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Kirche
Brüdergemeinde Korntal erinnert mit Skulpturen an Missbrauch

Die Berichte aus der Brüdergemeinde waren bestürzend: Jahrzehntelang waren dort Dutzende Heimkinder Opfer sexueller Gewalt geworden. Zwar sind die Risse nach der umstrittenen Aufklärungsarbeit weiter tief. Gemeinsam soll nun aber an die Ereignisse erinnert werden.

Stuttgart/Korntal. Acht Jahre nach Bekanntwerden des jahrzehntelangen Missbrauchs und der sexuellen Gewalt in ihren Heimen will die evangelischen Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf an die Geschehnisse erinnern und mahnen. Die Gemeinde will am Samstag (25. Juni/11.00) drei Mahnmale eines Darmstädter Künstlers auf dem Gelände der drei Kinderheime aufstellen, ein Schuldbekenntnis ablegen und einen Schweigemarsch zur Stadthalle organisieren. «Es soll daran erinnern, dass wir alles tun und alles dafür einsetzen, Menschen zu schützen, zu stärken, damit Hoffnung und Vertrauen wachsen können», sagte Veit-Michael Glatzle, der Geschäftsführer Diakonie der Brüdergemeinde Korntal/Wilhelmsdorf.

Aus den Berichten von Betroffenen und Gesprächen hatte sich in den vergangenen Jahren ein bestürzendes Bild der Heimerziehung in Baden-Württemberg ergeben. In der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal hatten Kinder von den 1950er bis in die 1980er Jahre körperliche und sexualisierte Gewalt erlebt. Dutzende Täter sind bekannt, vor allem Betreuer und Angestellte. Dokumentiert sind Hunderte von Fällen. Aber juristisch sind die Taten verjährt.

Der Bildhauer Gerhard Roese schuf überlebensgroße Stelen, die die Begriffe Hoffnung, Respekt und Vertrauen thematisieren sollen. Roese ist ehemaliger Schüler der Odenwaldschule und wurde dort selbst Opfer von Gewalt. Betroffene haben das Kunstprojekt zuletzt aber als «Schnellschuss» kritisiert, der sich nicht an ihnen orientiere. Sie fühlten sich «überrumpelt», der Termin sei zu früh gesetzt, nicht abgesprochen und der Künstler bereits festgelegt gewesen.

Die Mitglieder der 1819 gegründeten Brüdergemeinde Korntal im Kreis Ludwigsburg zählen sich zu den Pietisten, die als besonders konservative Strömung im Protestantismus gelten. Sie sehen die Bibel als das offenbarte Wort Gottes und legen Wert auf eine intensive Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Aufklärungsbericht

© dpa-infocom, dpa:220624-99-789187/3