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Ankläger fordert 13 Jahre Haft für Vater und Psychiatrie

Im Prozess gegen den 40-Jährigen wegen des grausamen Tods seiner Söhne plädieren alle Anwälte auf Totschlag und eine entsprechende Unterbringung

Vaihingen/Heilbronn. Ein nach den Worten des Staatsanwalts „langer und für uns alle quälender Prozess“ geht zu Ende – und es wurde am vorletzten Tag des Verfahrens gegen einen 40 Jahre alten Mann noch einmal emotional. Nicht nur Christoph Meyer-Manoras nutzte die Plädoyers im Prozess wegen des Totschlags an den vier und fünf Jahre alten Söhnen des Angeklagten auch dazu, sein Empfinden darzulegen. Er habe sich überlegt, ob er den Fall übernehmen könne, unter anderem weil er Kinder in demselben Alter habe. Denn: „Die Tat ist in ihrer Schändlichkeit unglaublich. Mir fehlen eigentlich die Worte um zu beschreiben, welchen Schmerz der Tod auslöst“ – und das gelte für die Mutter und den angeklagten Vater.

Dass er derjenige ist, der am 18. Februar in seinem Haus in Vaihingen-Aurich den beiden Kindern zunächst einen Betonverbundstein auf den Kopf geschlagen habe, daran gebe es aber „nicht den geringsten Zweifel, das zeigt die Beweisaufnahme überdeutlich“. Etwa DNA-Spuren, das Verhalten des Mannes, nachdem die bis Juni 2016 mit ihm lebende Frau kam um die Kinder abzuholen, oder das Gutachten der Rechtsmedizinerin. Sie hatte detailliert geschildert, wie die Jungen getötet wurden. Mehrfach sei mit dem Stein zugeschlagen worden. Danach habe er mit einem Messer den Jungen in die Brust gestoßen, später bei sich selbst.

Doch für alle Anwälte war vor allem das psychiatrische Gutachten wichtig. Der Angeklagte hätte die „spontane Tat“ nie begangen, wenn er nicht eine Depression mit wahnhaften Zügen gehabt habe, so Meyer-Manoras‘ Fazit. „Er spielt uns auch nichts vor.“ Trotz Krankheit: Er forderte 13 Jahre Haft, das liege im oberen Bereich des Strafmaßes. Es sei aber keine Frage, den Mann wie gutachterlich empfohlen in einer Psychiatrie unterzubringen.

Zehn Jahre Haft und ebenfalls eine Unterbringung forderte der Verteidiger. „Mein Mandant steht fassungs- und hilflos vor dem Geschehenen“, sagte Mathias Sigmund über den 40-Jährigen, der vor Gericht keine Angaben zu der Tat gemacht hatte, weil er sich an nichts erinnern könne.

Sigmund erhob aber auch Vorwürfe, unter anderem gegen die Ärztin seines Mandanten, weil diese ihm am Tag vor der Tat eine Großpackung eines Anti-Depressivums verschrieben habe – in seinem Blut war auch eine Überdosis festgestellt worden, laut einem Gutachter aber kein Auslöser für die Tat. Und er kritisierte den Anwalt der Mutter, der zuvor dem Vater unter anderem manipulatives Verhalten vorgeworfen hatte.

Selbst nach der Tat habe der Angeklagte versucht, seine Mandantin schlecht zu machen und behauptet, sie hätte ihn auch körperlich bedroht, so Christian Bonorden. „Nebenkriegsschauplätze“ hätte der Verteidiger eröffnet und dazu auch angebliche Vorfälle angeführt – ohne objektive Beweise. „Diese Versuche fand ich persönlich schwer zu ertragen.“

Solche Nebenkriegsschauplätze hätten die Belastung für die 35-Jährige noch größer gemacht. Sie war an allen Verhandlungstagen zugegen, quasi als letzten Dienst für ihre Kinder, so ihr Anwalt. Denn sie habe das Gefühl gehabt, sie im Stich gelassen zu haben.

Doch alle Redner brachten zum Ausdruck, dass die Mutter keinerlei Schuld treffe. Den Anwaltsbrief am Vortag der Tat, in der der Mindestunterhalt gefordert wurde, könne nicht der Auslöser gewesen sein, so Meyer-Manoras, der der Frau einen sachlichen Umgang mit ihrem Ex attestierte. Es könne auch nur ein Wort oder eine Handlung der Kinder gewesen, die ein psychisch Kranker, von Ängsten geplagter Mensch fehldeuten könne. „Aber egal, was strafrechtlich herauskommt, es macht ihren Schmerz nicht besser“, sagte er zur Mutter. Das Urteil soll heute verkündet werden.