zweite Liga braucht. Kassel, Frankfurt, Dresden, Ravensburg, Bietigheim – wir sind bereit. Ich glaube noch an den Traum.

Eigentlich hatte man in Bietigheim mit Blick auf die jetzt gescheiterte Aufstiegsmöglichkeit 2018 für die übernächste Saison einen größeren Umbau des Kaders geplant. Muss man jetzt etwas umdenken oder knüpft man bereits erste Kontakte mit Spielern, die man dann nächstes Jahr verpflichten möchte?

Ich versuche nicht, für die nächsten zwei, drei Jahre zu planen. Das geht in dieser Liga nicht. Ich denke nur kurzfristig.

Zweimal Meister und zweimal Vizemeister in den vergangenen vier Jahren. Sind Sie und die Spieler trotz dieser Erfolgsbilanz immer noch hungrig auf Titel?

Ein Gewinner bleibt von der Mentalität her ein Gewinner. Ich liebe es zu gewinnen, so wie der Tennisprofi Novak Djokovic oder die Fußballer von Bayern München. Ich will wieder Meister werden und ich muss meiner Mannschaft vertrauen, dass sie das auch wieder will. Unsere Aufgabe ist schwerer geworden, aber das macht auch Spaß.

Bremerhaven ist hochgegangen in die DEL, Bayreuth kommt aus der Oberliga hoch und Heilbronn ist der zweiten Liga erneut erhalten geblieben. Wie stark ist die Liga einzuschätzen?

Die Liga hat mit Bremerhaven ein Topteam verloren, aber die anderen fünf Topteams haben sich verbessert. Und auch Heilbronn ist viel besser geworden, das ist ein Play-off-Team. Ich schätze die Liga diesmal stärker ein.

Es gibt zur neuen Runde einige Veränderungen. So wird zum Beispiel der Videobeweis eingeführt und während der Hauptrunde stehen sich in der Verlängerung nur jeweils drei Feldspieler gegenüber. Was halten Sie davon?

Der Videobeweis ist super, das haben wir gebraucht. Das ist sehr gut. Und drei gegen drei wird ein Spaß für die Zuschauer. Es geht hin und her, Offensiveishockey. Man kann sich keine Fehler erlauben.

fragen von karl-heinz ullrich
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