31. Juli 2012

Greenpeace: Waldbrände in Russland schlimmer als zugegeben

Moskau (dpa) - Die verheerenden Waldbrände in Russland wüten nach Informationen der Umweltschutzorganisation Greenpeace schlimmer als offiziell angegeben in Sibirien und anderen Teilen des Landes.

Brände in Sibirien
Rauchschwaden steigen aus den brennenden Wälder im Gebiet Tomsk in Sibirien auf. Foto: Yakov Andreev
dpa

«Nach bescheidenen Schätzungen lodern die Feuer auf rund einer Million Hektar Waldfläche», sagte Greenpeace-Waldexperte Alexej Jaroschenko am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Moskau. Das wäre etwa 37 Mal so viel wie von den Behörden angegeben. Jaroschenko berief sich auf US-Satellitenaufnahmen, auf denen die Feuer in der Taiga und anderen Regionen des Landes sichtbar seien.

Greenpeace sprach von einer «Katastrophe». Jaroschenko warf den Behörden vor, das wahre Ausmaß der Feuer zu verschleiern. Er wies die offiziellen Zahlen von etwa 27 000 Hektar Brandfläche als «Untertreibung» zurück. Medien berichteten, dass viele Menschen in den Gebieten weitgehend auf sich allein gestellt seien. Demnach scheuten die Behörden die hohen Kosten für Lösch- und Hilfseinsätze.

Aufgrund der andauernden Hitze- und Dürrewelle korrigierten die Behörden die Prognose für die Ernte in Russland nach unten. Allein bei Weizen seien statt 53 nur noch höchstens 50 Millionen Tonnen zu erwarten, teilten Analysten in Moskau mit. Auch Mais und Gerste seien in Gefahr. Eine magere Ernte hätte Auswirkungen auf den Weltmarkt. Russland ist einer der größten Getreideexporteure. Das Riesenreich benötigt rund 75 Millionen Tonnen Getreide, um die eigenen Speicher zu füllen. Wegen der Hitze- und Dürrewelle gehen Experten aber davon aus, dass 2012 nur etwa 70 Millionen Tonnen geerntet werden könnten.

Vizegesundheitsminister Igor Kagramanjan sagte nach einem Besuch in den besonders betroffenen Gebieten von Tomsk, Krasnojarsk und Kemerowo, dass den Menschen dort geholfen werden müsse. Wegen dichten Rauchs in vielen Orten wies er nach Angaben der Agentur Interfax die örtlichen Behörden an, Studenten von medizinischen Hochschulen zu Sondereinsätzen zu verpflichten. Zudem waren Dutzende Löschflugzeuge und Tausende Feuerwehrleute im Einsatz. Im Raum Krasnojarsk schnitten die Flammen etwa 40 Rettungskräfte von ihren Kameraden ab. «Wir haben aber Funkkontakt mit ihnen», sagte Einsatzleiter Sergej Jermakow.

Forstexperten warnten, dass die Brände sich wegen extremer Hitze und Trockenheit weiter ausbreiteten. Bedroht seien zunehmend auch Flächen im europäischen Teil Russlands. Bei den bislang schwersten Wald- und Torfbränden der russischen Geschichte 2010 vernichtete eine Feuerwalze Tausende Häuser. Dutzende Menschen kamen ums Leben. Damals versank auch die russische Hauptstadt Moskau durch die Torfbrände des Umlandes tagelang in giftigem Smog.

Greenpeace

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