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Wahlen

CDU-Domäne verliert an Glanz

Spötter nennen ihn seiner Form wegen den Bananenwahlkreis. Er schlängelt sich vom Süden über den Westen bis nach Norden, immer am Kerngebiet des Landkreises Ludwigsburg entlang: der Wahlkreis Vaihingen. Er ist seit 2006 gewachsen.

Ludwigsburg. Rechtzeitig vor der Landtagswahl im Frühjahr 1976 hatten sich die Parteien im Landesparlament auf einen Neuzuschnitt der Wahlkreise geeinigt. Notwendig geworden war dies wegen der am 1. Januar 1973 in Kraft getretenen Kreisreform, die neue Grenzen brachte, gleichzeitig die Zahl der Landkreise schrumpfen ließ. So fügten sich Teile der Altkreise Leonberg und Vaihingen, ergänzt um Markgröningen und Schwieberdingen aus dem Kreis Ludwigsburg alten Zuschnitts, zum neuen Wahlkreis mit der Nummer 13.

Landtagswahlkreis 13 VaihingenZum Vergrößern auf das Bild klicken. 

 

Alles Annemarie Griesingers wegen? 1972 gab die Markgröningerin ihr Bundestagsmandat in Bonn auf und zog als Sozialministerin in die neue Landesregierung ein. Als sie vier Jahre später ein Landtagsmandat anstrebte, schien ihr der Wahlkreis inklusive ihrer Heimatstadt wie auf den Leib geschnitten. Ein Schlafwagenwahlkreis sei es, sagten Spötter, weil Frau Minister den im Schlaf hole. So war’s. 53,3 Prozent für die CDU im Jahr 1976 – ein Rekord, der nie gebrochen wurde.

 

Die höchst populäre Annemarie Griesinger blieb acht Jahre im Landtag. Schon als sie 1980 letztmals antrat, sorgte sie für die Nachfolge vor und ließ den Jurastudenten Günther Oettinger zu ihrem Ersatzbewerber küren. Doch bei der Nominierung zur Landtagswahl 1984 gab es mit dem Eberdinger Kreisrat Adolf Allmendinger, Beamter im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium, einen Gegenkandidaten, der dem Ditzinger Stadt- und Kreisrat Oettinger gefährlich nahe kam. Aber Oettinger schaffte es und holte das Direktmandat als Neuling mit fast 49 Prozent der Stimmen. Oettinger blieb dann, vom Wähler insgesamt fünfmal als Landtagsabgeordneter bestätigt, bis 2006 der einzige Vertreter in Stuttgart.

 

Die Kandidaten anderer Parteien scheiterten immer, bis es 2006 Wolfgang Stehmer schaffte, der SPD ein Zweitmandat zu holen, das er 2011 aber an den Grünen Markus Rösler verlor.

 

Günther Oettinger, mittlerweile Ministerpräsident Baden-Württembergs, saß bis Februar 2010 auf der Landtagsbank. Dann wechselte er als EU-Kommissar nach Brüssel, für ihn rückte der Weingutsbesitzer Albrecht Fischer aus Vaihingen-Gündelbach in den Landtag nach. Es blieb aber ein kurzes Gastspiel: Bei der Nominierung im Herbst 2010 unterlag er in Markgröningen hauchdünn dem Ditzinger Schlossermeister Konrad Epple, dessen Stärke schräge Sprüche sind. Seine 38,8 Prozent reichten fürs Direktmandat.

 

Die Zeiten hatten sich geändert: Der Wahlkreis 13 verlor als CDU-Domäne etwas von seinem schwarzen Glanz, nur noch in Vaihingen reichte es der Union knapp über die 40 Prozent. Mit 35,7 Prozent schnitt sie in Oberriexingen am schlechtesten ab.

 

Landtagswahlkreis 13 Vaihingen

 

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Die Grünen erstarkten, schafften mit 27,6 Prozent in Gerlingen – Röslers Heimat – ihren Spitzenwert, während die SPD ihr bestes Resultat in Stehmers Wohngemeinde Hemmingen einfahren konnte: 27,3 Prozent. Am wenigsten zu holen war für die Grünen in Hemmingen (20,8 Prozent) und für die SPD in Vaihingen (19,3 Prozent). Die Spanne der FDP reichte von 4,7 Prozent (Sachsenheim und Sersheim) bis 7,9 Prozent (Gerlingen). Alle anderen Parteien spielten keine Rolle.

 

Gegenüber 2006 hatten die CDU mit minus 6,2 Prozent und die FDP mit minus 5,2 Prozent schmerzhafte Verluste hinnehmen müssen. Dagegen schafften die Grünen mit 13,8 Prozent plus einen triumphalen Zugewinn. Die SPD verlor zwei Prozent.

 

Vor fünf Jahren wählten erstmals die Bönnigheimer im Wahlkreis Vaihingen, 2006 war Sachsenheim dazugekommen. Starkes Bevölkerungswachstum im Gebiet des benachbarten Wahlkreises Bietigheim-Bissingen machten die beiden Umgruppierungen notwendig.

 

Am kommenden 13. März wollen Epple und Rösler ihre Mandate verteidigen, beide sind im Wahlkreis höchst präsent. Dagegen setzt die SPD auf einen neuen Bewerber, der aber viel kommunalpolitische Erfahrung als Stadtrat in Korntal-Münchingen hat: Egon Beck. Bei der FDP wollte diesmal die Korntal-Münchinger Stadträtin Viola Noak nicht mehr ran, dafür ließ sich der gänzlich unbekannte Vaihinger Roland Zitzmann in die Pflicht nehmen.

 

Spannend wird das Abschneiden der AfD und ihres Imports, der Heidelberger Stadträtin Anja Markmann. Der Vorstand der Heidelberger AfD distanzierte sich im vergangenen Juni von Anja Markmann und trat in einer Pressemitteilung dem „falschen Eindruck in der Öffentlichkeit“ entgegen, dass die Parteibasis gespalten sei: „Richtig ist vielmehr, dass unsere Stadträtin Anja Markmann als Einzelperson eine abweichende Meinung vertritt und keine Gelegenheit auslässt, diese ohne Abstimmung mit der Partei öffentlich zu machen.“ Gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung hatte Markmann damals erklärt, sie engagiere sich im konservativ-nationalen „Erfurter Flügel“ der AfD.