08. Oktober 2012

Wirbel in USA um Telekomfirmen aus China

Peking/Washington (dpa) - Neuer Handelsstreit zwischen China und den USA: Der chinesische Telekomriese Huawei hat amerikanische Vorwürfe zurückgewiesen, wonach das Unternehmen eine potenzielle Gefahr für die USA darstellen soll.

Huawei
Das neueste Huawei-Smartphone Ascend P1 mit Android war auf der Telekommunicationsmesse CummunicAsia 2012 in Singapur zu sehen. Foto: Stephen Morrison
dpa

«Die Sicherheit und Integrität unserer Produkte ist weltweit bewiesen», hieß es am Montag in einer Stellungnahme des zweitgrößten Netzwerkausrüsters der Welt. Das Unternehmen reagierte damit auf US-Medienberichte über die Untersuchung eines Ausschusses des Repräsentantenhauses.

Die Abgeordneten kamen zu dem Schluss, dass Huawei und ZTE - ein anderes chinesisches Telekomunternehmen - «nicht vertraut werden kann, frei von ausländischem staatlichen Einfluss zu sein», wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus dem vorab bekanntgewordenen Bericht zitierte. Beide Unternehmen stellten somit «eine Bedrohung für die Sicherheit der USA und unsere Systeme dar», heißt es in dem Bericht, der am Montag in Washington offiziell vorgestellt werden sollte.

Der Ausschuss empfiehlt, Zusammenschlüsse von Huawei oder ZTE mit amerikanischen Firmen oder Übernahmen zu blockieren. US-Behörden sollten keine Ausrüstung beider Unternehmen benutzen und US-Firmen besser alternative Anbieter für benötigte Telekomausrüstung suchen. Die beiden chinesischen Unternehmen hätten «bekannte Verbindungen zum chinesischen Staat, der der größte Täter in Sachen Cyberspionage gegen die USA ist», zitiert das «Wall Street Journal» den Ausschussvorsitzenden Mike Rogers.

Das größte chinesische Privatunternehmen wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Huawei werde in 150 Ländern weltweit von mehr als 500 Kunden vertraut. Darunter seien viele große Telefonanbieter. In Europa arbeiten etwa die Deutsche Telekom, Vodafone, British Telecom oder Telefónica mit Ausrüstung von Huawei. «Das sind die Fakten - abseits der politischen Tagesordnung», hieß es in einem indirekten Hinweis auf den US-Wahlkampf, in dem China und das Handelsdefizit der USA mit der asiatischen Wirtschaftsmacht eine große Rolle spielen.

Das Geschäft von Huawei in den USA ist mit 1,3 Milliarden US-Dollar 2011 vergleichsweise klein und macht nur rund vier Prozent des weltweiten Umsatzes von 32 Milliarden US-Dollar aus. ZTE soll im vergangenen Jahr nach Presseberichten rund 30 Millionen US-Dollar Umsatz in den USA gehabt haben.

Hintergrund sind die Vorwürfe gegen Huawei, die keineswegs neu sind. Bei einer Anhörung vor dem Ausschuss hatten Vertreter beider Firmen im September bestritten, unter staatlicher Kontrolle zu stehen oder irgendwie mit Militär und Geheimdienst zu kooperieren. «Es wäre ungemein dumm», sagte Vizepräsident Charles Ding, weil eine solche Kooperation das Vertrauen der Kunden untergraben würde. Huawei ist im Besitz seiner Angestellten, von denen 65 000 Anteile halten.

Auch das Außenministerium in Peking kritisierte die erneuten Anschuldigungen: «Wir hoffen, dass der US-Kongress die Wahrheit respektiert und Vorurteile überwindet, um die bilaterale Wirtschafts- und Handelskooperation zu fördern - und nicht umgekehrt», sagte Sprecher Hong Lei vor der Presse in Peking.

Huawei macht 70 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Es ist das erste multinationale Unternehmen aus China, das westlichen Technologiekonzernen auf ihren Heimatmärkten Konkurrenz macht. Weltweit beschäftigt Huawei 146 000 Mitarbeiter. In Europa hat der Telekom-Gigant 7000 Mitarbeiter, darunter 1600 in Deutschland. Der Umsatz in Europa stieg 2011 um 29 Prozent auf 3,75 Milliarden Dollar. Der Anteil am weltweiten Geschäft erreichte 13 Prozent.

Im September hatte Huawei angekündigt, rund zwei Milliarden US-Dollar (1,55 Mrd Euro) in Großbritannien investieren zu wollen. Mit der britischen Regierung hatte das Unternehmen ein Cyber-Security-Zentrum mit amtlich anerkannten, unabhängigen Experten gegründet, die seine Produkte auf ihre Sicherheit testen.

Huawei

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