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Literaturarchiv
Marbach bekommt Nachlass-Rest von Schriftsteller Meckel

Der schriftliche und auch künstlerische Nachlass des Schriftstellers Christoph Meckel wird nun vollständig im Deutschen Literaturarchiv (DLA) Marbach aufbewahrt und ausgewertet. Einen ersten Teil hatte der vor zwei Jahren gestorbene Meckel bereits im Jahr 2012 als sogenannten Vorlass übergeben, weitere Hunderte von Gedichtbänden besitzt die Stiftung Lyrik Kabinett in München. Das Archiv des «Malerpoeten» enthält Manuskripte und Vorarbeiten zu seinen Büchern sowie Korrespondenzen, etwa mit Jurek Becker, Hans Magnus Enzensberger oder Christa Wolf, wie das DLA am Dienstag mitteilte.

Marbach. «Der jetzt übernommene Teil vervollständigt nicht nur die Korrespondenzen, darunter zahlreiche besonders schöne Malbriefe, Familienbriefe sowie die Briefe seines Vaters Eberhard Meckel an seine Mutter aus den NS-Jahren», teilte das DLA mit. Er erlaube auch einen genauen Blick auf Meckel als bildenden Künstler. Denn mit dem Nachlass habe das Archiv 350 sogenannte Manuskriptbilder erworben, in denen Bild-, Farb- und Schriftelemente miteinander verschmölzen. Meckel habe für einen großen Teil dieser Bilder auf eigene Manuskripte zurückgegriffen. Daher hätten diese Blätter den Status von Textzeugen.

Meckel wuchs in Freiburg auf, wo er 1944 die Zerstörung der Stadt erlebte. 1959 erschien sein erster Gedichtband «Tarnkappe». Große Anerkennung fanden auch seine Prosawerke wie der Roman «Bockshorn» (1973) oder Erzählbände. 1978 gelang ihm mit der Liebesgeschichte «Licht» der Durchbruch. Zwei Jahre später veröffentlichte er den autobiografischen Roman «Suchbild - Über meinen Vater», in dem er den Vater-Sohn-Konflikt der Nachkriegsgeneration thematisierte.

Meckels Werk umfasst rund 60 Bücher. Sein Leben lang kombinierte der im Alter von 84 Jahren gestorbene Künstler Dichtung und Grafik. Für sein literarisches und grafisches Werk erhielt Meckel unter anderem den Immermann-Preis (1959), den Rainer-Maria-Rilke-Preis (1978) und den Bremer Literaturpreis (1981), den Joseph-Breitbach-Preis (2003), den Johann-Peter-Hebel-Preis (2018) und den Ludwigsburger Antiquaria-Preis für besondere Leistungen zur Förderung und Pflege der Buchkultur (2020).

© dpa-infocom, dpa:220322-99-628882/2