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Senioren

Ausbau der Kurzzeitpflege geplant

Einem Bedarf von 160 Plätzen im Landkreis steht ein Angebot von derzeit 32 Plätzen gegenüber

Mit Hilfe der Kurzzeitpflege können sich pflegende Angehörige erholen oder in Urlaub gehen.Archivfoto; dpa
Mit Hilfe der Kurzzeitpflege können sich pflegende Angehörige erholen oder in Urlaub gehen.Archivfoto; dpa

Kreis Ludwigsburg. Ein betagtes Ehepaar aus einer Stadt im Landkreis braucht einen Kurzzeitpflegeplatz: Die 84-jährige Frau muss eine Kur antreten, ihr ein Jahr älterer Mann kann sich aber zuhause nicht mehr allein versorgen. Sohn und Tochter telefonieren sich einige Tage und mit immer größeren Frust durch die Pflegeeinrichtungen im Kreis – vergeblich. Für den fraglichen Zeitraum ist kein Platz zu bekommen. Erst als die Suche über den Landkreis hinaus ausgedehnt wird, haben sie in Stuttgart-Zuffenhausen Glück.

Das ist bei weitem kein Einzelfall: 32 Kurzzeitpflegeplätze in Pflegeeinrichtungen im ganzen Landkreis gibt es derzeit. Es handelt sich um Einzelzimmer, die ausschließlich für die Kurzzeitpflege vorgesehen sind. Da der Bedarf rein rechnerisch laut Landratsamt Ludwigsburg bei 160 Plätzen liegt, hat der Kreistag beschlossen, den Ausbau zu unterstützen und zu fördern. 36 weitere Plätze sind im Ausbau – auch in Doppelzimmern. Weitere Träger überlegten, die Zahl aufzustocken, sagt Heike Dierbach, Fachbereichsleitung soziale Pflege- und Versorgungsleistungen im Landratsamt Ludwigsburg.

Hintergrund: Für die Träger der Pflegeheime sind die Kurzzeitpflegeplätze wenig attraktiv, da die Jahresauslastung aufgrund der schwierigen Planbarkeit nur 70 bis 87 Prozent beträgt. Die Spitzenzeiten liegen oft in den Sommerferien, in anderen Zeiten gibt es dafür Leerstände. Das Land fördert deshalb Investitionen, aber auch die Kurzzeitpflege allgemein, der Landkreis Ludwigsburg arbeitet derzeit an Förderrichtlinien.

200 Dauerpflegeplätze, die nicht benötigt werden, könnten zudem kurzfristig als Kurzzeitpflegeplätze genutzt werden, so Dierbach. Schließlich gibt es in allen Orten außer in Oberriexingen und Hessigheim ein Pflegeheim. Denn bei der Kurzzeitpflege gehe es meistens eher um einen konkreten Termin als um einen konkreten Ort. „Die Angehörigen suchen einen freien Platz wie ein Hotelzimmer und wechseln auch in andere Orte.“

Kurzzeitpflege ist laut Vorgabe der Pflegeversicherung maximal sechs bis acht Wochen möglich. Mehrere Varianten sind denkbar. Pflegende Angehörige, die ihren Urlaub früh buchen, kümmern sich meistens auch frühzeitig um einen Platz in einer Pflegeeinrichtung, um die Versorgung sicherzustellen. In den meisten Fällen funktioniert dies wegen der längeren Vorlaufzeit gut. Die Pflegeeinrichtungen belegen die Kurzzeitpflegeplätze selbst, je nachdem ob sie Kapazitäten haben oder auch mit der jeweiligen Krankheit vertraut sind.

Ansprechpartner kann auch der Pflegestützpunkt des Landkreises sein. „Sie können beraten, ob eine Kurzzeitpflege tatsächlich nötig ist, oder ob auch Tages- oder Nachtpflege oder der ambulante Dienst die Versorgung übernehmen können“, so Dierbach.

Diese Variante soll noch weiter ausgebaut werden. In einem Modellprogramm „Kurzzeitpflege im häuslichen Umfeld“ entwickelt der Landkreis derzeit Ideen, wie Kurzzeitpflege ambulant im eigenen Zuhause organisiert werden kann. Das Hauptaugenmerk der Angehörigen liege in der Sicherstellung des Gesundheitszustandes. Im Pflegeheim kümmere sich immer jemand, egal, was passiert. „Das wollen wir auch ambulant versuchen“, erklärt die Fachfrau. Dazu brauche es eine Vernetzung der Pflegedienste und sonstiger Hilfen. „Manchmal reicht es, wenn nur jemand vorbeigeht und nach dem Rechten sieht. Da braucht es keine Fachkraft. Wir müssen schauen, was machbar ist“, so Dierbach.

Schwieriger gestaltet sich die Suche in akuten Situationen, wenn die Versorgung zusammenbricht oder wenn ein Mensch kurzfristig zum Pflegefall wird und möglichst noch die Rehabilitation eine Rolle spielen sollte. Hier stellt sich häufig die Frage, ob die Tendenz in Richtung Dauerpflege geht oder ob auch häusliche Pflege möglich sein könnte. „Oft muss auch das Zuhause erst dementsprechend umgebaut werden und die Kurzzeitpflege dient der Überbrückung“, sagt Heike Dierbach. Erschwerend komme hier hinzu, dass in Akutsituationen die Angehörigen emotional extrem belastet sind.

Der Bedarf sei also individuell, weshalb man sich individuell annähern müsse, welche Plätze man wo bereitstellen müsse.

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