„In dieser Situation müssen wir alle erst recht anfangen zu kämpfen“, appelliert der 43-jährige ehemalige Profi an „den Verein, die Öffentlichkeit, die Stadt und nicht zuletzt an die vielen namhaften Firmen in der Region“, sich für den Zweitligaklub auch in Zukunft „mit aller Kraft nachhaltig“ einzusetzen.
Nach dem Rückzug des Sportdirektors Michael Komma, der als Grund für seine Demission zum 30. April vorgestern resigniert davon gesprochen hatte, Zweitliga-Eishockey bei einem um mehr als die Hälfte reduzierten Etat auf dem bisherigen Niveau nicht weiter gewährleisten zu können (wir berichteten), hielten sich die Verantwortlichen gestern überaus bedeckt. „Momentan kein Kommentar“, ließ der Geschäftsführer der Steelers GmbH, Volker Schnabel, über seine Mitarbeiterin verlautbaren.
In seiner Sitzung vorigen Mittwoch hatte der Steelers-Aufsichtsrat das vorläufige Budget für die neue Saison festgelegt und der sportlichen Leitung ein deutlich reduziertes Spielerbudget freigegeben.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe vor allem die Steelers-Sponsoren im Bereich Automobil stark getroffen. Der Beitrag des Hauptsponsors Porsche und anderer großer Sponsoren habe zu einer Halbierung des Gesamtetats der Steelers für die Saison 2010/2011 geführt. Vier Unternehmen aus der Automobil-Zulieferindustrie und ein Bankinstitut zogen sich zudem aus dem Sponsoring komplett zurück, was selbst durch die Neugewinnung von 40 kleineren und mittleren Sponsoren nicht kompensiert werden konnte.
Trotz des notwendigen Neuaufbaus halten aber die Verantwortlichen an ihrer Vision fest und wollen wieder eine Topmannschaft formieren. Gemeinsam will man aktiv bleiben, um Spielerverpflichtungen zu ermöglichen und damit den Abstiegskampf in der 2. Bundesliga zu vermeiden.
Während sich Aufsichtsratschef Gerhard Kaufmann bei der sportlichen Leitung bedankte (Kaufmann: „Wir hatten zwei Superjahre – Meisterschaft 2009 und dieses Jahr unter den ersten vier Mannschaften – das ist ein Topergebnis!“), geht der gelernte Mittelstürmer Brittig dagegen auch in Sachen Sportdirektor in die Offensive.
„Ich werde alles darum geben, dass Komma bleibt“, wirft der gebürtige Landshuter persönlich viel in die Waagschale, um seinen Landsmann aus Bayern, der ihn einst als Trainer der Düsseldorfer Metro Stars aus den Niederungen der Oberliga zu dem Vorzeigeverein der DEL gelockt hatte, zu halten.
Brittig nennt vor allem zwei Triebfedern, die ihn zu diesem bemerkenswerten Appell veranlassen. Erstens habe er als Spieler selbst oft genug in scheinbar auswegloser Situation gesteckt und ungewöhnliche Auswege finden müssen. Und zweitens sei er es als Angestellter des Vereins seinen Spielern, aber auch den Zuschauern nach erfolgreichen Jahren schuldig, nicht einfach untätig aufzugeben.
„In Bietigheim besteht das Potenzial für erstklassiges Eishockey“, sagt der Mann, der sich selbst als „Idealisten“ bezeichnet. Er sei überzeugt, dass die Region stark genug sei, mit Blick auf die Konkurrenz „sicher stärker als Crimmitschau, Bremerhaven oder Landshut“ (Brittig).
Dass die Steelers und ihr Umfeld sich nun an den eigenen Haaren aus dem Schlamassel ziehen müssen, sieht Brittig als Gesamtaufgabe. „Mit Porsche im Rücken war der Erfolg ein Selbstläufer, jetzt müssen wir mit geballter Power das Problem selbst in die Hand nehmen“, möchte er obendrein das Bewusstsein stärken, wie wichtig eine zweite Eisfläche ist, denn nur damit sei „eine qualitativ einzigartige Sportausbildung für unsere Kinder gewährleistet“.
Gerüchte, dass auch er selbst den Verlockungen aus Hamburg erliegen könnte und im Doppelpack in die DEL zu den Freezers wechseln könnte, erteilt Brittig ebenso wie sein Kumpel Komma am Tag zuvor eine Absage: „Aber wenn es stimmt“, so Brittig, „dann wäre das natürlich eine riesige Auszeichnung und ein weiteres Zeichen, wie sehr unsere Arbeit in Bietigheim geschätzt wird.“
