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Schillersonntag

Alles dreht sich um Buchstaben

„Berühren erlaubt“ hieß das Motto beim gestrigen verkaufsoffenen Schillersonntag – und passend zum Dichterfürsten drehte sich alles um Buchstaben.

Eine Menge los war beim Schillersonntag in der Marktstraße: Vereine und Gruppen stellten sich vor, die Geschäfte hatten geöffnet, es gab viel auszuprobieren. Fotos: Holm Wolschendorf
Eine Menge los war beim Schillersonntag in der Marktstraße: Vereine und Gruppen stellten sich vor, die Geschäfte hatten geöffnet, es gab viel auszuprobieren. Foto: Holm Wolschendorf
Der Gaukler auf dem Hochrad behält den Überblick.
Der Gaukler auf dem Hochrad behält den Überblick.
Wer das Wort „Schiller“ aus diesen lustigen Buchstaben zusammensetzen will, braucht Helfer. Im Hintergrund wird jongliert.
Wer das Wort „Schiller“ aus diesen lustigen Buchstaben zusammensetzen will, braucht Helfer. Im Hintergrund wird jongliert.
Im Literaturmuseum der Moderne darf auch gemalt werden.
Im Literaturmuseum der Moderne darf auch gemalt werden.
Schillerglocken in der Galerie in der Wendeliskapelle.
Schillerglocken in der Galerie in der Wendeliskapelle.
Literarisches Billard mit Hegel und Queue.
Literarisches Billard mit Hegel und Queue.

Marbach. Buchstaben bilden Worte, aus Worten werden Sätze und aus ihnen entsteht Literatur. Ganz einfach? Spielend wurde das jedenfalls beim gestrigen verkaufsoffenen Schillersonntag umgesetzt. „Bitte berühren!“ lautete das Motto. Hautnah und ganz analog machten sich da die Besucher auf Entdeckungsreise.

Reger Betrieb herrschte in den Literaturmuseen, wo die digitale Welt einmal ganz außen vor blieb. Da standen noch die guten alten Schreibmaschinen, Buchstaben wurden nach alter Manier zusammengesetzt und in den Schulheften berühmter Literaten wie Sarah Kirsch oder Ilse Aichinger konnte geblättert werden. Schönschrift war in früheren Zeiten noch ein Wert für sich, das Akkurate dominierte und viel Lehrerlob gab es für einen fantasievollen Aufsatz.

Nachmachen war erlaubt und so konnten alle ihre eigenen Geschichten vom Schreibenlernen aufschreiben und erzählen. Die Publikumsresonanz im Literaturmuseum der Moderne und im Schiller-Nationalmuseum war groß, es fanden anlässlich des Schillersonntags auch etliche Kurz- und Familienführungen statt.

Der Weg in die Marbacher Innenstadt lohnte sich, zumal sich der zunächst nebelverhangene kalte Sonntag schließlich doch noch von seiner sonnigen Seite zeigte.

In der Stadt hatten Geschäfte geöffnet, Waffelduft zog durch die Gassen, Crêpes wurden gebacken und bei der Hocketse vor der Metzgerei Morlock stießen die Gäste mit dem ersten Glühwein der Saison an. Der hatte die ganz besondere Würze. Dazu eine Wurst vom Grill und es kam richtig vorweihnachtliche Stimmung auf. Dazu passte auch die festliche Dekoration in der Buchhandlung Taube mit Lichterglanz und einem ansprechend gestalteten Tisch voller kleiner Geschenkideen wie die Spieluhr, die aussah wie ein nostalgischer Plattenspieler und Weihnachtsmelodien im Programm hatte. In Monika Schreibers Galerie oben in der Wendelinskapelle lasen die Mädchen Emma Häussermann und Helena Korn aus ihren Lieblingsgeschichten. Hier läutete zwar nicht die Schillerglocke Concordia, viele kleine Glocken waren aber hübsche Dekoration für ein berühmtes Werk des Dichterfürsten.

Berühren erlaubt hieß es auch in der Apotheke, wo die Besucher sogar eine wohlduftende Handmassage bekamen.

Das Geschehen würzte außerdem die Jongliergruppe Kajom der katholischen Kirche in Marbach. Der Gaukler auf dem Hochrad war ein Hingucker, den Jongleuren konnte man kaum mit dem Auge folgen und im Handkarren befanden sich große Tafeln mit lustigen Buchstaben. Wer diese beispielsweise zum Wort „Schiller“ zusammensetzten wollte, brauchte zwar acht Mitstreiter, dafür war allen Akteuren die Aufmerksamkeit sicher.

Berühren erlaubt hieß es auch beim Bücherflohmarkt, wo wieder fleißig gestöbert und geblättert wurde. Berührend auch der Saxophonsound, der zur entspannten Stimmung am Schillersonntag passte.

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