Malediven statt Mallorca
11. August 2012

Weit von der Heimat den Luxus genießen

Die großen deutschen Reiseveranstalter bauen im kommenden Winter ihr Angebot an Fern- und Luxusreisen deutlich aus. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach günstigen Reisen weiterhin hoch.

Die Seychellen sind bei den Reiseveranstaltern gefragt.
Die Seychellen sind bei den Reiseveranstaltern gefragt.
Foto: Thomas Cook

Mit dem Eisbrecher in die Antarktis, mit dem Privatjet durch Afrika oder zum Strandurlaub auf die Malediven: Luxus- und Fernreisen sind im Trend. Das sagen zumindest die großen deutschen Reiseveranstalter.

„Fernreisen boomen“, sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). „Die Welt ist kleiner geworden, die Deutschen reiseerfahrener“, erklärt Tui-Sprecherin Anja Braun. Die Nahziele seien mittlerweile bekannt, jetzt würden die Ziele exotischer.

In den Tui-Winterkatalogen finden Urlauber das größte Fernreiseangebot aller Zeiten. Dasselbe verpricht die Konkurrenz von Thomas Cook und Neckermann. Jeweils fast 3000 Hotels bieten die beiden Veranstalter auf der Fernstrecke – rund 80 Prozent mehr als im vergangenen Winter.

Im Trend liegen vor allem zwei Regionen: die USA und Asien. Tui spricht in Nordamerika von einem Gästeplus von rund 60 Prozent im laufenden Touristikjahr. 370 neue Hotels wurden in den Katalog aufgenommen.

In Asien sind es vor allem die Sonnenziele, die stark wachsen. Thailand kommt bei Tui trotz Flutkatastrophe auf ein Gästeplus von 45 Prozent. Doch auch die Seychellen, die Malediven oder Sri Lanka stehen bei fast allen Anbietern hoch im Kurs.

Geht der Trend zur Fernstrecke zulasten der Kurz- und Mittelstrecke? Dertour spürt diesen Effekt. Die sonst sehr beliebten Regionen in Deutschland wie Nord- und Ostsee würden in diesem Sommer zurückhaltend gebucht. DRV-Sprecher Schäfer glaubt aber, dass daran das bisher mäßige Wetter schuld ist: „Der Trend zur Fernreise geht nicht zulasten anderer Urlaubsregionen, Fernreisen kommen meist noch obendrauf. Die Deutschen verreisen einfach häufiger als früher.“

Fernreisen sind aber nach wie vor ein kleines Segment. Laut dem Tourismusforscher Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa machen sie 6 bis 7 Prozent des Gesamtmarktes aus. Er meldet deshalb leise Zweifel an, ob Fernreisen wirklich ein großer Trend sind: „Bislang hat er sich jedenfalls noch nicht in Zahlen niedergeschlagen.“ Die Zuwächse in absoluten Zahlen seien gering, räumt Schäfer ein. Doch für die Reiseveranstalter seien die Fernstrecken besonders profitabel, kosten sie doch deutlich mehr.

Ein noch kleineres Segment sind Luxusreisen. Auch sie boomen, melden die großen Reiseveranstalter. Die Tui liegt mit ihrer Luxusmarke Airtours beim Umsatz 30 Prozent über Vorjahr, bei Dertour deluxe sind es 20 Prozent. Tui bringt mit Michael Poliza Experiences gleich eine neue Marke an den Start. Dertour vergrößert sein Angebot um rund 60 neue Luxushotels. Selbst klassische Sonne-Strand-Veranstalter wie Thomas Cook und Neckermann bauen das Angebot in diesem Segment um 40 Prozent aus. Neue Zielgebiete sind zum Beispiel Jordanien, Sansibar, Vietnam und Tansania.

Doch was ist überhaupt Luxusurlaub? „Das lässt sich eigentlich nicht richtig definieren“, erklärt Lohmann. Der eine versteht darunter eine exklusive Reise an entlegene Ziele der Welt, der andere einen Aufenthalt im Fünf-Sterne-Hotel mit Butler und Chauffeur.

So haben auch die Veranstalter unterschiedliche Zielgruppen im Blick. Während Thomas Cook die Mittelschicht ansprechen will, sind Angebote von Dertour deluxe oder Tui wirklich etwas für den großen Geldbeutel. So beginnt die billigste Poliza-Reise bei 12 000 Euro.

Das Brotgeschäft der Veranstalter bleibt der klassische Sonne-Strand-Urlaub. Das lässt sich auch daran ablesen, dass Ziele rund ums Mittelmeer in diesem Sommer – mit Ausnahme von Griechenland – zulegen. Peter Fankhauser, Vorstandsvorsitzender der Thomas Cook AG, sieht eine „Polarisierung bei der Nachfrage“ – in Richtung Budgetkäufer sowie in Richtung Luxusreisen. „Die Schere zwischen billig und teuer geht deutlich auseinander“, ergänzt Schäfer.

Michael Zehender
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