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Kretschmanns Grüne bleiben stärkste Kraft

Auch nach vielen koalitionsinternen Rangeleien steht Kretschmanns Regierung laut einer Umfrage bei der Bevölkerung hoch im Kurs. Bitter für die CDU: Der Abstand zu den Grünen ist wieder größer geworden.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, gibt ein Interview. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Trotz der unpopulären Diesel-Fahrverbote in Stuttgart bleibt das Ansehen der grün-schwarzen Landesregierung bei den Bürgern hoch. Nach einer neuen Umfrage ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Vergleich mit seinen Länderkollegen auch der populärste Regierungschef - 72 Prozent der Bürger sind mit ihm zufrieden. Seine Grünen haben den Vorsprung im Vergleich zur CDU ausgebaut: Wäre am Sonntag Landtagswahl, würden sich 32 Prozent der Bürger im Südwesten für die Grünen entscheiden. 28 Prozent würden ihr Kreuz bei der CDU machen, die Juniorpartner in der Regierung ist.

Das geht aus einer am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von SWR und «Stuttgarter Zeitung» hervor. In der Infratest-Umfrage vom September lagen die Grünen einen Prozentpunkt vor der CDU. In einer Insa-Umfrage von Mitte Februar betrug der Unterschied zwei Prozentpunkte.

Kretschmanns grün-schwarze Koalition regiert seit 2016. Bei der damaligen Landtagswahl hatten die Grünen 30,3 Prozent eingefahren - die CDU kam damals auf 27 Prozent. Die nächste Landtagswahl ist 2021.

In der neuen Infratest-Umfrage kommt die SPD auf 12 Prozent. Sie liegt damit einen Punkt vor der AfD mit 11 Prozent. Die FDP kommt auf 9 Prozent. Die Linke verzeichnet 4 Prozent und wäre damit nach wie vor nicht im Landtag vertreten. Im Parlament ist bislang die AfD die größte Oppositionsfraktion - gefolgt von SPD und FDP.

Rund zwei Drittel (61 Prozent) der Bürger sind mit Kretschmanns Regierung zufrieden. Der Wert hat sich im Vergleich zur Umfrage vom September kaum verändert, obwohl Anfang des Jahres die umstrittenen Diesel-Fahrverbote zur Luftreinhaltung in Stuttgart in Kraft traten und es im Zuge dessen zahlreiche weitere koalitionsinterne Rangeleien gab. Damit zähle Kretschmanns Kabinett im bundesweiten Vergleich zu den Regierungen mit dem höchsten Ansehen in der Bevölkerung.

Befragt nach der Zufriedenheit der einzelnen Regierungsparteien, unterscheiden die Bürger zwischen Grünen und CDU. Mit der Arbeit von Kretschmanns Partei ist die Mehrheit zufrieden (54 Prozent) - 42 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Hingegen sind 59 Prozent unzufrieden mit der CDU - 36 Prozent äußerten sich hier zufrieden. Könnten die Bürger den Regierungschef direkt wählen, würden sich 63 Prozent für Kretschmann entscheiden und 17 Prozent für Innenminister und Regierungsvize Thomas Strobl (CDU), der auch CDU-Landeschef ist. Selbst unter den CDU-Anhängern würden 62 Prozent für Kretschmann, aber nur 31 Prozent für Strobl votieren.

Damit ist die CDU weit entfernt von ihrem Ziel, 2021 selbst den Ministerpräsidenten zu stellen. In der CDU geht man davon aus, dass Strobl die Spitzenkandidatur seiner Partei zur Landtagswahl anstrebt. Allerdings ist noch offen, ob Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ihm da Konkurrenz macht. Strobl kommt in der jüngsten Umfrage auf diese Werte: 37 Prozent der Bürger sind zufrieden mit ihm - aber 38 Prozent sind es nicht.

Strobl sagte mit Blick auf die Werte für seine Partei: «Die CDU steht absolut stabil.» Im Vergleich zur Landtagswahl 2016 habe man sich etwas verbessert. Die Sorge, dass die CDU in Kretschmanns Koalition verzwergt werde, sei unberechtigt. «Wir waren und sind in Schlagdistanz zu den Grünen - den Rest erledigen wir im Schlussspurt.» Bis dahin sei es noch eine ganze Weile hin.

Die Grünen-Landeschefs Oliver Hildenbrand und Sandra Detzer teilten mit: «Wir Grüne spüren kräftigen Rückenwind und erleben großen Zuspruch für unsere Politik.» SPD-Landeschef Andreas Stoch meinte, für seine Partei sei es noch ein weiter und harter Weg, um wieder in höhere Gefilde zu kommen. «Mir war immer klar: Das wird ein Marathonlauf.» FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke bezeichnete den Wert für seine Partei als willkommenen Schub für die Europa- und Kommunalwahlen im Mai. Von der AfD lag zunächst keine Reaktion vor.

Letzte Umfragewerte