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Ausstellung widmet sich der Debatte um Ulmer Krippenfiguren

Debatte um Ulmer Krippenfiguren im Museum
Museumsleiterin Stefanie Dathe präsentiert im Ulmer Museum die Kripppenfiguren aus dem Münster. Foto: Stefan Puchner
Die gesellschaftliche Diskussion um die Krippenfiguren aus dem Ulmer Münster erreicht das Museum. Die Ausstellung soll versachlichen und wirft dabei auch ungemütliche Fragen auf.

Ulm. Die Debatte um den Umgang mit den Krippenfiguren aus dem Ulmer Münster wird nun in einer Ausstellung thematisiert. Die Schau mit dem Titel «Wir müssen reden! Die Münster-Krippe im Meinungsstreit» ist ab Samstag (19. Februar) für Besucher im Museum Ulm zu sehen - bis zum 19. Juni. Die evangelische Kirchengemeinde hatte 2020 beschlossen, die Figuren wegen einer aus Sicht der Gemeinde rassistischen Darstellung des Melchior nicht mehr zu zeigen. Das löste eine bundesweite Debatte über die Figuren und den Umgang mit ihnen aus.

Mit der Ausstellung wolle man nun zur Versachlichung beitragen, sagte die Direktorin des Museums, Stefanie Dathe, am Donnerstag. Die Debatte habe sie damals «kalt erwischt». Das Museum greift die zahlreichen Medienberichte wieder auf. Sie sind am Ausstellungs-Beginn an den Wänden zu sehen. So wolle man zeigen, auf welche Art und mit welchen Meinungen die Heiligen Drei Könige von Künstler Martin Scheible (1873-1954) kommentiert wurden, sagte Dathe. Scheible hatte die Figuren in den 1920er Jahren für eine Ulmer Familie geschaffen, seit vielen Jahren waren sie als Leihgabe zur Adventszeit im Ulmer Münster zu sehen.

Das Museum setzt die Figuren nun in den Kontext des Schaffens von Scheible und zeigt weitere Werke von ihm. Die Krippenfiguren aus Holz seien «sehr ungewöhnlich» für Scheible, erklärte der Kunsthistoriker Uwe Degreif. Der Künstler habe mehr mit Stein gearbeitet und sich auch nicht mit afrikanischer Kultur auseinandergesetzt. Besucherinnen und Besucher sehen auch eine bislang nicht bekannte Darstellung Scheibles von schwarzen Menschen.

Das Museum wirft in der Ausstellung die Frage auf, inwiefern die Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Darstellungen bewusst rassistisch waren oder mehr ein Zeugnis ihrer Zeit. Zu dieser Frage sollen Besucher mit dem Museum in Austausch treten.

Zu sehen sind auch Darstellungen der Heiligen Drei Könige anderer Künstler sowie Alltagsgegenstände mit aus heutiger Sicht eindeutig rassistischen Stereotypen - etwa Kinderbücher und Spielfiguren. Die Alltagsgegenstände hätten sie betroffen gemacht, sagte Museumsdirektorin Dathe. Und Betroffenheit wünsche sie sich auch von den Besuchern.

Mit vielen der gezeigten Alltagsgegenstände sind ältere Menschen aufgewachsen. Aus Sicht des Museums zeigt sich auch daran, warum die Reaktionen auf den Umgang mit den Krippenfiguren aus dem Münster so unterschiedlich ausfielen.

Ausstellung

© dpa-infocom, dpa:220216-99-159192/7