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Pandemie
Inzidenz legt seit Tagen zu: Warnung vor einer «Sommerwelle»

Corona-Test
Eine biologisch-technische Assistentin hält ein Gefäß mit aufbereiteten PCR-Tests auf das Coronavirus in der Hand. Foto: Julian Stratenschulte
Die meisten Corona-Beschränkungen sind auch in Baden-Württemberg bereits gelockert worden. Aber Risiken sind nicht aus der Welt, warnen Wissenschaftler. Sie verweisen auch auf die wieder steigende Inzidenz und machen Gründe dafür aus.

Stuttgart. Die Zahl der seit Pandemiebeginn bestätigten Corona-Infektionen hat sich in den vergangenen zwei Monaten mehr als verdoppelt. Wurden Mitte Januar noch rund 1.113.000 Ansteckungen in Baden-Württemberg gemeldet, so lag der Wert nach Angaben des Landesgesundheitsamts am Sonntag bereits bei 2.264.608 registrierten Fällen (Stand: 16.00 Uhr). Auch die Zahl der täglichen bestätigten neuen Infektionen ist im selben Zeitraum deutlich gestiegen, wie aus dem Lagebericht des LGA hervorgeht. Sie lag am Sonntag bei 14.970, Mitte Januar waren es noch rund 10.000.

Zugelegt hat bis zum Sonntag auch erneut die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Sie stieg im Vergleich zum Samstag um 34,9 Fälle binnen einer Woche je 100.000 Einwohner auf 1485,7. Zum Monatsbeginn hatte sie noch bei 1355,1 gelegen. Es ist bereits der fünfte Anstieg in Folge. Laut LGA starben weitere 15 Menschen an oder im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Insgesamt lag die Zahl der Corona-Toten im Südwesten bis zum Sonntag bei 14.438.

Auf den Intensivstationen des Landes wurden am Samstag 242 Covid-Patientinnen und -Patienten behandelt, das sind drei weniger als vor einer Woche. Die Zahl der mit Corona infizierten Patienten auf den Normalstationen nahm laut den Meldedaten wieder etwas ab. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz ging zurück um 0,4 auf 6,8. Der Wert gibt an, wie viele Infizierte innerhalb einer Woche und pro 100.000 Einwohner in eine Klinik kommen.

Experten gehen allerdings von einer hohen Zahl an Ansteckungen aus, die in den Daten der Gesundheitsämter und des Robert-Koch-Instituts nicht erfasst sind. Ein Grund sind die begrenzten Kapazitäten etwa von Gesundheitsämtern. Oft werden Kontakte deshalb nur noch eingeschränkt nachverfolgt.

Außerdem gibt es nach Einschätzung des Laborverbands ALM inzwischen eine größere Zahl von Menschen, deren Infektion nicht mehr über einen PCR-Test bestätigt wird - diese fließen damit nicht in die offiziellen Statistiken ein. Zuletzt war weiter mehr als jeder zweite PCR-Test im Südwesten positiv. Je höher die Positivrate ist, desto größer fällt laut Experten die Dunkelziffer der unerkannten Infektionen aus. Befürchtet wird zudem, dass die Ausbreitung der neuen Variante BA.2 die Omikron-Welle verlängern und den Rückgang der Fallzahlen verlangsamen könnte.

Am Donnerstag hatte das RKI nach längerem Rückgang wieder einen leichten Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet. Einen Tag später war der Anstieg sogar deutlich, von 1174 auf 1196. Der Wert nahm auch am Samstag zu und erreichte am Sonntagmorgen die Marke 1231,1.

Wissenschaftler überrascht die Entwicklung offenbar nicht: «Die Phase der Hochinzidenz könnte sich hinziehen und ein längeres Plateau bilden», zitierte die «Süddeutsche Zeitung» dazu kürzlich Andreas Bergthaler, Professor für Molekulare Immunologie an der Medizinischen Universität Wien. Wie genau sich die Lage entwickelt, hängt von einigen Faktoren ab: etwa vom Testverhalten, dem Plus an Kontakten durch die Lockerungen und dem Beginn frühlingshafteren Wetters.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt bereits vor zu viel Sorglosigkeit bei der Corona-Entwicklung und dringt auf wichtige Schutzinstrumente. «Ich teile die Sorge vieler Wissenschaftler: Wir müssen mit einer Sommerwelle rechnen», sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Die Omikron- wie die Delta-Variante seien so infektiös, dass es selbst bei gutem Wetter durch viele Kontakte und nachlassenden Impfschutz wieder zu steigenden Infektionszahlen kommen könnte, wenn es gar keine Einschränkungen mehr gäbe. Ärzte und Kommunen halten bestimmte Vorkehrungen - teils auch der Bürger selbst - weiter für sinnvoll.

Lageberichte des LGA

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