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Atomkraftwerke
Kretschmann hält kurzen Weiterbetrieb von AKW Neckarwestheim für richtig

Kernkraftwerk Neckarwestheim
Zur blauen Stunde spiegelt sich das Kernkraftwerk Neckarwestheim im Neckar. Foto: Christoph Schmidt
Eigentlich wäre zum Jahresende Schluss gewesen. Doch nun soll es für den Atommeiler in Neckarwestheim eine kurze Laufzeitverlängerung geben - wegen der Energiekrise. Für Umweltschützer eine Kröte, für Kretschmann okay.

Stuttgart. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält den voraussichtlichen Weiterbetrieb von zwei deutschen Atomkraftwerken für richtig. Der Grünen-Politiker nannte die Eckpunkte von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) «einen schlüssigen und verbindlichen Fahrplan». Genau das sei in der derzeitigen schwierigen Lage angebracht, um einen Stromnetzengpass in Süddeutschland zu verhindern. «Er hat hier für diesen Weg meine volle Unterstützung», sagte Kretschmann. Der Energieversorger EnBW bereitet sein AKW Neckarwestheim II im Kreis Heilbronn nun auch für einen möglichen Betrieb bis längstens zum 15. April nächsten Jahres vor.

Habeck hatte am Dienstagabend erklärt, dass er einen Weiterbetrieb von Isar 2 und Neckarwestheim über das Jahresende hinaus erwartet. Man gehe davon aus, dass man die «Reserve» ziehen werde und die beiden Meiler im ersten Quartal 2023 weiter am Netz sein werden. Er habe sich mit den Betreibern der Meiler auf Eckpunkte zur Umsetzung der geplanten Einsatzreserve bis spätestens Mitte April 2023 verständigt. Hintergrund sei vor allem die angespannte Lage auf dem französischen Strommarkt. Mehr als die Hälfte der dortigen AKW sei nicht am Netz, es fehlten daher Strommengen, die Deutschland zum Teil mit Strom aus Gaskraftwerken ausgleiche.

Umweltschützer kritisieren den Weiterbetrieb

Kretschmann sagte, die Entscheidung schaffe «früh Klarheit für die Betreiber und Sicherheit für die Bürger». Habeck habe zurecht unterstrichen, «dass das Vorgehen mit Blick auf die aktuelle Lage und die Prognosen zur Stromproduktion der französischen Atomkraftwerke dringend geboten und nach dem aktuellen Stand ein Weiterbetrieb nötig ist.»

Nach Angaben der EnBW soll der Meiler zunächst am 31. Dezember heruntergefahren werden. Sollte die Bundesregierung entscheiden, dass eine weitere Stromproduktion in Neckarwestheim erforderlich ist, werde der Reaktorkern der Anlage mit vorhandenen teilverbrauchten Brennelementen neu zusammengesetzt und wieder hochgefahren, erläuterte die EnBW. Das solle eine Stromproduktion von bis zu 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom gewährleisten, hieß es.

Eigentlich war geplant, dass Neckarwestheim II und Isar 2 in Bayern sowie der Meiler Emsland in Niedersachsen als letzte drei in Deutschland noch laufende AKW zum Jahresende vom Netz gehen. Das AKW Emsland soll nicht Teil dieser Notfallreserve sein und fristgerecht zum Jahresende abgeschaltet werden. Die EnBW hat sich seit dem beschlossenen Atomausstieg Deutschlands nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 neu aufgestellt und konzentriert sich auf die Energieerzeugung mit Erneuerbaren.

© dpa-infocom, dpa:220928-99-924529/3