

Fasziniert schaut Ricardo auf das Wesen, das seine Form so schnell verändern kann. Mal zieht es sich zusammen und sieht aus wie ein Knubbel, dann streckt es sich in die Länge und gleicht einem Wurm.
Maria Christ weiß, um wen es sich bei dem kleinen Gefangenen in dem Plastikgefäß handelt. „Das ist ein Egel“, erklärt sie den Kindern, die neugierig auf den Flussbewohner schauen. Er mag es dunkel. Der Egel hielt sich unter einem Stein am Flussufer versteckt, bis ihn Ricardo mit einem Kescher gefangen hat. Dass er den Kindern eine Weile als Anschauungsobjekt dient, schadet ihm nicht. Er ahnt nicht, dass seine Anwesenheit einen Beitrag dazu leistet, den Kindern einen Eindruck von der Vielfältigkeit des Lebens am Neckar zu vermitteln.
Im Rahmen des Projektes „Von Fischen und Frachtern“ ermöglicht die Stadt Ludwigsburg Gruppen aus Kindergärten und Grundschulen, die Tier- und Pflanzenwelt am Neckar spielerisch zu erleben. Aus dem Kindergarten an der Oberen Marktstraße sind zehn Kinder in Begleitung der Erzieherinnen Priska Schweißer und Ingeborg Günther sowie Mutter Elke Huber zur Schiffsanlegestelle in Hoheneck gekommen. „Die Kinder erhalten Anregungen und erleben die Natur“, verweist Ingeborg Günther auf zahlreiche Ausflüge, die den Kindergartenalltag auflockern.
Die Naturwiese zwischen der Straße und dem Neckarufer steht in schönster Blüte. Dort wachsen Pflanzen in vielen unterschiedliche Farben. „Das erinnert ein wenig an die Farben des Regenbogens“, findet Maria Christ, Diplom-Pädagogin aus Ludwigsburg. Welche Farben ein Regenbogen hat, wissen die Fünf- bis Sechsjährigen schon. Gekonnt bringen sie die farbigen Papierstreifen, die Maria Christ mitgebracht hat, in die richtige Reihenfolge.
Dann strömen sie aus, um Blumen im Zeichen des Regenbogens zu sammeln. Blätter vom Rotklee, weiße Margeriten, grüne Grashalme, gelber Löwenzahn und blauer Wiesensalbei werden auf eine Pappscheibe geklebt. Blumen sind aber nicht nur hübsch anzusehen, sondern schmecken auch gut.
Maria Christ hat zu dem Ausflug einige gebutterte Baguettescheiben mitgebracht, die belegt werden wollen. „Rotklee ist ein gutes Futter für Rinder und Schafe“, erklärt Maria Christ den Kindern. Auch Wiesensalbei ist durchaus ge-nießbar. „Manche Pflanzen sind allerdings giftig“, warnt die Biologin. Damit es nicht zu Verwechslungen mit dem gelben Hahnenfuß kommt, werden an diesem Vormittag keine gelben Blumen gesammelt. Gänseblümchen können dagegen bedenkenlos verzehrt werden. Wenige Minuten später ist das Wiesenrestaurant eröffnet, dort werden bunte Blütenbrote serviert. „In den Pollen steckt konzentrierte Lebenskraft“, so Maria Christ.
Den Kindern schmecken die bunt belegten Brote. So gut gestärkt kann der nächste Teil der Exkursion beginnen. Und der führt zum Neckarufer. Vorsorglich haben die Kinder Matschhosen und Gummistiefel angezogen.
Laura ist die Erste, die Bekanntschaft mit dem kühlen Nass macht. Nur gut, dass die Erzieherinnen Ersatzstrümpfe eingepackt haben. Die kleinen Forscher werden mit Keschern und Lupengläsern ausgestattet. So lässt sich der Fang später prima begutachten. „Die Wasserbewohner haben keine Lungen, sondern atmen durch die Kiemen. Indem Fische und andere Wassertiere Wasser durch die Kiemen ziehen, nehmen sie den darin enthaltenen Sauerstoff auf“, so die Biologin.
Doch zunächst ziehen die Schwäne, die sich sanft von der Strömung des Neckars treiben lassen, das Interesse der Kinder auf sich. Maria Christ weiß, wo sich Egel, Laufkäfer oder Larven befinden und hilft den Kindern bei der Suche nach Forschungsobjekten. Und so landen einige Exemplare in den durchsichtigen Plastikbechern. Am Ufer werden die Funde gesammelt und näher untersucht.
Shuzo scheint fast ein wenig traurig darüber zu sein, dass er den quirligen Käfer, den er gefunden hat, wieder in die Freiheit entlassen soll. Schließlich gelingt es Maria Christ, den Jungen davon zu überzeugen, dass sich der Sechsbeiner im Neckar wohler fühlt als in seinem Kinderzimmer.
Blumen sammeln im Zeichen des Regenbogens: Wiesensalbei, Rotklee und gelber Hahnenfuß sind nur einige Pflanzen, die am Neckar wachsen.






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