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Jeder Vierte lebt im Hotspot: Neue Pläne für 300er-Marke

Deutlich mehr Infizierte, immer mehr Tote, immer mehr Hotspots: Ein Negativrekord jagt den nächsten. Das Coronavirus breitet sich mit voller Wucht aus. Auf die Bürger kommen noch schärfere Regeln zu.

Eine Mikroskopaufnahme zeigt das Coronavirus
Eine Mikroskopaufnahme zeigt das Coronavirus. Foto: Center for Disease Control/epa/dpa/Archivbild
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Fast jeder vierte Mensch im Südwesten lebt inzwischen in Corona-Hotspots mit ausufernden Infektionszahlen - also Regionen mit mehr als 200 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen einer Woche. In mehreren Stadt- und Landkreisen gelten wegen der Überschreitung dieser Marke schärfere Maßnahmen als die landesweiten Regelungen im Kampf gegen die Pandemie. Mehrere Regionen, in denen der Grenzwert erst einmal überschritten wurde, bereiten sich auf strengere Auflagen vor, wie eine dpa-Umfrage am Donnerstag ergab. Auf Regionen mit einer Inzidenz über 300 kommen ganztägige Ausgangsbeschränkungen und mehr Fernunterricht zu.

IMMER MEHR HOTSPOTS IM LAND

Nach Angaben des Landesgesundheitsamts (Stand Donnerstag, 16.00 Uhr) liegt die Inzidenz in 13 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg über dem 200er-Grenzwert, die Stadtkreise Heilbronn und Pforzheim haben sogar schon die 300er-Marke überschritten. Nach Daten des Statistischen Landesamts lebten in diesen 13 Stadt- und Landkreisen zusammen knapp 2,7 Millionen der mehr als 11 Millionen Baden-Württemberger. Das ist ein Anteil von mehr als 24 Prozent.

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist um 4208 gestiegen auf 179 154 seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus ging um 64 auf 3292 nach oben. Landesweit lag der sogenannte Inzidenz-Wert bei 168,8 und damit höher als am Vortag. Alle 44 Stadt- und Landkreise liegen weiter über dem Grenzwert von 50, ab dem ein Kreis als Risikogebiet gilt. Da der Reproduktionsfaktor (R-Wert) leicht über 1,0 liegt, steckt ein Infizierter im Schnitt noch mehr als eine weitere Person an.

REGELN FÜR ÜBERSCHREITEN DER 200ER-INZIDENZ

Die baden-württembergische Regierung hatte einen Erlass veröffentlicht, nach dem Kommunen mit einer 200er-Inzidenz oder darüber an drei Tagen infolge strengere Maßnahmen ergreifen müssen, als landesweit im Kampf gegen die Seuche gelten. Dazu zählen zum Beispiel nächtliche Ausgangsbeschränkungen, weitreichende Vorgaben zur Maskenpflicht und die Schließung etwa von Friseursalons.

Solche Regelungen gelten etwa für die Städte Mannheim und Heilbronn sowie die Landkreise Calw und Lörrach schon seit einigen Tagen. Unter anderem die Landkreise Rottweil, Freudenstadt sowie der Rems-Murr-Kreis bereiten strengere Maßnahmen für den Fall vor, dass die Zahlen weiter über der Marke von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegen. Dann sollen die jeweiligen Verfügungen zum beziehungsweise am Wochenende in Kraft treten.

GÜLTIGKEIT DER VERSCHÄRFTEN REGELN

Sobald der Sieben-Tage-Inzidenzwert fünf Tage in Folge unter der 200er-Marke liegt, können die Kommunen ihre Allgemeinverfügung dem Erlass der Landesregierung zufolge wieder aufheben. Der Landkreis Calw zum Beispiel hat seine Regelungen aber schon bis zum 23. Dezember befristet mit Blick auf die dann politisch angestrebten Lockerungen der Kontakt-Beschränkungen über die Weihnachtsfeiertage. Das weitere Vorgehen sei dann von den Beschlüssen der Bundesländer mit der Bundesregierung abhängig, sagte eine Sprecherin des Landratsamts zur Diskussion über einen strengeren Lockdown.

REGELN FÜR ÜBERSCHREITEN DER 300ER-INZIDENZ

Auf explodierende Infektionszahlen regiert die Regierung mit einer Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen. In Regionen mit mehr als 300 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche sollen allgemeine Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr gelten. Für das Verlassen der Wohnung braucht man dann nach Angaben des Gesundheitsministeriums einen triftigen Grund - allerdings sieht die Landesregierung so viele Ausnahmen vor, dass die Regel eher appellativen Charakter hat. Man darf das Haus etwa verlassen für die Arbeit oder den Arztbesuch, für den Einkauf oder Sport.

UNTERRICHT AUS DER FERNE

In Regionen mit diesen extrem ausufernden Corona-Infektionszahlen soll der Unterricht in den Schulen vor Ort zudem zurückgefahren werden. Spätestens vom kommenden Montag an sollen in den 300er-Regionen alle allgemein bildenden und beruflichen Schulen ab Klassenstufe 8 vollständig in den Fernunterricht übergehen, teilte das Kultusministerium mit. Ausgenommen seien lediglich Abschlussklassen. Das Ministerium erläuterte, in der Zeit des Fernunterrichts müssten in den betroffenen Klassenstufen bereits geplante Klassenarbeiten abgesagt werden.

ERLASS FÜR DEN HOTSPOT PFORZHEIM

Nach den jüngsten Infektionszahlen liegen Pforzheim (339,0) und Heilbronn (318,3) über dem 300er-Wert. Pforzheim hatte die 300er-Marke bereits an den Vortagen gerissen, noch am Donnerstag brachte die Regierung daher einen Erlass für die Stadt auf den Weg, der die Rund-um-die-Uhr-Ausgangsbeschränkungen beinhaltet. Am Freitag will das Kabinett die erweiterte Hotspot-Strategie für das Land beschließen. Sie werde nächste Woche in die Corona-Verordnung einfließen.

RUFE NACH HARTEM LOCKDOWN

Trotz all der harten Auflagen mehren sich die Zeichen, dass das öffentliche Leben nach Weihnachten komplett heruntergefahren wird. Nicht nur im Bund, auch im Land häufen sich die Forderungen aus der Politik. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) halte einen solche harten Lockdown bis zum 10. Januar für unerlässlich, sagte sein Sprecher. Man könne es sich nicht mehr leisten, dass die Infektionszahlen weiter hochgingen. Vize-CDU-Bundeschef und Landesinnenminister Thomas Strobl dringt auf eine schnelle Entscheidung für einen harten Lockdown. «Jeder Tag zählt», sagte er der «Rhein-Neckar-Zeitung».

WARTEN AUF DEN IMPFSTOFF

Die Landesregierung rechnet nicht mehr mit einer ersten Lieferung des Impfstoffs gegen das Coronavirus vor Weihnachten. Man erwarte aber noch dieses Jahr die ersten Lieferungen vom Bund, bestätigte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Die zentralen Impfzentren stünden allerdings planmäßig bereits ab 15. Dezember bereit, um loslegen zu können mit dem Impfen. Baden-Württemberg rechnet auf Grundlage einer Berechnung durch den sogenannten Königsteiner Schlüssel in einer ersten Tranche mit gut 600 000 Impfstoff-Dosen.

Lageberichte des Gesundheitsamts

Bevölkerungsstatistik

Lageberichte

Aktuelle Corona-Lage in Freudenstadt

Aktuelle Corona-Lage im Enzkreis und in Pforzheim

Aktuelle Regelungen für Pforzheim und den Enzkreis

Aktuelle Regelung für den Landkreis Calw

Aktuelle Corona-Alge im Landkreis Freudenstadt

Aktuelle Corona-Lage in Mannheim

Aktuelle Regelungen im Landkreis Lörrach