Interview
Ludwigsburg | 30. November 2016

Der Weltmeister tritt künftig kürzer

Aufhören, wenn’s am schönsten ist. Genau das hat Marc Lieb getan. Vor 18 Jahren qualifizierte sich der Ludwigsburger bei Porsche als Werksfahrer. Seitdem hat er sechs Gesamtsiege bei internationalen 24-Stunden-Rennen erzielt. Dieses Jahr krönte er seine Laufbahn mit dem Sieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans und dem Gewinn des Fahrertitels in der Fia-Langstrecken-Weltmeisterschaft in Bahrain.

Marc Lieb blickt nach seiner Rennfahrer-Karriere optimistisch in die Zukunft. Foto: Susanne Roeder
Marc Lieb blickt nach seiner Rennfahrer-Karriere optimistisch in die Zukunft. Foto: Susanne Roeder

Ludwigsburg. Jetzt beendet der zweifache Familienvater mit 36 Jahren seine aktive Karriere als professioneller Rennfahrer, der gelernte Ingenieur bleibt bei Porsche aber weiter unter Vertrag.

Marc Lieb, Sie hören auf. Tut scheiden weh?

Marc Lieb: Ja klar, fünf Jahre gemeinsame Arbeit, zwei davon intensive Aufbauphase, drei Jahre Rennenfahren. Das schweißt zusammen. Es war eine tolle Zeit.

Was kommt danach?

Ich übernehme im neuen Jahr eine wichtige Aufgabe im Kundensport. Porsche-Kunden kaufen auch Rennautos, und die müssen betreut werden. Details werden in den nächsten Wochen noch genauer fixiert.

Sie bleiben dem Rennsport also in gewisser Weise erhalten?

Ja, es ist ein schöner Übergang. Ich werde mit Sicherheit noch das eine oder andere Rennen fahren, aber nicht mehr auf dem Niveau, wie ich es die letzten fünf Jahre betrieben habe.

Wie waren diese fünf Jahre?

Äußerst intensiv. Letztendlich habe ich mich nur auf den Sport konzentriert. Als im Jahr 2011 verkündet wurde, dass Porsche zurückkehrt in die Langstreckenweltmeisterschaft, sagte ich mir: Ich will versuchen, ob ich es schaffe, in diesen Kader reinzukommen. Als das gelang, habe ich dafür alles andere zurückgestellt. Ich hatte jetzt drei wundervolle Jahre mit einem super Abschluss – Le-Mans-Sieg und Weltmeisterschaft. Das ist die absolute Krönung. Besser wird’s nicht mehr werden.

Ihre Familie wird sich auch freuen, wieder mehr von Ihnen zu haben.

Absolut. An den Wochenenden werde ich wieder zu Hause sein. Die Familie hat mich in den letzten Jahren unheimlich unterstützt und auf vieles verzichtet. Nun möchte ich möglichst viel zurückgeben und freue mich auf mehr Zeit mit meinen Jungs auf dem Hockeyplatz.

Als Weltmeister eilen Sie davor von einem Termin zum nächsten. Auf der Essen Motor Show gab’s am vergangenen Freitag ja schon eine Ehrung.

Ja, auf der Race Night habe ich in Essen den Preis „Sportwagenfahrer des Jahres“ erhalten und unser Teamleiter Fritz Enzinger bekam den Sonderpreis ‚Fairness‘. Am Freitag sind wir in Wien bei der Fia-Gala, wo alle Automobil-Weltmeister geehrt werden.

Da treffen Sie dann auf einen weiteren frischgebackenen deutschen Weltmeister in der Formel 1, Nico Rosberg.

Genau, das wird klasse. Bis Weihnachten stehen viele Termine an. Vor der Fia-Gala haben wir am Donnerstag unsere teaminterne Weihnachtsfeier. Dann geht’s nach Wien und am Samstag wie jedes Jahr nach Weissach zur Porsche Night of Champions.

Da werden traditionell die neuen Werksfahrer und Fahrerpaarungen genannt.

Ja, das ist immer spannend. Gleich am Sonntag bin ich dann in London auf der Autosport Awards Gala – eine altehrwürdige Veranstaltung, auf der jedes Jahr die besten Motorsportler geehrt werden. Wir bleiben dann gleich in London, weil wir am Montag noch eine Auszeichnung vom ältesten Rennfahrerclub der Welt, dem BRDC (British Racing Drivers’ Club) bekommen. Dann ist der Feiermarathon erst mal vorbei.

Sie, Mark Webber und Romain Dumas hören auf. Es kommen drei neue Fahrer. Können Sie uns schon etwas verraten?

Es wird auf alle Fälle wieder eine schlagkräftige Truppe, die nun zusammengestellt wird. Nur so viel: Zwei Fahrer kommen aus unseren eigenen Reihen und noch ein externer Pilot.

Dass Audi aussteigt aus der WEC und kein weiterer Hersteller einsteigt, ist bitter. Wie sehen Sie’s?

Klar, es ist ein Verlust. Ich bin aber sicher, dass die WEC sich erholen wird. Bis 2018 ist ja das Reglement eingefroren worden, um die Kosten zu senken. Auch wenn jetzt eine schwierige Zeit kommt: die Serie wird nicht sterben. Langweilige Rennen wird’s auf gar keinen Fall geben.

Fragen von susanne Roeder
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