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Konzerte und Turniere: Viele neue Modellprojekte genehmigt

Die ersten Modellprojekte geben bereits Hoffnung. Nun macht das Land den Weg frei für weitere Öffnungsversuche. Aufatmen vor allem im Tourismus und in der Kultur. Allerdings könnte sich das eine oder andere Projekt als Modell bald erledigt haben.

Manfred Lucha (Grüne), Gesundheitsminister in Baden-Württemberg
Manfred Lucha (Grüne), Gesundheitsminister in Baden-Württemberg. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Ein Blaskonzert oder ein Fußballturnier? Eine durchtanzte Nacht oder Schlussapplaus nach dem Theaterabend? Ewig scheint das angesichts der langen Corona-Zwangspause her zu sein. Nun macht das Land wegen der konstant sinkenden Infektionszahlen den Weg frei für weitere Modellprojekte im Tourismus, in Kultur, im Sport und in der Clubszene. 19 Versuche können an den Start gehen, um Konzepte für eine Zukunft mit weiter gesunkenen Corona-Zahlen zu erproben, wie das Gesundheitsministerium am Samstag in Stuttgart mitteilte. Voraussetzung: eine stabile Inzidenz von unter 100 im jeweiligen Land- oder Stadtkreis.

Ausgewählt wurden unter anderem Projekte für Chor- und Orchesterkonzerte, für Sehenswürdigkeiten, für die Freilichtspiele in Schwäbisch Hall und das Welfenfest in Weingarten. In Ludwigsburg sollen Angebote für Jugendliche umgesetzt und in Ravensburg zwei Clubs geöffnet werden, der Rems-Murr-Kreis plant sechs Open-Air-Konzerte im Aspacher Fußballstadion und Baden-Baden will seine Casinos und Spielhallen öffnen.

«Das ist das richtige Signal zum richtigen Zeitpunkt», sagte der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer. «Kinder, Sport und Kultur sind in der Pandemie abgehängt worden. Deshalb ist es gut, dass wir nun hier zuerst weitergehende Öffnungen versuchen können.» In seinem Kreis plant der Südbadische Fußballverband die «Mini-Fußballspieltagen», die Stadt Achern ist mit neun Musikvereinen bei einem Projekt mit dabei. «Das Projekt soll als Vorbild für andere Vereine dienen», sagte Scherer.

Die Volksschauspiele Ötigheim planen bei ihrem Modellprojekt mit 875 Zuschauern bei der Premiere am 12. Juni. «Das ist für uns ganz großes Glück», sagte Geschäftsführer Maximilian Tüg. «Wir hoffen nur, dass wir in der kurzen Zeit auch möglichst viele Karten verkaufen können.» Deutschlands größte Freilichtbühne fasst normalerweise mehrere Tausend Zuschauer.

Allerdings könnte sich das eine oder andere Projekt als Modell bald auch schon wieder erledigt haben: Denn mit der geplanten neuen Corona-Verordnung soll es Städten und Kreisen mit einer Inzidenz unter 50 auch erlaubt werden, unmittelbar in die nächste Öffnungsstufe einzutreten und Auflagen zu lockern. «Es braucht damit kein zeitliches Durchlaufen der einzelnen Öffnungsschritte», teilte das Ministerium mit. Dank dieser generellen Öffnungsperspektive könnten zahlreiche eingereichte Modellvorhaben regulär im Rahmen der Corona-Verordnung umgesetzt werden, teilten Städtetag, Gemeindetag und Landkreistag mit. Land und kommunale Landesverbände hatten das Auswahlverfahren gemeinsam organisiert.

Für mehr als die Hälfte der Städte und Kreise im Land könnte das in Frage kommen. Denn landesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag nach Angaben des Landesgesundheitsamtes bei 43,9 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner. 26 der insgesamt 44 Stadt- und Landkreise unterschreiten nach aktuellem Stand die 50er-Inzidenzschwelle und keine einzige Region liegt noch bei einer dreistelligen Inzidenz.

Insgesamt gingen nach Angaben des Ministeriums 83 Anträge für die Modellprojekte ein, fast jeder zweite (39) aus der Kultur. «Der Anteil von gut 50 Prozent zeigt, wie dringend gerade diese Branche Öffnungsperspektiven braucht», sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Die Auswahl sei nicht leichtgefallen. Kriterien seien die wissenschaftliche Begleitung gewesen und die Frage, wie sehr sich die Projekte auf die jeweiligen Lebensbereiche oder die Branche übertragen ließen. Auch die Qualität von Test- und Hygienekonzepten sowie die digitale Nachverfolgung von Kontakten hätten eine Rolle gespielt.

Der Europapark (Ortenaukreis) hatte den Zuschlag bereits erhalten und vor einer Woche geöffnet. Eigentlich dürfen Freizeitparks in Baden-Württemberg erst in einer dritten Öffnungsstufe wieder Besucher empfangen - also frühestens etwa einen Monat nach dem Außerkrafttreten der sogenannten Bundes-Notbremse im jeweiligen Kreis. Nun findet sich auch der Erlebnispark Tripsdrill unter den Modellprojekten wieder. «Es ist eine Erleichterung, jetzt eine Perspektive zu haben», sagte Parksprecher Birger Meierjohann der «Heilbronner Stimme». Wenn das Modellprojekt im Europapark positiv bewertet werde, «wovon wir alle ausgehen», so Meierjohann, dann wäre der 8. Juni ein möglicher Starttermin für alle anderen Freizeitparks.

© dpa-infocom, dpa:210529-99-785844/7

Übersicht über Öffnungsstufen in BaWü

Übersicht der Modellprojekte