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Autozulieferer Mahle rutscht noch deutlicher ins Minus

Der Stuttgarter Autozulieferer Mahle ist im Coronajahr noch stärker in die Krise gestürzt. Kein Wunder, dass das angekündigte Stellenabbauprogramm nun auch in Deutschland Fahrt aufnehmen soll.

Autozulieferer Mahle
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Stuttgarter Unternehmens zu sehen. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Der kriselnde Autozulieferer Mahle ist auch wegen eines Einbruchs der weltweiten Autoproduktion 2020 noch stärker ins Minus gerutscht als zuvor. Im Jahr des 100. Firmenbestehens belief sich der Verlust auf 434 Millionen Euro, wie aus den am Dienstag vorgestellten Zahlen des Unternehmens hervorgeht. 2019 hatte der Stuttgarter Konzern ein Minus von 212 Millionen Euro verbucht, im Jahr 2018 war hingegen noch ein Gewinn erwirtschaftet worden.

Im Jubiläumsjahr des 1920 gegründeten Unternehmens sank auch der Umsatz rapide - im Vorjahresvergleich um 18,9 Prozent auf nur noch 9,8 Milliarden Euro. Nimmt man das Jahr 2017 als Maßstab, sind die Erlöse zwischenzeitlich gar um nahezu ein Viertel (23,6 Prozent) eingebrochen. Interims-Konzernchef Michael Frick sagte trotz des drastischen Rückgangs, das Umsatzergebnis sei am Ende «deutlich besser» gewesen als zwischenzeitlich befürchtet.

Das habe nicht zuletzt am starken China-Geschäft gelegen, in dem Mahle seine Umsätze leicht auf 1,3 Milliarden Euro steigerte. Die immense Nachfrage aus China treibt trotz der Corona-Pandemie zurzeit das Wachstum etlicher namhafter Autohersteller und Zulieferer. Im Fall von Mahle milderte die dortige Kauflaune die roten Zahlen in der Gesamtjahresbilanz zumindest etwas ab.

Lange verdiente Mahle sein Geld vor allem mit Filtern, Kolben und Pumpen für den Verbrennungsmotor, doch seit dem verstärkten Umstieg etlicher Autobauer auf die E-Mobilität gilt das nicht mehr als tragfähiges Geschäftsfeld. Arbeitnehmervertreter warfen Mahle zuletzt immer wieder vor, sich zu spät und zu unentschlossen auf die neuen Erfordernisse umgestellt zu haben.

In diesem Zusammenhang ist auch der Abgang des intern und öffentlich in die Kritik geratenen Konzernchefs Jörg Stratmann im März zu sehen. Interimsweise führt nun Finanzchef Frick das Unternehmen, das angesichts der Krise einen harten Sparkurs mit Stellenstreichungen und Werksschließungen einschlägt. Im laufenden Jahr wolle man unter dem Strich wieder einen Gewinn einfahren, sagte Frick.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Mahle Tausende Stellen gestrichen. Im September war bekanntgeworden, dass weltweit weitere 7600 Jobs wegfallen sollen, davon 2000 in Deutschland. Personalchefin Anke Felder sagte dazu nun, inzwischen gebe es eine Einigung mit Arbeitnehmervertretern über die Abbaukonditionen für die deutschen Standorte. Demnach soll ein Abfindungsprogramm aufgelegt werden, das - falls erforderlich - um Arbeitszeitabsenkungen ergänzt werden soll.

Abfindungsangebote an erste Mitarbeiter sollen demnach bereits im Mai rausgehen. Felder sagte, Teil der Vereinbarung mit der Arbeitnehmerseite sei auch eine Beschäftigungssicherung. Für wen diese genau gilt und bis wann sie läuft, ließ sie zunächst offen.

In anderen Weltregionen ist Mahle mit seinen Abbauprogrammen schon deutlich weiter. Ende 2020 waren konzernweit noch rund 72 000 Mitarbeiter tätig - knapp 5000 weniger als Ende 2019.

© dpa-infocom, dpa:210427-99-369864/3

Mahle-Vorstellung auf unternehmenseigener Homepage

Daten zur Mahle-Historie auf unternehmenseigener Homepage