TSV Münchingen hat den Ligaverbleib vor AugenLudwigsburg. Richter Dr. Steffen Hrubesch machte beiden Parteien einen Vergleichsvorschlag zur vorzeitigen Auflösung des Dreijahresvertrags, der bis Ende der Saison 2012/13 läuft. Er gab den Kontrahenten die Zahl von „45 000 bis 50 000 Euro“ mit auf den Weg und empfahl einen außergerichtlichen Vergleich, der in den nächsten zwei Wochen angestrebt werden soll.
Kommt es zu keiner Einigung, wird eine Kammerverhandlung angesetzt, in der alle Fakten auf den Tisch gelegt werden. Es wird dann untersucht, ob die Kündigung Greens durch den Verein rechtens war oder ob dem Spieler der volle Betrag des ihm vertraglich zustehenden Gehalts bezahlt werden muss. Richter Hrubesch wies ausdrücklich darauf hin, dass dabei nach deutschem Recht eine Partei obsiegt und die andere völlig leer ausgeht. Letzteres kann sowohl den Neckar Riesen als auch dem Basketballer drohen.
In der Verhandlung unterstrich Jürgen Krasky, der Anwalt von Green, dass die Fitnesswerte seines Mandanten der Jahre 2010 und 2012 exakt identisch und damit die Vorwürfe des Vereins nicht zutreffend seien. Insgesamt belaufen sich die Forderungen des Spielers und seines Beraters Ben Pensack laut Anwalt auf rund 140 000 Euro.
Der Vorsitzende der Neckar Riesen, Alexander Reil, legte dar, dass Pensack bereits im Mai den Spieler anderen Klubs angeboten habe. Da der Verein mit dem „insgesamten Fitnesszustand“ nicht zufrieden gewesen sei, habe man dem Profi und seinem Agenten eine Abfindung in Höhe von 48 000 Euro für die Beendigung des Vertrags angeboten. Zu dieser Einigung kam es jedoch nicht.
Nach einer kurzen Verhandlungspause legten beide Parteien neue Zahlen auf den Tisch. 60 000 bis 70 000 Euro lautete die Forderung der Green-Seite. Der Verein ist laut Anwältin Dr. Anja Euler bereit, 25 000 Euro zu zahlen. Aus diesen Summen leitete der Richter seinen Kompromissvorschlag ab, der nun zu einer Lösung führen soll.
Der Konflikt zwischen Green auf der einen und der sportlichen Leitung bzw. Vereinsführung auf der anderen Seite schwelt schon seit zwei Jahren. Auch der mit dem Spielmacher im Jahr 2010 nach Ludwigsburg geholte Trainer Markus Jochum mahnte mehrfach klarere spielerischer Impulse und Führungsqualitäten an. Immerhin verfehlte Ludwigsburg 2011 erst am letzten Spieltag die Play-offs.
In der vergangenen Saison wurde Green durch zwei Verletzungen (Sprunggelenk/Oberschenkelzerrung) weit zurückgeworfen. Der für den entlassenen Jochum zum Coach berufene Steven Key verbannte Green im Frühjahr 2012 aus dem Team und führte Ludwigsburg zum Klassenerhalt.
Als der mit Abstand bestbezahlte Spieler in der Ludwigsburger Bundesliga-Geschichte auch bei einem im Juli angesetzten Sondertraining nach Darstellung des Vereins noch keine Fortschritte vorweisen konnte, suchten die Neckar Riesen nach einem Weg zur vorzeitigen Beendigung des Dreijahresvertrags.
Am 28. August wurde Green fristlos gekündigt. Als Ursache nannte der Bundesligist „die Testergebnisse der vertraglich vereinbarten orthopädischen und internistischen Checks am 17. August 2012“. Vehementer Protest der Fans folgte, die den Rauswurf des Publikumslieblings nicht nachvollziehen konnten.
Green selbst fühlte und fühlt sich nach eigenen Angaben fit für die Basketball-Bundesliga. Er wiege nicht 97 Kilo, wie der Verein behaupte, sondern nur 92 Kilo, erklärte der 32-Jährige kürzlich.
Bei einer Pressekonferenz am 31. August in der Geschäftsstelle der Neckar Riesen gab Vorsitzender Alexander Reil die Kündigung bekannt, die auch einen Ausschluss „von allen Veranstaltungen des Vereins“ beinhaltet. Als Green am 3. Oktober eine Eintrittskarte für das erste Saisonspiel gegen Frankfurt erwarb, wurde ihm von einem Security-Mann erklärt, dass ihm der Zutritt zur MHP- Arena untersagt sei. Durch einen Seiteneingang schlich sich der Profi doch in die Halle. Jetzt muss Green auch noch mit dem Vorwurf der Verletzung des Hausverbots rechnen.
Dass die einstige Liebesbeziehung zwischen Ludwigsburg und Basketball-Star Jerry Green auf solche Weise enden würde, hätte niemand für möglich gehalten.




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