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Lautsprecher: Nach SPD-Austritt gründet Uwe Hück Partei

Prominent, lautstark, sozial engagiert: Ex-Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will den etablierten Parteien das Fürchten lehren. Mit Volkes Stimme - und neuer Partei.

Uwe Hück
Uwe Hück, ehemaliger SPD-Politiker und früherer Porsche-Betriebsratschef. Foto: Uli Deck/dpa
Pforzheim.

Pforzheim (dpa/lsw) - Funktionären den Kampf ansagen, hergebrachte Strukturen aufbrechen und Bürgern eine laute Stimme geben: Das ist das Ziel einer Partei, die der frühere Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück mit Mitstreitern gründen will. «Wir wollen mehr direkte Demokratie wagen», so Hück. Der 58-Jährige hatte im Dezember die SPD nach internem Zwist nach 40 Jahren verlassen. Die Partei, die bundesweit antreten soll, wird «Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel» heißen, teilte er am Freitag in Pforzheim mit. Sie soll am 20. Februar aus der Taufe gehoben werden.

«Es ist keine Hück-Partei, sondern eine Bürgerbewegung», betonte Uwe Hück. «Wir werden der Lautsprecher des Volkes sein.» Spitzenkandidat im nächsten Bundestagswahlkampf soll Christoph Mährlein werden, der frühere Vorsitzende des Pforzheimer SPD-Kreisverbands. In Pforzheim soll die «Bürgerbewegung» von dem Unternehmer Sebastian Haase geführt werden. Allein hier geht Hück von «locker über 200 Unterstützern» aus. Er selbst kann sich vorstellen, später den Bundesvorsitz zu übernehmen.

Hück setzt auch bundesweit auf Abtrünnige von SPD und anderen Parteien. «Der Frust im Land ist groß.» Im Visier hat er etwa Polit-Funktionäre und deren - aus seiner Sicht - zu hohe Pensionen. «Sie müssen in die Rente einzahlen wie alle anderen auch.»

Berufspolitiker sind laut Satzung nicht erwünscht. Mandatsträger sollen zuvor mindestens fünf Jahre außerhalb der Politik berufstätig gewesen sein. Das heutige Berufspolitikertum mit seinen Abhängigkeiten und Zwängen beeinträchtigt nach Meinung Hücks die unabhängige Entscheidungsfindung.

Die «Bürgerbewegung» tritt nach ihren Statuten für Toleranz sowie eine Umgestaltung der Gesellschaft ein. Sie sei offen für neue Konzepte demokratischer Mitwirkung, die «auf der gelosten Zusammensetzung beratender oder auch entscheidender Gremien beruhen». Elemente der direkten Demokratie könnten sinnvoll sein.

Weiter heißt es: Deutschland müsse weltoffen sein und Geflüchtete respektvoll behandeln. Wer hier lebe, solle aber die Regeln und hiesige Kultur respektieren. Kernaufgaben der Daseinsfürsorge wie Bildung, Nahverkehr, Gesundheitswesen müssten finanziell gut ausgestattet und in staatlicher Hand sein.

Hück ist ein Freund deutlicher Worte und so populär wie umstritten: Das ehemalige Waisen- und Heimkind hat sich vom Lackierer bei Porsche zum mächtigen Gegenspieler der Autobosse hochgearbeitet. Mit seiner Pforzheimer Lernstiftung hilft er seit Jahren benachteiligten Jugendlichen. Für Charity-Projekte unter dem Motto «Blaue Flecke für soziale Zwecke» lässt sich der frühere Europameister im Thaiboxen auch mal «auf die Fresse hauen».

Berührungsängste kennt Hück nicht. Auf seinen rechten Oberarm hat er sich Artikel 1 des Grundgesetzes tätowieren lassen: «Die Würde des Menschen ist unantastbar». Die sieht er zu Corona-Zeiten gefährdet.

Nach seinem Abschied von Porsche hatte die SPD dem wortgewaltigen Streiter für Arbeitnehmerrechte vor zwei Jahren den roten Teppich ausgerollt, um ihn bei den Sozialdemokraten zu halten: Der Politneuling wurde Pforzheimer SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl im Frühjahr 2019 - und holte aus dem Stand die meisten Stimmen in der Stadt.

Doch sein hemdsärmeliger Politikstil kommt nicht überall an. Kritiker werfen ihm vor, einen Zersetzungsprozess in der SPD in Gang gesetzt zu haben. Für Zündstoff sorgte etwa, dass er rund 100 neue Mitglieder angeworben und eine innerparteiliche Bewegung gegründet hatte.

Auf seinen SPD-Austritt reagierten viele erleichtert. Andere bedauerten, dass der «Charakterkopf» ging - zumal er Wählerschichten erschlossen hat, die sonst für die SPD verloren sind.

Zur Partei von Hück hieß es am Freitag vom SPD-Landesverband: «Kein Kommentar.» Die Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast, auf deren Job Hück in der Vergangenheit Ambitionen hatte, sprach von «viel Wind um nichts» und betonte: «Lautstärke als politisches Geschäftsmodell verändert keine Lebensrealitäten.»