15. August 2012

Prinz Philip muss wohl kürzertreten

London (dpa) - Prinz Philip ist ein alter Seemann. Schon als Kleinkind wurde er notdürftig in einer Apfelsinen-Kiste auf einem Schiff von Griechenland nach Großbritannien gebracht. Später ging der Kosmopolit mit Wurzeln in Griechenland, Dänemark und Deutschland zur britischen Marine und machte dort Karriere.

Prinz Philip
Prinz Philip hat gesundheitliche Probleme. Foto: Karel Prinsloo
dpa

Im Alter von 91 Jahren schließlich macht dem erfahrenen Seefahrer ausgerechnet eine vergleichsweise lächerliche Schiffsparade auf der Themse zu schaffen. Bei Regenwetter im Juni zog er sich bei den Feierlichkeiten zum Diamantenen Thronjubiläum seiner Frau eine Blasenentzündung zu - jetzt erlitt er einen Rückfall und ist erneut ans Krankenbett gefesselt. «Reine Vorsichtsmaßnahme», sagt der Palast.

Großbritannien macht sich zunehmend Sorgen um den alten Mann, den das Volk mit der Zeit liebgewonnen hat. Philip, dem in jungen Jahren eher despotenhafte Züge nachgesagt werden, gilt vielen inzwischen als kauziger Haudegen. Seine manchmal politisch nicht ganz korrekten Sprüche sind genauso legendär wie die gespielte Aufregung in den Zeitungen darüber.

Über Weihnachten war Philip, der auch den Titel Herzog von Edinburgh trägt, bereits überraschend ins Krankenhaus gekommen. Ein verstopftes Herzkrankgefäß musste mit einem Stent wieder durchlässig gemacht werden. Damals war Philip vier Tage im Hospital, im Juni folgten fünf Tage Klinikaufenthalt wegen der entzündeten Blase. Nun muss er nach Auskunft des Buckingham-Palastes wieder «mehrere Tage» im Krankenhaus im schottischen Aberdeen bleiben. Es handele sich um eine Einrichtung des staatlichen Gesundheitssystems NHS. Aber auch sein Privatarzt sei bei ihm.

Philip und Queen Elizabeth II. wollen im November ihren 65. Hochzeitstag feiern. Seit mehr als 60 Jahren - dem Tag als seine Frau den Thron bestieg - ist der einstige Karriere-Offizier nur noch Prinzgemahl. Bei offiziellen Anlässen muss er immer ein paar Schritte hinter seiner Ehefrau gehen. Länger als Philip hat noch niemand in der 1000-jährigen Geschichte des Königreichs an der Seite eines Monarchen gestanden. Noch im März würdigte die Königin ihren Ehemann vor aller Augen und Ohren in ihrer Thronrede: «Prinz Philip ist bekannt dafür, dass er Komplimente ablehnt. Aber über all die Zeit war er ständige Stütze und Ratgeber.»

Hof-Kenner in London gehen davon aus, dass der rastlose Senior des britischen Königshauses in den nächsten Monaten die Anzahl seiner öffentlichen Auftritte herunterfahren muss, will er nicht seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Bereits vor fast zwei Jahren hatte Philip angekündigt, er wolle etwas kürzer treten - und kaum Wort gehalten. Zwar gab er offizielle Funktionen wie etwa die Kanzlerschaft der Universität in Cambridge in jüngere Hände. Aber in der Öffentlichkeit zeigte er sich dennoch immer wieder gern.

Am 27. Juli war er noch im Londoner Olympiastadion dabei, als Elizabeth die Olympischen Spiele eröffnete. Kurz darauf sah er seiner Enkelin Zara Phillips zu, als sie in der britischen Equipe der Vielseitigkeitsreiter die Silbermedaille holte. Zuvor war er mit der Queen quer durch Großbritannien gereist, um ihr Thronjubiläum zu begehen.

Seine Krankheiten haben ihm bereits das vergangene, traditionelle Weihnachtsfest gekostet, das die königliche Familie alljährlich in der Privatresidenz Sandringham verbringt. Auch seinen 91. Geburtstag und einen Teil der Feierlichkeiten zum Thronjubiläum konnte er nicht gebührend begehen. Diesmal wird Philip möglicherweise verpassen, wenn seine Gattin am 29. August die Paralympischen Spiele in London eröffnet.

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