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Gewerkschaft kritisiert Ausstattung nach Boxberg-Einsatz

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Zwei Streifenwagen der Polizei stehen am Straßenrand. Foto: Philipp von Ditfurth
Mehr als eine Woche nach dem Schuss auf einen Polizisten in Boxberg (Main-Tauber-Kreis) hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Ausstattung der Einsatzkräfte kritisiert. Die sechs baden-württembergischen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) seien nicht gut genug ausgerüstet, hieß es am Freitag von Seiten der GdP.

Boxberg. Beamte einer BFE hatten das Spezialeinsatzkommando in Boxberg unterstützt. «Wir können alle froh sein, dass es in der Vergangenheit nicht zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen gekommen ist», teilte die Gewerkschaft mit. Sie forderte das baden-württembergische Innenministerium auf, die Einsatzkräfte besser auszustatten und auszubilden. Schon seit Jahren gebe es dafür einen Forderungskatalog. Die GdP ist nach eigenen Angaben in Deutschland mit knapp 200.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Polizeibeschäftigten.

Das Ministerium entgegnete, dass die BFE in Baden-Württemberg umfangreich ausgestattet und bewaffnet seien. Es habe auf die Ausstattung der Polizei in den vergangenen Jahren bereits ein besonderes Augenmerk gelegt, teilte ein Sprecher mit. Im bundesweiten Vergleich seien die Einsatzkräfte der Polizei hier auf einem sehr guten Niveau. Es werde aber immer geprüft, die Ausrüstung der Beamten anzupassen.

Beamte hatten am 20. April in Boxberg ein Grundstück durchsucht. Dabei ging es um den Verdacht des illegalen Waffenbesitzes. Nach Polizeiangaben schoss der 54-jährige Verdächtige dabei einen SEK-Beamten an und verletzte ihn. Außerdem ging das Wohnhaus des Mannes in Flammen auf.

Die Staatsanwaltschaft Mosbach warf dem Mann versuchten Mord mit Körperverletzung sowie den unerlaubten Besitz einer Kriegswaffe vor. Inzwischen übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Schützen. Der Mann sitze in Untersuchungshaft und sei der «Reichsbürger»-Szene zuzuordnen. Schon vor dem Polizeieinsatz hatte ihn deshalb das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz nach eigenen Angaben im Visier. Auf dem Grundstück fanden die Beamten Kriegswaffen, Munition und nationalsozialistische Gegenstände.

Das Landeskriminalamt hält sich mit neuen Details zum Fall in Boxberg bedeckt. Die Brandursache stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher. Woher die Waffen bezogen wurden, sei Gegenstand der Ermittlungen.

© dpa-infocom, dpa:220429-99-97149/3