Wenn sie unter sich sind, schmatzen und spucken sie. Für Sommeliers ist Wein mehr als ein gut schmeckendes Getränk mit berauschender Wirkung. Christina Schillinger aus Affalterbach gehört zu den Menschen, die das Schmecken zu ihrem Beruf gemacht haben. Als Expertin der Ludwigsburger Kreiszeitung verrät sie in der Kolumne (W)einmaleins Wissenswertes rund um den Rebensaft.
Als Weinkenner verstehen sich viele Menschen. Doch wie wird man Sommelier? „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, verrät Christina Schillinger. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren besuchte sie immer wieder Blockseminare in der Deutschen Sommelierschule in München, lernte Theorie und Praxis – angefangen vom Weinanbau, über die Produktion bis hin zur Praxis. Sie war viele Jahre als Übersetzerin für Englisch und Französisch tätig, später leitete sie die Unternehmenskommunikation in einer großen Firma. Heute übersetzt sie die Sprache des Weines und die vielen Aromen des Duftalphabetes.
Ein Sommelier sollte nicht nur erkennen, was er im Glas hat, sondern vor allem andere Menschen bei der Auswahl des für sie passenden Weines beraten. „Er ist in einem Restaurant nicht nur für den Wein, sondern ebenso für alle anderen Getränke zuständig – angefangen vom Wasser bis zu Spirituosen“, so die Expertin. Wasser ist nämlich noch lange nicht gleich Wasser: „Zum Wein passt am besten ein möglichst neutrales Wasser ohne Eigengeschmack“. Alles andere verderbe die Geschmackssinne. Kohlensäure verstärke zudem den Eigengeschmack des Wassers.
Schier undurchschaubar ist die Vielfalt an Weinen, die angeboten wird. Dem Laien fällt es schwer, sich zu entscheiden, wenn er vor einem Regal mit Weinflaschen steht. „Es ist schwierig, nach Etikett zu kaufen“, so Schillinger. Sie empfiehlt dort einzukaufen, wo die Weine verkostet werden können, also im Weinfachhandel oder direkt beim Winzer, der den Wein anbaut und produziert. Und die befinden sich hier quasi vor der Haustüre.
Gerne begibt die Expertin sich auf Entdeckungsreise in der Region, aber auch in den klassischen Weinländern wie Frankreich, Italien und Spanien. Sie ist jedes Mal begeistert, wenn sie auf eine Neuentdeckung stößt. Ob Weinhandel oder Winzer: „Berührungsängste sind unbegründet“, versichert Christina Schillinger. Natürlich hat Qualität ihren Preis. Für einen einfachen Sommerwein muss man aber nicht in die 15-Euro-Kiste greifen“, sagt sie. Einen anständigen Wein dürfe man schon ab vier Euro erwarten. Für welchen Wein ihr Herz schlägt, kann sie nicht so einfach beantworten.
„Es gibt so viele Weine“, sagt sie. Im Sommer trinke sie mehr Weiß, im Winter mehr Rotweine. „Ich mag Weine gerne zu Essen, deshalb sollten sie für mich nicht so dominant sein“, so die Expertin. Europäische Weine kommen ihr deshalb sehr entgegen, Importe aus Übersee seien ihr mit 14 Prozent Alkoholgehalt und mehr zu wuchtig. Aber das ist halt Geschmackssache.
Um das Schmecken dreht es sich in den Seminaren, die Christina Schillinger anbietet. Wenn sie Basiswissen vermittelt, bietet sie etwa zehn verschiedene Weine zur Verkostung an. Sie organisiert aber auch thematische Seminare, zum Beispiel über das Zusammenspiel von Schokolade und Wein oder rückt Rebensäfte bestimmter Regionen in den Fokus. „Spanien und Portugal haben viel zu bieten“, ist sie überzeugt.
Vermeintliche Weinexperten, „die in der linken Backentasche einen Hauch von Boskop herausschmecken“, findet die Sommeliere eher lächerlich. „Sensorik ist eine Fähigkeit, die jeder lernen kann“, ist sie fest überzeugt. Voraussetzung sei nur, mit offener Nase durch die Welt zu gehen. Viele Gerüche der Natur, wie der einer frisch gemähten Wiese, aber auch erdige, lehmige Noten wie bei einem Regentag im Wald, finden sich auch in einigen Weinen wieder.
Öfter mal bewusst zu riechen, das ist für die Expertin wichtig. Welche Rebsorte sie im Glas hat, kann sie mühelos erschnuppern und schmecken. Aromen sind mit Erinnerungen verknüpft. Florale Noten könnten vor allem Menschen besser wahrnehmen, die in ihrer Kindheit oft in der Natur gewesen sind. Ein Sensorikteil gehört zu jedem Weinseminar mit Christina Schillinger dazu. „Es gibt kein richtig und kein falsch“, so die Expertin.
Will ein Laie bei einer Verkostung Eindruck schinden, empfiehlt sie Folgendes: Die Nase ins gefüllte Weinglas halten, bedeutungsvoll schnuppern und feststellen, dass sich die Aromen von Apfel, Birne und einem Hauch Zitrone darin befinden. „Das trifft auf 80 Prozent aller Weißweine zu“, so die Expertin.
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