
Französische Schützenhilfe für SGi

Ludwigsburg. Darauf sind die Hohenecker stolz: Céline Goberville – 26 Jahre alt, Silbermedaillengewinnerin mit der Luftpistole – wird bis mindestens kommenden Januar die Schützengilde Ludwigsburg in der Bundesliga Süd unterstützt.
„Ich hoffe sehr, der Mannschaft helfen zu können. Unsere erste Begegnung verlief schon einmal sehr gut“, erzählt die Nordfranzösin. Bezugsperson ist die Hohenecker Schützin Julia Hochmuth, die ihr vom Verein erzählte und sie nach Ludwigsburg einlud. Goberville hat die SGi bereits erstmals besucht, nächsten Monat steht dann ihre Premiere bei der Gilde an.
Für die Hohenecker ist diese Verstärkung ebenso gewaltig wie unverhofft – aus zweierlei Gründen. Zum einen hat Goberville eine ganz schön weite Anreise. Sie kommt aus der Region Picardie nördlich von Paris, genauer gesagt aus der 34 000-Einwohner-Stadt Creil, deren Schützenverein sie natürlich angehört.
Selbst wenn sie die Strecke Paris-Stuttgart mit dem Flugzeug bewältigt, muss die Schützin für ihre Fahrten nach Hoheneck regelmäßig – hin und zurück – acht Stunden Reisezeit auf sich nehmen. Immerhin: Normalerweise wird sie von ihrem Trainer begleitet, einem ebenfalls passionierten Sportschützen. Da er zudem auch noch ihr Vater ist, ergibt sich eine besondere Konstellation, die die beiden jedoch mit Humor nehmen. Entsprechend auch der nicht ganz ernst gemeinte O-Ton ihres Mentors: „Sie hat keine Chance zu entkommen – ich bin immer da!“
Bemerkenswert ist auch, dass Céline Goberville schon auf deutlich höherer Ebene geschossen als sie es künftig für die Schützengilde tun wird. Seit langem schon tritt sie bei großen Wettkämpfen auf der ganzen Welt an. Auch in Deutschland hat sie bereits bei internationalen Turnieren geschossen, traf dabei auf namhafte Gegner.
Der aufregende Tag bei
den Olympischen Spielen
Das Engagement bei der Schützengilde stellt eine ganz neue Erfahrung für die Schützin dar. Sie ist hochmotiviert, die Erlebnisse des Sommers haben ihr neuen Schwung gegeben. Die olympische Silbermedaille in London bedeutete den bisherigen Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere. Beim 75-minütigen Wettkampf mit der Luftpistole (10 m Distanz) gab jede Teilnehmerin 40 Schuss ab.
Goberville erinnert sich: „Es war ein aufregender, natürlich auch ganz besonderer Tag für mich – meine erste Olympiateilnahme! Am Ende lag Guo vorne, aber ich war trotzdem hochzufrieden.“ Die Chinesin hatte auch schon 2008 in Peking Gold bei ihrem Heimspiel Gold geholt.
Auch diesen Monat steht für die Schützin nun wieder ein Championat internationalen Formates an, diesmal im fernen Thailand. Diese Reise, die sie in die Landeshauptstadt Bangkok führen wird, fällt sehr zum Leidwesen der Hohenecker genau auf deren ersten Wettkampf in der Bundesliga. Umso fester eingeplant sind die restlichen Termine mit der Ludwigsburger Mannschaft.
Internationale Turniere, Weltmeisterschaften, Olympia-Silber – was begeistert sie, was gibt ihr das Schießen? „Für mich gab es eigentlich von klein auf quasi nichts anderes. Ich komme aus einer richtigen Schützenfamilie“, grinst Céline. Neben dem Vater war auch schon ihre Mutter mit der Luftpistole aktiv. Im zarten Alter von neun Jahren trat sie in den ortsansässigen Verein ein. Damit begann ihre nunmehr 17 Jahre andauernde, mittlerweile sehr erfolgreiche Karriere.
„Schießen schult ungemein. Die Psychologie spielt eine essentielle Rolle, das gibt es so in kaum einer anderen Sportart. Man muss lernen, seine Emotionen zu kontrollieren, äußerem und innerem Druck standzuhalten. Das ist manchmal schon eine Herkulesaufgabe“, beschreibt die hübsche Französin ihren Sport. Und steigert damit natürlich noch die Erwartungen auf dem Kugelberg.