Als Dritter in die Winterpause
21. Dezember 2016

Hertha besiegt Darmstadt 2:0 - Gedenken an Anschlags-Opfer

Nach dem Anschlag von Berlin versucht Hertha BSC den Spagat zwischen Anteilnahme und dem Fokus auf das Sportliche. Plattenhards Standards bringen gegen Darmstadt die Punkte und Platz drei.

Berlin (dpa) - Hertha BSC geht mit einem Sieg in die Winterpause. Der Hauptstadtclub gewinnt mit einem spektakulären Freistoßtor von Marvin Plattenhardt (57. Minute) und einen Kopfballtreffer von Salomon Kalou (66.) im letzten Bundesligaspiel 2016 gegen Schlusslicht Darmstadt 98 2:0 (0:0).

Damit rückt das Team von Trainer Pal Dardai in der Tabelle an Hoffenheim vorbei auf Platz drei, Darmstadt ist mit acht Zählern am Tabellenende nun schon abgeschlagen. Die Partie im Berliner Olympiastadion war von dem schrecklichen Anschlag auf dem nur sieben Kilometer entfernten Breitscheidplatz überschattet. Nur 31 912 Zuschauer waren in der kalten Arena dabei.

Dardai freute sich nach dem Schlusspfiff über «verdiente 30 Punkte». Nach 35 Minuten habe sein Team die Geduld verloren und sei ausgekontert worden. «In der zweiten Halbzeit war die Körpersprache besser. Es war ein verdienter Sieg», sagte der Ungar. «Es ist ein stinknormales Ergebnis, dass Darmstadt ein Auswärtsspiel in der Bundesliga verliert. Das Problem ist nur die Summe der Niederlagen», urteilte sein Darmstädter Kollege Ramon Berndroth über die achte Niederlage in Serie.

Im Gedenken an die Opfer wurde auf Musikeinspielungen und laute Ansagen zunächst verzichtet. Während der Gedenkminute am Mittwochabend ließen die Zuschauer im Olympiastadion ihre Smartphones erstrahlen, erst danach starteten die Fußball-Fans ihre Gesänge. Auch beim Einmarsch der Mannschaften gab es nur sehr zurückhaltend Beifall. Die Anzeigetafel leuchtete in schwarz-weiß statt in Farbe. Auf einem Plakat in der Ostkurve mit den Hertha-Anhängern stand: «Berlin bleibt stark».

«Natürlich ist es ein Spagat für alle, auch die Spieler, dass wir die schrecklichen Bilder für 90 Minuten aus den Köpfen kriegen», sagte Manager Michael Preetz am «Sky»-Mikrofon. Wenige Stunden zuvor hatte die Hertha-Mannschaft ein Gesteck mit der Aufschrift «In stiller Trauer» niedergelegt. «Es war uns wichtig, heute da hinzugehen», sagte Preetz. Das Hotel, in dem das Team vor Heimspielen üblicherweise Tageszimmer bezieht, liegt in unmittelbarer Nähe des Anschlagsorts.

Beide Teams bestritten die Partie mit Trauerflor. Das Umschalten auf den Sport gelang den Gastgebern nur schwer. Die Berliner mussten auf die verletzten Mitchell Weiser, John Anthony Brooks und Sebastian Langkamp verzichten und vergaben in der Startphase einige Torgelegenheiten. Die Gäste mit ihrem Interimstrainer Berndroth, der nun seinen Stuhl als Chefcoach wieder räumen wird, witterten ihre Chance. Über den agilen Marcel Heller startete Darmstadt freche Gegenzüge.

Ein Schuss von Mario Vrancic (30.) wurde noch von Niklas Stark ins Aus abgefälscht. Kapitän Aytac Sulu köpfte zweimal nur knapp über das Berliner Gehäuse. Und Jan Rosenthal traf freistehend aus sechs Metern den Ball nicht richtig (39.) - das hätte die Führung für die Gäste sein müssen. Die Darmstädter, die nun schon acht Ligaspiele nacheinander verloren haben, störten die Offensivaktionen der Berliner lange wirkungsvoll.

Plattenhardt gab mit seinem zweiten Saisontor dem Spiel dann eine andere Richtung. Nach einem Foul des Ex-Berliners Peter Niemeyer an Vedad Ibisevic hämmerte der Linksverteidiger den Ball aus 28 Metern ins rechte obere Eck. Schon seinen ersten Saisontreffer hatte Plattenhardt beim 3:2-Sieg der Hertha in Wolfsburg mit einem direkt verwandelten Freistoß erzielt. Danach hätte Kalou mit einem Kopfball die Partie schon endgültig entscheiden können. Nach einer Freistoß-Vorlage von Plattenhardt köpfte der Ivorer dann zu seinem fünften Saisontor ein. Danach verdiente sich Hertha den Sieg mit weiteren guten Chancen. Es war der siebte Berliner Heimsieg im achten Heimspiel.

Hertha-Tweet zu Besuch am Anschlagsort

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