TSV Münchingen hat den Ligaverbleib vor AugenSachsenheim. Allzu lange ist es noch nicht her. Da holten deutsche Athleten im Sommer 66 Medaillen in London, 18 davon in Gold. Die Rede ist aber nicht von den Olympiasportlern – die waren mit elf Goldmedaillen nicht so erfolgreich – sondern von den Behindertensportlern bei den Paralympics. Fünf aktuelle und ehemalige Behindertensportler waren am Dienstagabend zu Gast beim 12. Sporttalk der SportRegion Stuttgart in Sachsenheim: Jochen Wollmert (Tischtennis), Maria Kühn (Rollstuhlbasketball), Matthias Berg (Leichtathletik und Skisport), Hannelore Brenner (Pferdesport) sowie Thomas Nuss (Leichtathletik) diskutierten mit Moderatorin Valeska Homburg.
Die Paralympics liefen so gut wie nie, hob Homburg hervor. Von einem „Quantensprung“ im Vergleich zu 1988 sprach Thomas Nuss. Damals war er als Diskuswerfer und Kugelstoßer noch selbst aktiv. Inzwischen ist er Teammanager der deutschen Leichtathleten. Mit dem Quantensprung meinte er nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit und den Erfolg der deutschen Medaillensammler. Die Leistungen werden immer besser, der Sport immer professioneller, sagte er.
Mit einigen Schwierigkeiten haben die Athleten aber zu kämpfen. Stichwort: Zeit. Die rennt ihnen nämlich öfters mal weg. Nur ein Bruchteil der Behindertensportler verdient sein Geld allein mit dem Sport. Für Jochen Wollmert ist das allerdings kein Problem. Schon lange switcht der Tischtennisspieler zwischen Vollzeitjob und Sport hin und her. Spektakuläre Ballwechsel auf der Tischtennisplatte sind trotz der Versteifung seiner Handgelenke nichts Ungewohntes für ihn. Nur von ihnen zu leben, würde ihm aber keinen Spaß machen. „Ich brauche den geistigen Input, den mir mein Beruf gibt“, sagt er. Der 47-Jährige ist Pressesprecher einer Krankenkasse und nimmt den Stress einer 60-Stunden-Woche gerne in Kauf.
Maria Kühn zieht es für den Basketball dreimal wöchentlich von Stuttgart, wo sie arbeitet, nach Frankfurt, wo sie spielt (siehe Extra-Geschichte). Hannelore Brenner würde das vielleicht auch auf sich nehmen. „Ich möchte nicht nur Sportlerin sein“, sagt die 49-jährige Diplom-Betriebswirtin. Brenner kann nur mit der Hilfe von Stöcken laufen, auf dem Pferd aber lässt sie die Konkurrenz weit hinter sich. Der Beweis: Bei den Paralympics in London holte sie zweimal Gold und einmal Silber.
Mit dabei in London war auch Matthias Berg. In seiner Trophäensammlung hängen 27 Medaillen aus mehreren Turnieren. In diesem Jahr stand der Contergangeschädigte allerdings als Experte vor der Kamera. Da drängt sich ein Vergleich mit einer Fußball-Ikone auf, die nach der erfolgreichen Karriere ebenfalls Fachmann für das Fernsehen wurde: Ein Torwart, der als „Titan“ gefeiert wurde – und so sagt Matthias Berg: „Ich bin der Oliver Kahn der Kassenpatienten.“
Ein Preis, auf den Wollmert besonders stolz ist, ist übrigens keine Siegermedaille, sondern ein Fair-Play-Preis. Er gab im Finale seinem Gegenspieler den Ball zurück und korrigierte damit eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter. Nach dem Spiel tröstete er als Sieger noch seinen Kontrahenten und holte sich die Sympathien der Fans. „Im Finale gibt es leider nur einen Sieger.“




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