27. August 2012

Älteste Gliederfüßer in Bernstein entdeckt

Göttingen (dpa) - Die bislang ältesten in Bernstein konservierten Gliederfüßer der Welt hat ein internationales Forscherteam entdeckt. Die Einschlüsse sind 230 Millionen Jahre alt und damit 100 Millionen Jahre älter als die bislang frühesten.

Älteste Gliederfüßer in Bernstein entdeckt
Detailansicht dreier Bernsteintropfen aus den italienischen Dolomiten. Foto: Unversität Padua/ Stefano Castelli
dpa

Das berichten die Wissenschaftler um den Biologen Alexander Roland Schmidt von der Universität Göttingen in den «Proceedings» der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den USA («PNAS»). In den nur millimetergroßen fossilen Harztropfen aus den Dolomiten wurden eine Fliege und zwei Milben gefunden.

Die Forscher hatten rund 70 000 Bernsteinstücke nach Einschlüssen durchsucht. Neben Mikroorganismen und Pflanzenresten entdeckten sie dabei die drei Tiere, die am American Museum of Natural History in New York und im kanadischen Ottawa analysiert wurden. Die beiden Milben aus dem Trias repräsentieren neue Arten - Triasacarus fedelei und Ampezzoa triassica -, die den heutigen Gallmilben sehr ähnlich sind. «Diese Gruppe muss daher wesentlich älter sein als bisher angenommen», erklärt Schmidt in einer Mitteilung seiner Universität zur Studie.

Die Gruppe der Gallmilben (Eriophyoidea) umfasst heute mehr als 3500 Arten, die Tiere verursachen auf ihren Wirtspflanzen oft Wachstumsanomalien (Gallen). Anders als die meisten der heutigen Gallmilben, die sich von Blütenpflanzen ernähren, fraßen die beiden Milben aus dem frühen Erdmittelalter Nadelgehölze - deren Harz ihnen schließlich zum Verhängnis wurde.

«Wir wissen jetzt, dass Gallmilben sehr anpassungsfähig sind», wird Ko-Autor David Grimaldi, Spezialist für fossile Arthropoden am American Museum of Natural History in New York, zitiert. Die beiden Milben lebten 100 Millionen Jahre vor dem Auftreten der Blütenpflanzen. Als diese sich in der Kreidezeit ausbreiteten, änderten die Milben ihre Nahrungsgrundlage und nutzten die dann vorherrschenden Pflanzen.

Den Zweiflügler konnten die Forscher nicht genauer identifizieren, da nur einige Körperteile im Bernstein eingeschlossen und damit erhalten waren.

Uni Göttingen über Alexander Roland Schmidt

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