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Abschied

„16 Jahre als Bürgermeister haben mich geprägt“

Holger Haist wurde gestern Abend offiziell als Schultes von Mundelsheim verabschiedet.

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Rainer Haas, Simone und Holger Haist, Frank und Xenia Rebholz (v.l.) bei der Verabschiedung des Mundelsheimer Bürgermeisters. Foto: Ramona Theiss

Mundelsheim. Überraschung bei der Verabschiedung von Holger Haist. Wie der nach zwei Amtsperioden scheidende Bürgermeister am Ende des offiziellen Teils des Festakts im Gasthof Ochsen bekanntgab, hört nicht nur er selbst auf: Auch Hauptamtsleiter Sascha Tyler und Michaela Hammel, die für Bauanträge, Grundbuchangelegenheiten und das Amtsblatt zuständig ist, werden das Mundelsheimer Rathaus verlassen – Haists Nachfolger Boris Seitz, der sein Amt im Dezember antritt, muss sich in seiner neuen Funktion gleich auf Personalsuche begeben.

„Die 16 Jahre haben mich geprägt“, sagte der sichtlich bewegte Haist. „Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte.“ 2002 hatte er sich gegen die ungewöhnlich hohe Zahl von 15 Mitbewerbern durchgesetzt. Acht Jahre später wählten ihn die Mundelsheimer dann mit einer Zustimmung von 98 Prozent erneut ins Amt. Als Bürgermeister habe er sich bemüht, die Wünsche der Bürger zu erfüllen, meinte Haist. „Und der mit Abstand größte Wunsch war ein Supermarkt im Ort.“ Haist setzte sich intensiv für eine Neuansiedlung ein, nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen eröffnete schließlich ein Discounter in der Neckaraue – neben dem Bau des Gemeindepflegehauses im Jahr 2010 wohl Haists größter kommunalpolitischer Erfolg.

Haist habe nicht nur als Rathauschef, sondern von 2009 bis 2014 auch als Kreisrat Akzente gesetzt, lobte Landrat Rainer Haas. „Ich kann mich nicht an einen einzigen kritischen Disput erinnern – die Zusammenarbeit war stets konstruktiv und produktiv.“ Ein Bürgermeister habe keinen einfachen Job, müsse stets Präsenz zeigen, für alle Bürger ansprechbar sein und sein knappes Zeitbudget einteilen. „All das haben Sie gut gemanagt“, betonte der Landrat.

Haist habe sich stets als verlässlicher und kompetenter Kollege erwiesen, sagte der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler, der insbesondere im Gemeindeverwaltungsverband Besigheim und im Zweckverband Industriegebiet Besigheim eng mit seinem Mundelsheimer Amtskollegen zusammenarbeitete. Mit vereinten Kräften habe man es geschafft, das Gewerbegebiet in verträglichen Schritten weiterzuentwickeln. „Mittlerweile hat das Areal mit 2500 Mitarbeitern in rund 70 Betrieben eine Größenordnung erreicht, die Gewicht hat.“

Die Suche nach einem Abschiedsgeschenk brachte Bühler ein wenig in die Zwickmühle. Haist stemmt gerne Gewichte im Fitnessstudio. „Du bist austrainiert und ernährungsbewusst“, meinte Bühler, der dennoch nicht zu Vitamin-Drinks mit „geheimnisvollen Inhalten“ greifen wollte. Stattdessen überreichte er einen Präsentkorb der Felsengartenkellerei. „Ohne Laktose, vitaminreich und muskelaufbauend.“

Haists Verdienste um die Neckargemeinde seien im positiven Sinne bemerkenswert, so der stellvertretende Bürgermeister Andreas Link. Er beglückte Haist mit einer Patenschaft für einen Rebstock im Käsberg.

Haist bedankte sich nicht nur für die Geschenke, sondern auch bei Jürgen Riehle, dem ehemaligen Schultes von Holzmaden (Landkreis Esslingen). Dieser sei sein großes Vorbild als Bürgermeister. „Weil du so wie ich nach 16 Jahren aufgehört hast.“ Ob er seinen Abschied bereut habe, wollte Haist von Riehle wissen. „Nur sehr begrenzt“, lautete die Antwort. Zu seinen eigenen Zukunftsplänen wollte Haist gestern keine Stellung nehmen. „Da ist noch alles offen.“