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Fachverband befürchtet Aus für ein Fünftel der Friseursalons

Die Corona-Krise trifft das Friseurhandwerk schmerzlich. Die Vorgaben zwangen die Salons über Wochen zur Schließung. Nach Expertenmeinung stehen viele Inhaber vor einer folgenschweren Entscheidung.

Coronavirus - Friseure
Ein Schild mit der Aufschrift «Friseur» hängt an einem geschlossenen Friseursalon. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Von den 11 500 Friseursalons im Südwesten wird bis Ende des Jahres nach Einschätzung eines Experten jeder fünfte in Folge der Coronakrise dicht gemacht haben. «Das sind vor allem Friseure kurz vor dem Ruhestand, die sich die pandemiebedingten Schwierigkeiten nicht mehr antun wollen», sagt Matthias Moser, Geschäftsführer des Landesverbands Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg.

Die Coiffeure im Land durften in der seit gut einem Jahr währenden Krise bislang insgesamt rund 17 Wochen lang nicht ihrer Arbeit nachgehen. Die Folgen: auf der einen Seite null Einnahmen, auf der anderen Kosten für Miete und Personal. Seit Anfang März haben sie wieder geöffnet. Für die Beschäftigten war davor durch Kurzarbeitergeld gesorgt, die Chefs selbst sahen zumeist in die Röhre. Einen Unternehmerlohn für sie habe es nicht gegeben, kritisiert Moser. Das Antragsverfahren für die Hilfen des Bundes für die Mitarbeiter habe viele Betriebe überfordert, sagt Moser. Zuschüsse seien zu spät geflossen.

Gegenwärtig würden die Vorgaben zur Begrenzung der Kundenzahl in den Salons die Umsätze drücken. Mit 947 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche 2019 im Südwesten ein Rekordergebnis. «Das Niveau werden wir mit Sicherheit nicht mehr erreichen», sagt Moser.

Der Obermeister der Friseur-Innung Reutlingen, Roberto Laraia, beklagt, dass Zwangsschließungen Schwarzarbeit begünstigten. Damit werde auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Hygienevorgaben wie zum Beispiel Desinfektion ignoriert werden. «Man kann sich das Virus ins Haus holen», warnt der Inhaber zweier Salons. Im Ernstfall könnten Infektionsketten nicht erstellt werden. Im Betrieb hingegen sei die Nachverfolgung wegen Online-Terminvergaben gesichert.

Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung hat keine Erkenntnisse zum Umfang der Schwarzarbeit in der Corona-Krise, macht aber auf ein Verhaltensmuster aufmerksam. Direktor Bernhard Boockmann sagt: «Generell gibt es eine Flucht in die Schattenwirtschaft, um unliebsamen politischen Vorgaben und Regulierungen auszuweichen.»

© dpa-infocom, dpa:210405-99-87175/2

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